Helfer

Manche Helfer helfen, manche eher nicht.

Ich bin unendlich froh meinen Betreuer zu haben. Es passt einfach. Bei ihm hab ich kein Problem zu sagen, dass es heute schlecht geht und wir einfach schauen müssen was geht.

Weil ich weiß, dass er damit umgehen kann. Er weiss genau wann er was sagen soll/kann und wann nicht, wann es besser ist mich abzulenken und wann mich in Ruhe lassen.

Vielleicht bin ich daher verwöhnt.

Letzte Woche meinte er zu mir, dass er mich gern  betreut, dass er mich als „einfach“ empfindet und offen, nett und freundlich. Auslöser war, dass ich sagte, dass ich ja weiß, dass ich kein einfacher Klient bin.

Das hat gut getan, denn aktuell hab ich ja eh wieder eher das Gefühl immer nur zu viel zu wollen und mich anzustellen usw.

Grade auch, weil ich der Koordinatorin mitteilte, dass der Zusatzstunden-Betreuer für mich nicht die Urlaubsvertretung machen kann, da ich ihn nicht in die Wohnung lassen kann.

Es gibt aber niemand anderen.

Mir macht das zu schaffen. Weil der eine Termin mit dem Zusatzstunden-Betreuer mich schon sehr stresst.

Er ist wirklich ein netter Kerl und dennoch werde ich nicht warm mit ihm. Bin zunehmend auch genervt irgendwie. Dabei macht er nichts schlimmes oder so – es sind eher die Kleinigkeiten, die wohl auch einfach nur „gut gemeint“ sind.

Eigentlich sollte er mit mir das Einkaufstraining machen und ein paar Sachen in der Wohnung (Tiefkühle abtauen, Garage aufräumen usw), die einfach mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Wäsche waschen steht auch auf der Liste und wäre theoretisch ja etwas, was nicht in der Wohnung stattfindet. Trotzdem sträubt sich alles in mir – es ist mir – zu nah.

Und Einkaufstraining – mit ihm ist es noch schwieriger – und sinnlos. Denn ich bin so im Funtionieren und Dissoziieren wenn ich mit ihm unterwegs bin, dass kein sinnvolles Angsttraining möglich ist.

Ich will nicht noch mehr Zeit mit ihm verbringen. Hatte zwar auch schon gesagt, dass er höchstens noch einen weiteren Termin übernehmen kann, aber seitdem überlege ich mich einfach krank zu melden.

Denn ich merke es in der Wohnung – seine Termine machen grade zu viel Stress – ich bin eh schon dünnhäutig und an der Grenze und naja – das zeigt sich auch in der Wohnung.

Nur dass ich diese 10 Tage eben nicht meinen Betreuer hab, mit dem ich das wieder in Griff kriege.

Dazu kommt, dass die Abneigung immer mehr wird. Nicht persönlich – wie gesagt – er ist ein netter Kerl – aber „beruflich“. Im Moment ist er mehr „Fahrdienst“, weil ich mich überhaupt nicht einlassen kann.

Das Gefühl habe, dass er dem auch nicht gewachsen ist, dass ich funtionieren „muss“, weil er so schon unsicher ist.

Ich kann es nicht wirklich greifen. Vielleicht ist es auch deshalb, weil er wohl Schweigen nicht aushalten kann und dann halt von sich er zählt.

Oder der Angst ihm zu sagen, wenn es nicht gut geht, weil er einerseits dann noch anstrengender ist (und mich mit Argusaugen beobachtet und ständig nachfragt und damit alles noch schlimmer macht) und er damit noch unruhier und aufgeregter wird und zum anderen mir auch vorstellen kann, dass er dann beim nächsten Klient oder auch seinen Freunden/Bekannten erzählt, dass es ja seiner Klientin heute so schlecht ging und es für ihn daher heute sehr anstrengend war.

Vielleicht tue ich ihm unrecht. Aber jetzt, wo ich das hier so schreibe – vielleicht ist es genau das – dieses helfen wollen um sich selbst aufzuwerten. Sich damit profilieren.

Nicht dass es so ist, aber dass es sich für mich grad so anfühlt. Dass es mich zu sehr an alten Mist erinnert.

Ich merke nur, es tut mir nicht gut. Diese 20 Zusatzstunden – da muss ich durch. Wir haben zu lange darum gekämpft – und ja – allein, dass das Einkaufen wegfällt, verschafft meinem Betreuer und mir etwas mehr Luft.

Aber ich bin heilfroh, wenn diese Stunden um sind.

Anfangs hab ich gehofft, dass sich das noch einpendelt. Außerdem hoffe ich immer noch, dass ich nur über reagiere, dass es besser wird .

Aktuell fühlt es sich so an, als würde es schlimmer. Merke, dass ich nichts mehr sagen kann.

Als es um die Übergabe anging und er meinte, die hätte es über WA schon gegeben und er hätte ja keine Fragen mehr, wollte ich sagen: mir wäre aber wichtig, dass Sie mit ihm telefonieren.

Doch es ging nicht  – ich saß da und war sprachlos. Und das ist nur ein Beispiel. Das „nichts sagen können“ kommt bei jedem Termin mindestens einmal vor. Da wirkt Altes – auch wenn ich es nicht recht greifen kann.

Manchmal frag ich mich ob es daran liegt, dass er so viel von sich erzählt, dass es vielleicht das Gefühl auslöst dass kein Platz für mich da ist.

Nur dass ich ihm eh nichts erzählen will – allein der Gedanke daran löst da schon eine enorme Abwehr aus.

Ich hab auch nicht das Gefühl das ansprechen zu können – was ich sonst in so einem Fall machen würde. Hinsetzen und darüber reden, das zu klären – im Miteinander.

Gleich kommt mein Betreuer zum heutigen Termin. Da werde ich versuchen darüber zu reden, vielleicht finde ich mit ihm eine Lösung.

Mir ist durchaus klar, dass er wohl irgendwas Altes antriggert. Dass es nicht um ihn als Person geht. Trotzdem ist es grad so wie es ist und statt Hilfe sind diese Zusatzstunden grad mehr Belastung.

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