Samstag

Ich wäre heute gerne in die Stadt gefahren, hätte Pokemon Go gespielt und einfach etwas gelaufen.

Ersteres ging mangels Fahrgelegenheit nicht, zweiteres hat hier im Ort sehr wenig Sinn (zumindest  was die Sonderaktionen von Pokemon Go angehen) und letzteres scheiterte wieder mal daran, dass ich es allein nicht vor die Tür geschafft hab. Es fehlt das Ziel denke ich.

Ein Tag an dem die Sehnsucht nach einem Elektro-Dreirad oder ähnlichem groß ist. In der Stadt hätte ich Treffen vereinbaren können – mehr als genug sogar. Treffen die das raus gehen oft erst ermöglichen.

Weil es eine „Verbindlichkeit“ ist, die eben mehr ist als nur ein Ziel. 

Ich glaube deshalb klappt das auch mit dem Rausgehen, wenn eben eine Fahrtmöglichkeit gegeben ist.

Wenn schon kein Freund oder Bekannter zu treffen ist, findet sich sicher eine Gruppe Pokemon Go Spieler.

Alternativ wünschte ich mir eben in der Stadt zu wohnen. Was heute noch weniger erschwinglich ist als vor 8 Jahren, als ich über 2 Jahre eine bezahlbare Wohnung gesucht habe und die eben nur hier – einige Kilometer entfernt – fand.

Es ist ein Tag, der mir die Einschränkungen, die die fehlende Mobilität  mit sich bringen, deutlich macht.

Auch weil durch die ausfallende Betreuung natürlich weniger Auswärts-Aktivitäten möglich sind. Ich also auch mehr Tage am Stück zu Hause bin.

Und dann sitze ich da und denke mir, dass das Luxusprobleme sind.  Probleme, die niemand nachvollziehen kann, der es nicht selbst kennt – aber auch für mich – Luxus.

Das erschreckt mich etwas. Wann ist für mich Mobilität, unabhängig von Arzt-/Therapieterminen zum Luxus geworden? Was sagt das über mich aus?

Oder ist das so, weil ich weiß, dass das ermöglichen einer eigenständigen Mobilität Luxus wäre? Weil das nötige Gerät dazu – eben Luxus  ist. Luxus, der nicht wirklich in Reichweite ist.

Oder war es durch die funktionierende Betreuung nicht mehr so schlimm? Weil ich mich drauf verlassen konnte und wir auch so gut miteinander klar kamen, dass ein „einfach mal raus“ auch möglich war? Etwas, was ich bisher nicht kannte? Ich weiß es nicht und im Moment weiß ich auch nicht, ob ich das rausfinden will. Aber ich weiß, dass ich nicht möchte, dass einfach nur eigenständig mobil zu sein – für mich Luxus ist.

Mir ist klar, dass das niemand nachvollziehen kann, der das nicht kennt. Wie es ist, wenn man ohne „Verbindlichkeit“ (also einen Termin, ein Treffen oder so, also das Treffen mit anderen Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt) nicht das Haus verlassen kann. Und man so abseits wohnt, dass man diese eben nicht vor Ort organisieren kann, sondern eben mobil sein muss.

Mobil sein – ich kann mich gar nicht mehr erinnern wie das ist. Merke nur, wie viel Sehnsucht das auslöst.

Egal – heute ging es also nicht, Es hätte den Tag sicher einfacher gemacht.

Aber es ging auch so. Mit einigen Hoch und Tiefs, aber es war soweit alles im Rahmen.

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