Bariatrische OP – Teil 1 – Aufnahme- und OP-Tag

Vorneweg: ich habe einen Sleeve, einen Schlauchmagen bekommen. Dafür hatte ich die letzten 7 Monate hart gearbeitet und das komplette Programm mitgemacht.

Die letzten 14 Tage musste ich dann eine bestimmte Diät einhalten: max. 1000kcal/Tag, absolut keine Kohlenhydrate, mind 90g Eiweis pro Tag und nach Möglichkeit alles flüssig/breiig.

Für den Aufnahmetag sollte ich dann auch mein komplettes Essen mitbringen, es gab zwar Milch, Eiweispulver, Wasser, Tee und Brühe auf Station, aber da ich was das Eiweispulver etwas eigen bin, entschied ich alles mit zunehmen.

Am Vortag kochte ich noch eine Suppe und hatte  zusammen mit dem Betreuer alles gepackt und die Nacht dann doch noch erstaunlich gut geschlafen.

Generell war ich unerwartet – „entspannt“ – was eher daran lag, dass ich einfach sehr weit weg von mir bin und war. Da Funktionieren lief auf Hochtouren und hielt auch gut durch.

Der Betreuer fuhr mich zum Krankenhaus und begleitete mich zur Anmeldung (was nur möglich war, weil ich im Schwerbehindertenausweis das B für Begleitung erforderlich hab).

Dort füllte ich erstmal ne Menge Papierkram aus und kam dann ins Wartezimmer für die Aufnahme auf die Station.

Dort das übliche Prozedere: Zimmer zugewiesen bekommen, zum PCR-Test geschickt worden, wieder zurück auf Station Aufnahmegespräch mit der Pflege,  dann kam der PJ-ler – der grade bei seinem 4. Versuch war mir Blut abzuzapfen als auch schon der Stationsarzt zum Arztgespräch kam.

Alles übrigens im Patientenzimmer – 2-Bett-Zimmer, die Bettnachbarin bekam alles mit – das ist da so üblich dass da nichts groß getrennt wird. Ich war dankbar fürs Funktionieren, und dass es nicht um ein „wie gehts mir“ geht, sondern halt Fakten aufzählen, sonst wäre das mit so vielen Leuten gar nicht möglich gewesen.

Der Stationsarzt meinte dann zum „Vampier“, dass sie das gleich zusammen machen würden mit dem Abnehmen, machte das Arztgespräch und versuchte dann weitere 9x Blut zu zapfen – vergeblich. „Wir kommen dann später nochmal wegen dem Blut“ und schon waren sie wieder (nach einer Stunde oder so insgesamgt gg) raus.

Ich bekam von der Pflege einen „Laufzettel“ in die Hand gedrückt mit den Stationen im Haus, zu denen ich noch musste – erst Anästhesiegespräch, dann EKG und dann nochmal Adipositasambulanz.

Bis dahin hatte ich weder gegessen noch getrunken, weil morgens ging nicht, Suppe hatte ich in der Thermoskanne mit, aber es war ja bisher keine Zeit für irgendwas.

Also nutzte ich die Wartezeit beim Anästhesisten für die erste Suppenschlucke, den Rest gabs vorm EKG, da musste ich eh ewig warten.

Die Klinik ist eine Uniklinik und entsprechend wirklich riesig, die Wege sehr lang, die Menschenmenge riesig.

Danach ging es noch zur Adipositasambulanz, nochmal wiegen, messen und die Körpermaßen (Muskeln, Wasser, Fett, Trainingszustand usw) analysieren.

Es war kurz vor 12 als ich mit allem fertig war und wieder müde und erschöpft auf Station eintraf.

Essen musste ich ja eh mitbringen für den Tag, von daher ging das alles soweit ganz gut.

Dann kam auch schon der PJ-ler wieder und siehe da beim 3. Versuch konnte er seine Röhrchen endlich füllen.

Das wars im Prinzip auch für den ersten Tag.

