wie es ist

Nach wie vor geht es mir gut, komme ich gut klar.

Natürlich gibt es Momente, die nicht gut sind. Seien es Alpträume, Flashbacks, Körpererinnerungen, Traurigkeit, Verzweiflung oder Angst. Das alles ist Alltag, gehört dazu, ist auch da – und ist ganz sicher nicht gut.

Nach wie vor gibt es Tage, da ist von all dem weniger da und Tage, da ist die Hauptaufgabe mich ständig wieder aus diesen Zuständen raus zu holen. Leider gibt es keine Tage, an denen all das nicht da ist.

Und trotzdem – im Gesamten ist es grad gut. Die Skills funktionieren, greifen – und was noch wichtiger ist: die Kraft reicht dafür.

Aber es gibt auch jeden Tag das Gute:  das „geschafft“ haben, die Momente des Durchatmen könnens, zu sehen, dass ich es grad wirklich gut hinkriege – dass die ganzen inneren Dämonen und Geister eben nicht siegen.

Dass ich was tun kann – auch tun muss! Aber eben auch tun kann. Dass nicht jedes Fitzelchen an Kraft und Energie fürs Überleben drauf geht.

Für mich ist es immer noch was besonders – diese paar Minuten innehalten, atmen, hinspüren und zu merken: mein Leben, mein Alltag – ist handhabbar.  Das ist ein wirklich gutes Gefühl.

Aber auch mich hinsetzen und ganz im hier und jetzt sein – und für einen Moment die Ruhe spüren – und genießen!

Das war schon sehr sehr lange nicht mehr möglich – weit über ein Jahr. Vielleicht auch zwei oder drei – ich weiß es nicht mehr. Es ist auch egal.

So viele Jahre ging es nur um Skills und Möglichkeiten mich runter zu regulieren. Ohne, dass es wirklich gut funktioniert hätte.

Vor knapp 10 Jahren war es dann das erste Mal, dass ich merkte, dass ich all die Arbeit gelohnt hat. Sie war nötig, aber endlich profitierte ich auch davon, war es nicht mehr „nur Arbeit“.  Damals ging es vor allem um Skills – nachdem sich die äußere Situation von einer unerträglichen in eine bessere gewandt hat, konnte ich die Früchte dieser jahrelangen und oft sehr frustrierenden Arbeit ernten.

Heute ist es ähnlich – es geht darüber hinaus. Klar, die Skills laufen immer noch gut. Trotzdem ging es die letzten Jahre wieder mehr ums irgendwie überleben. Irgendwie so mit den Kräften haushalten, dass ich mit möglichst wenig Schaden über den Tag komme.

Umso mehr genieße ich es, dass das heute anders ist. Auch heute gibt es Tage, da schaffe ich mehr und Tage da geht weniger – aber so im Gesamten – geht eben genug.

Ich merke die Flashbacks und Co – logisch – aber Skills starten automatisch, können dann bewusst intensiviert/angepasst werden und ein wieder rauskommen ist in der Regel kein Problem.

Es gehört halt dazu – zu meinem Alltag.

Trotzdem ist abends das Fazit: heute war ein weiterer guter Tag, ein weiterer Tag, den ich gut geschafft hab, der nicht nur aus irgendwie überleben bestand, sondern eben auch aus – leben – aus durchatmen und Ruhe genießen.

Ein Tag, der nicht nur aus „verbrauchen“, sondern auch ein Stück weit „auftanken“ bestand. Mal bewusster, mal weniger, mal mit mehr Aufwand, mal mit weniger.  Manchmal muss ich da auch bewusst mehr gegensteuern, mehr dafür tun, dass es zu einem guten Tag werden kann, muss deutlich aktiver werden als an anderen Tagen, mehr Arbeit investieren.

Aber auch hier: es ist eben auch grad möglich. Ich kann das auch tun.

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