zurückfinden

So ganz langsam finde ich zum Alltag zurück.

Ein Alltag der geprägt ist von Müdigkeit, Anstrengung, Dauerdissoziation – mal mehr, mal weniger weit weg, aber eigentlich nie ganz da.

Müdigkeit, Anstrengung usw kommen eher von den Medikamenten. Medikamente, die das innere Chaos, die Ängste und Panik was die Zukunft angehen, das Abwarten auf eine Reaktion der Krankenkasse – das Hoffen und Bangen – etwas mildern sollen. Dämpfen.

Es ist nicht wirklich ruhiger, aber weiter weg, dumpfer, damit auch aushaltbarer. Auch hier mal mehr, mal weniger, aber es zeigt sich meist eben an äußeren Sachen: wie wenig es braucht um das Gefühl des Überfordertseins auszulösen – oder der Müdigkeit, die oft nicht mal so körperlich ist oder die Konzentrationsfähigkeit, die manchmal fast gegen Null geht.

Auch schmerztechnisch ist es schlechter – und das ist nur indirekt durch die Psyche verursacht. Die Ursache ist die fehlende Bewegung, die Regelmäßigkeit dabei, die nötig ist, damit sich eben die körperlichen Beschwerden (und hier vor allem die Schmerzen) in einem bestimmten Rahmen halten.

Fällt diese Regelmäßigkeit weg,  werden die Schmerzen mehr. Fehlt quasi die „Schmierung“ in den Gelenken.

Wenn das dann noch mit Dissoziation gekoppelt ist, die gerne dazu führt, dass ich eben erst viel zu spät wahrnehme, wenn ich mich körperlich übernehme oder falsche Bewegungen mache (weil halt Schmerz dann erst verzögert oder verfälscht oder gar nicht spürbar ist) führt dann schnell dazu, dass ich mich total übernehme.

Dazu noch nass/kalt, was sowieso immer mehr Schmerzen bedeutet.

Nach wie vor ist der „Fitnesslevel“ (also eher Richtung Kondition) danach schnell wieder gut – hier merke ich dann die deutlichen Änderungen durchs neue Medikament immer noch sehr. Schmerztechnisch muss ich jetzt halt achtsamer sein: Regelmäßige (und mäßige!) Bewegung, klein Anfangen, eher auf Ausdauer aus und nicht auf Kraftaufbau, bewusste Mengen/Längen aus den Erfahrungswerten festlegen und diese auch wirklich einhalten, Steigerung dann mit dem Physiotherapeuten absprechen usw.

Dazu kommt ein weiteres Schmerzmedikament, dass auch die Entzündungen angeht (die ich selbst wieder mal gar nicht wahrgenommen hab, obwohl geschollene/dicke, rote Gelenke sich recht deutlich zeigen. Ist nicht neu, etwa 1-2x im Jahr muss ich das für 7-10 Tage nehmen und dann ist das auch wieder im Griff. Ungewohnt ist nur, dass ich da nicht selbst dran gedacht hab.

Trotzdem bin ich – abgesehen von den Schmerzen – körperlich nach wie vor fit. Immer noch kein Reizdarm (und da der selbst in Krisenhochphasen nicht mehr wieder kam, wage ich zu bezweiflen, dass es je einer war, auch wenn das 25 Jahre lang die „Diagnose“ war, seit dem neuen Medikament ist das das ja wie weggeblasen – also seit gut 6 Monaten jetzt!) oder sonstige der Beschwerden, bei denen es immer hieß, die seien sicher psychisch.

Egal. Ich bin froh, dass es nach wie vor gut ist – und dass beim Rest die Psyche durchaus ihre Rolle spielt ist mir auch klar.

Durch das weit weg sein, der Dauerdissoziation, geht es im Alltag. Im Vordergrund sind wirklich eher die Anstrengung und Müdigkeit, sehr geringe Frustationstoleranz, Konzentrationsproblemen usw. Also eher die Symptomatik nach außen.

Wie es mit den Medis weitergeht, muss ich schauen (und spätestens nächste Woche mit meinem Arzt absprechen). Die Grenzen für „akut auch mal höher dosiert ok“ sind erreicht, eines bin ich bereits am ausschleichen, weil es schlicht nicht mehr wirklich greift (allerdings greift das meistens dann nicht, wenn ich eh schon „drüber“ bin – also zu hohlgedreht, das muss ich eher früher nehmen, so macht es nur noch müde).

Ich bin sehr froh über die Buchbinderei und die Betreuung. Auch wenn letztere grad eher schleppend läuft (was an mir liegt). Es ist halt grad wieder so ein „rüberretten“ von Termin zu Termin.

Für August haben wir erstmal 2 Termine die Woche angedacht, die ich nur dank MissMutig wahrnehmen kann.

Außerdem hab ich endlich nachgegeben und einen Termin in der Schulterambulanz gemacht. Die macht ja schon seit einigen Wochen Probleme und die werden eher schimmer. Da jetzt (vermutlich dadurch) das Handgelenk auch anfängt zu zicken, muss ich da jetzt mal schauen.

Die Vermutung kam auf, als ich drauf angesprochen wurde, dass sich meine Haltung verändert hat – wenn ich normal dastehe geht die eine Schulter nach vorne und die Handfläche nach außen (nach innen gedreht). Das ist natürlich eine Belastung fürs operierte Handgelenk, die nicht gut tut und mittlerweile Probleme macht.

Termin steht (mit Ende August sogar relativ schnell) und dann sehen wir weiter.

Ist halt weiter ein Abwarten und Hoffen und Beten, dass die Krankenkasse relativ schnel positiv bescheidet. Damit die Therapien nicht zu lange ausfallen müssen. Denn grade im Moment merke ich wie notwendig sie sind.

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