Schreiben

Schon seit Tagen ist der Drang da zu Schreiben.

Das ist bei mir unterschiedlich. Es gibt das Schreiben einfach um des Schreibens willen – da geht es nicht um Inhalte oder so.

Dann gibt es das Schreiben um sich zu sortieren. Wenn ich anderen versuche zu erklären, was in mir los ist, muss ich Worte und Bilder finden, die das erklären. Es ist eher ein Drang, funktioniert auch nur von Hand. Als würde die Tinte, die aufs Papier fliesst ein Ventil für den inneren Druck sein. Ein Weg den etwas raus zu lassen.

Oft schreib ich da einfach drauf los und überschreibe auch die Zeilen immer wieder. Denn es geht nicht um das Geschriebene – sondern ums Schreiben an sich.

Es ist kein – Formulieren, sondern niederschreiben was grad im Kopf da ist – durcheinander und ohne den Wunsch was verstehen zu wollen oder ähnlichem.

Meistens ist es aber eher auch das Verstehen wollen. Das innere Chaos sortieren. Indem ich anderen erklären möchte, was grad los ist, muss ich es in Worte und Bilder kleiden, muss es – erklären. Muss es formulieren.

Durch das Formulieren wird es meistens auch für mich klarer, strukturierte, benennbarer. Und oft führt so ein Schreiben mich zu neuen Erkenntnissen und mehr Verständnis für mich und das was grad so aufwühlt.

Im Idealfall mache ich dann am Ende einen Punkt. Und mit diesem Punkt kann ich es dann auch soweit auch erstmal stehen lassen. Eben einen Punkt setzen.

Die letzten Tage hab ich viele Seiten, viele Zeilen gefüllt – immer und immer wieder.

Es arbeitet und brodelt in mir, was genau weiß ich nicht, zum Klären oder Benennen ist es viel zu weit weg.

Und da war es dann wieder – dieser Drang, ja fast  Zwang einen Stift zu nehmen und einfach nur zu Schreiben. Zeile um Zeile zu füllen und am Ende der Seite wieder oben anzufangen, die Zeilen ein zweites und drittes Mal zu füllen.

Ich schau der Tinte zu, wie sie auf das Blatt fliesst, es geht nicht um Buchstaben oder Wörter, nicht um Inhalte – sondern nur darum dass da Tinte in Linien auf das Blatt fliesst.

Das ginge theoretisch auch mit Zeichnen oder so – aber das klappt dann nicht – es geht ums Schreiben. Wissend, dass da Worte fließen, Worte, die ich sonst grad nicht habe, Worte, die Stellvertreter sind. Worte, bei denen es grad nicht um den Inhalt geht, weil ich gar nicht weiß, was der Inhalt wäre.

Trotzdem ist dieses Schreiben auch eine Art Loslassen, ich kann es fließen lassen.

Und irgendwann werden daraus auch Worte werden, bei denen es dann klarer wird um was es geht, wird es wieder ein Schreiben werden, das formuliert, benennt, beschreibt.

Nicht immer kann ich das – egal welche Art von Schreiben. Doch die letzten Tage war das wichtig für mich.

Wenn es dann klarer werden will, klarer werden darf, die Zeit dafür reif ist – wird das so sein.

Bis dahin ist es einfach nur Schreiben um des Schreibens willen. Der Stift in der Hand, das Gleiten der Spitze und der Tinte über das Papier. Das Chaos, dass es beim Überschreiben hinterlässt – ähnlich wie ein Wollknäuel – alles durcheinaner und doch gibt es einen Anfang und ein Ende und wie bei einem gestrickten Teil – ist die Wolle miteinander verknotet und verbunden – und doch ergibt sich Struktur und Ordnung.

Ob ich sie nun grad sehe oder nicht. Irgendwann wird es Sinn und Inhalt haben und bis dahin – hab ich das Schreiben.

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