Bisschen schwierig war die Zimmernachbarin, die einfach eine nette alte, leider aber auch verbitterte Dame war, die sehr sehr sehr großes Gesprächsbedürfnis hatte und von halb eins (da kam sie wieder auf Station) bis um 18 Uhr durcherzählte – immer das Gleiche übrigens. Da klingelte mein Handy (eine Erinnerung an den Quiz) und so setzte ich mich mit ihr dann vors Tablet und wir schauten gemeinsam – wo redete sie wenigstens weniger.

Ich hatte das Glück für den nächsten Tag gleich als erstes auf dem OP-Plan zu stehen – also um 7 Uhr Abholung.

Abends gab es dann OP-Kleidung, Thrombosestrümpfe (wurde vorher kurz gemessen) und das mit den Medis haben sie nicht wirklich hinbekommen, aber da wurde ja auch vorher gesagt, dass ich alles mitnehmen soll.

Ich brauchte nicht mal ne Schlaftablette und Tavor sollte ich wegen der Narkose nicht nehmen – aber ehrlichgesagt brauchte ich das auch nicht – ich war völlig fertig.

Am nächsten Morgen nahm ich noch meine Medis, duschte nochmal, man zog mir die Thrombosestrümpfe an (bekam ich nicht hin) und ich lag in diesem OP-Hemdchen im Bett und wurde auch schon abgeholt.

Dann ging es eigentlich recht schnell: OP-Bereich wurde ich angemeldet, dann umgelagert, dann in den Anästhesie-Raum gebracht und das war das einzig doofe irgendwie – mit dem Anästesisten wurde ich nicht wirklich warm, hatte auch das Gefühl er nimmt mich da nicht wirklich ernst usw. Vor allem ging es darum, dass alle meinten, dass ich einen ZVK  (also einen Zentralvenenkatheder am Hals) bekommen sollte, weil eh so schlechte Venen usw und er da irgendwie erst nicht wollte.

Aber ich war eh schnell weg – von daher schon ok.

Gegen 14.45 wurde ich dann aus dem Aufwachraum wieder auf Station entlassen.  Mit ZVK übrigens, was sich später noch als großes Glück für mich rausstellen sollte.

Mir war einfach nur übel und ich war müde – Schmerzen hatte ich nur bisschen Ziehen im Bauchbereich, aber die Kotzerei war echt übel.  Doch irgendwann wurde das mit Medis dann auch etwas besser und so schlief ich halt recht viel.

Irgendwann kam der Operateur vorbei, meinte, die OP sei super verlaufen, hätte kaum geblutet und alles super. Heute also Ruhe, morgen dann Trinken frei, übermorgen Sleeve-Kost und dann kann ich auch schon nach Hause.

Gegen den späteren Nachmittag hatte ich das Gefühl dass das mit der Übelkeit vielleicht doch nicht nur Narkose ist, sondern mehr mit meiner Nebenniereninsuffizienz zusammenhing – das bedeutet, dass mein Körper zu wenig Cortisol produziert.#

Ich nehme täglich Hydrocortison um das auszugleichen.

Bei einer OP gibt es ein bestimmtes Schema: 100mg Hydrocortison als Schnellinfusion (=Bolus) vor Narkoseeinleitung und dann 100mg über 24 Stunden. Eben um einer Unterversorgung vorzubeugen, die zu einer Addison-Krise führen kann (und die ist echt scheisse sag ich euch).

Zu den Symtpomen der Unterversorgung gehören bei mir wechelnd warm/kalt, Übelkeit, Erbrechen, Schwäche und Durchfall. Letzteres hatte ich nicht – hatte ja nichts gegessen, aber der Rest.

Wie gesagt – noch war nicht ganz klar ob das jetzt einfach Narkosenachwirkungen sind oder doch was anderes, aber ich sagte abends dann schon, dass ich eben nicht sicher sei ob es nicht doch mehr mit dem Cortisolmangel zu tun haben könnte, dass ich immer noch spucke und mir heiss/kalt ist usw. Da war ich mir aber selbst auch noch nicht sicher.

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