Ausnahmezustand

Wechsel zwischen Zombie und Nervenzusammenbruch oder so. Wobei ersteres Gott sei Dank überwiegt.

Ich sehe mich hier sitzen, einigermaßen funktionieren, eine Hülle mit müden Augen.

Oft sitzt diese Hülle einfach nur da und starrt in die Luft. Obwohl sie nicht wirklich was sieht.

Alles ist dumpf, wie in einer trüben Blase. Gefüllt mit wolken- oder watteartiger Sicht, doch anfühlen tut es sich wie Gel, alles ist anstrengend, mühsam, jede Kleinigkeit erfordert Kraft.

Nach außen funktionieren.

Wen ich auf Menschen treffe – Lächeln, interagieren, natürlich ist alles gut.

Wenn ich das sehe, ist mir das so fremd, kenne ich diese Person, diesen Körper nicht. Steige noch weiter aus – bis ich nichts mehr wahrnehme.

Ansonsten macht die Hülle das, was halt gemacht werden muss.

Selbst Flashbacks und Co werden eher automatisch abgewickelt, kann es nur am Körper ablesen, dem Erstarren oder so. Aber wahrnehmen, fühlen – Fehlanzeige. Wobei – wahrnehmen tu ich es ja – aber so als würde es nicht mich betreffen. Emotionslos. Leer.

Ich bin nicht da – irgendwo im inneren dieser Hülle verkrochen, abgeschottet, den Blick abgewendet. Will nicht da sein. Kann mich aber eh nicht mehr finden.

Abgetaucht.

Gestern noch wechselte es hin und her, heute sinke ich nur immer tiefer. In diese Blase, die Abschottung. Kein Nervenzusammenbruch mehr, keine Träne. So weit komm ich gar nicht. Zu tief versunken um irgendwas wahrnehmen zu können. Die Nächte sind mit vielen Medis aushaltbar, alles fremd.

Am liebsten würde ich einfach nur schlafen – nichts mehr mitkriegen. Aussteigen.

Es ist ok so im Moment, ist ein Schutzmechanismus. Vor dem zuviel, der Überforderung, dem eben nicht mehr aushalten können.

Im Moment kann ich nichts tun. Nur abwarten. Nicht dran denken, was dann in 6 Wochen sein wird. Sechs Wochen – so abstrakt. So lange hin und gleichzeitig so nah. Kein Gefühl dafür.

Das klingt dunkel. Vielleicht ist es das. Ehrlichgesagt weiß ich es nicht. Es geht mir schlecht – ja. Das kann ich ja ablesen. Und mir ist auch klar, dass es nicht gut ist, wenn nur noch die Hülle da – und so gar kein fühlen. Auch kein Hunger, Durst, Wärme, Kälte oder so.

Wissen tu ich das. Fühlen tu ich das nicht. Nur Müdigkeit, Schwere, Anstrengung, als wäre die Luft aus Wasser oder Gel, so fühlt sich der Widerstand an.

Aber eigentlich bin ich nur müde. Innerlich, psychisch, so sehr, dass halt grad nur die Hülle noch funktionieren kann.


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