unschöne Erkenntnis

Festgestellt, dass ich vor allem dann schlechte Tage habe, wenn ich persönliche Kontakte (in der Regel auch mit etwas zu tun) hab oder längere Treffen (Betreuung oder ähnliches) am nächsten Tag.

Steht nichts an – bin ich offensichtlich entspannt und alles im grünen Bereich.

Wenn ich weniger Kontakt hab, mich nicht direkt mit jemanden auseinander setze (das geht ja auch übers Internet), quasi die Welt aussperre – ist es gut.

Dann ist höchstens mal ein bisschen Unruhe, aber auch das krieg ich dann immer mit Ablenken gut hin.

Dass mir die Menschen als sozialer Kontakt nicht groß fehlen, ist jetzt nicht neu.

Im Moment finde ich es aber erschreckend festzustellen, dass mir die Menschen als sozialer Kontakt so gar nicht fehlen – absolut null. Was das Problem dabei ist, ist die Hilfe die wegfällt.

Sei es für die Wohnung, für die Struktur usw.

Struktur die mir hilft ungesunde Verhaltensweisen gar nicht erst einreissen zu lassen, mir helfen mit den Dingen umzugehen, mit denen ich allein eben keinen gesunden Umgang habe, wo ich dann Hilfe von außen brauche für die Alternative.

Es schleichen sich alte Verhaltensmuster ein – das Essverhalten ist keine Fressucht, aber es ist ungesund. Ich hab sehr viel zugenommen im letzten Jahr.

Und ja mir ist bewusst, dass das auch eine Folge des Wegfalls der Therapie ist. Weil Gefühle dann wieder gar keinen Raum mehr haben und somit sicher wieder einiges über Essen kompensiert wird.

Es geht nicht nur um den inneren Schweinehund. Den hab ich im letzten Jahr auch kennengelernt – viel zu gut sogar, aber der erschwert es nur, ist aber nicht das Problem.

Kein Wunder dass sich die gesundheitliche (körperliche) Situation so verschlechtert hat.  Das wiederum macht Sport/Bewegung und auch gesundes Kochen noch schwieriger, weil ich gar nicht so lange stehen kann.

Es ist ein Teufelskreis. Einer, der mir im Kopf durchaus bewusst ist und ich hab auch immer wieder mal was gemacht, aber nicht in voller Konsequenz.

Ich muss die Grenze finden – zwischen geht grad halt wirklich nicht und dem Schweinehund. Ehrlich sein.

Die Prioritäten waren in den letzten Monaten anders. Es ging mehr darum einfach überhaupt alles irgendwie hin zu bekommen. Auch das innere Chaos hinter nicht sein verschlossen halten. Bloss nicht fühlen.

Es ging (und geht irgendwie auch noch) nur um irgendwie Ablenken, weil nur so geht es ohne große Krisen. Die kann ich mir nicht leisten – ohne Therapeut, ohne Backup-Version eines stationären Aufenthalts, den ich auch hinbekomme usw.

So mag es nicht mehr kurzfristig ums Überleben zu gehen, aber mittel- bis langfristig geht es durchaus darum – ich schade mir massiv mit meinem Verhalten.

Und ich weiß nicht genau, wie ich das ändern soll.

Das wird also Thema sein im nächsten Therapietermin (der ist am Mittwoch). Ich muss da einen Weg finden, bevor ich mich gesundheitlich zu Grunde richte.

Ich kann nicht mehr alles auf den Schweinehund schieben.

Den zu überwinden war nie das Problem – ihn als Ausrede zu nutzen, dass ja alles gar nicht so schlimm ist und ich grad nur faul und morgen mach ich es dann einfach – ist aber ein Problem.

Es ist nicht das Aufraffen können raus zu gehen oder auf den Crossi oder mit dem Rad zu fahren. Das Problem sind Panik und inneres Chaos und nicht mehr funktionieren des nicht-seins wenn ich den Schweinehund hinter mir hab.

Sich dem zu stellen – erscheint mir grad kaum schaffbar. Weil das Netz fehlt. Das ist halt weggefallen im letzten Jahr. Die vertrauten Therapeuten/Fachpersonen, die Regelmäßigkeit und auch Intensität (sowohl vom Miteinander als auch von der Frequenz) – es fehlt.

Die Versuche wieder einen Therapeuten zu finden, mit dem auch wirklich Therapie möglich ist und nicht nur alle paar Wochen mal ein paar Minuten aufs Laufende bringen – scheiterten.

Im Moment hab ich ein Sicherungsseil – vielleicht. Mit etwas Glück werden es 14-tägige Termine.

Aber es muss vorbei sein mit Kennenlernen und SmallTalk. Sich einlassen. Weil ich grad nicht die Zeit hab noch länger zu warten, wenn ich was ändern will.

Und ich will was ändern. Ich muss was ändern. Jetzt. Bevor ich in einen körperlichen Zustand gerate, in dem weder Rad noch Physio noch Therapie ambulant was ausrichten können.

Es muss sich was ändern. Nein. ICH muss mein Verhalten jetzt ändern.

Stopp. Dem nicht hinschauen, verharmlosen, runterspielen.

Jetzt.

Ehrlich sein, es ernst nehmen, endlich anfangen ernsthaft an einer Änderung arbeiten. Tag für Tag. Und Hilfe dafür annehmen.

Das ist der Grund fürs schieben. Das sich eingestehen, dass ichs allein nicht im Griff hab, Hilfe brauche und Menschen um Hilfe bitten müssen, die ich eigentlich nicht kenne. Mich einlassen auf einen Therapeuten, den ich grad 3x gesehen hab. Ich mein wirklich einlassen – und ihn eben um Hilfe bitten. Gezielt. Uff.

Meine Aufgabe bis nächsten Mittwoch. Neben dem wieder achtsamer essen und alles aufschreiben um wieder einen Überblick zu bekommen.

Erste Schritte.

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