Thera heute

Wir hatten ja letzte Woche eine Menge Vorarbeit geleistet – heute  sollte es dann um Gefühle gehen – nicht theoretisch, sondern ums fühlen, hinspüren, aushalten und zulassen.

Im Moment sind die Gefühle wie ein Strudel, der mich rasend schnell nach unten zieht und ich ertrinke darin.

Es gibt nur weit genug weg davon sein, dann nehm ich auch die Gefühle nicht wahr, oder hinabgerissen zu werden. Keine einzelnen Gefühle – nur Chaos. Als wären die einzelnen Gefühle Farben und die vermischen sich zu einem schmutzigen grau. Keine einzelne Farbe mehr zu sehen oder sich da raus trennen zu lassen.

Entsprechend schwierig ist es – es überfordert, flutet, nimmt mir die Luft zum atmen und ist nicht aushaltbar.

Und dann tauchen Tränen auf und alles blockiert.

Ein eher generelles Problem ist, dass es nur wenig braucht um mich in irgendwelchen alten Mist zu katapultieren. Das ist jetzt nicht neu, auch wenn es in den letzten Jahren deutlich besser war.

Was neu ist ist, dass ich bei allen Versuchen mich wieder im hier und jetzt zu orientieren – einen Teil verliere.

Ein Teil bleibt im alten Stecken – gefühlt eher in einer Situation als in Träterintrojekten und Co. Aber dieser Teil – ist nicht erreichbar.

Ich schaue mich um, fühle den Stuhl unter mir, sehe die Hängematte, den Teppich usw – und solange ich mich aufs sehen konzentriere – sehe ich es auch, konzentriere ich mich dann auf die Hängematte unter mir, verschwimmt der Blick wieder.

Plötzlich sind da zwei Teile. Nicht wie sonst die Anteile in mir, sondern anders. Ein Teil steht in irgendwas Altem fest – nicht greifbar, nicht erreichbar. Ein Teil ist klar im hier und jetzt. Und irgendwie ziehen diese Teile in unterschiedliche Richtungen, rutschen immer weiter auseinander und werden immer noch unerreichbarer.

All meine Skills und Mechanismen um aus Flashbacks und Co rauszukommen – funktionierne – aber nur für den einen Teil.

Zurück bleibt das Gefühl, dass etwas nicht simmt, dass ich nicht stimme – dass es zwei Teile gibt.

Nicht wie die Anteile, die ja auch oft nicht miteinander können, aber eben immer nebeneinander da sind. Nicht als eigene Persönlichkeiten, sondern eben Anteile, die zu bestimmten Situationen/Zeiten „gebraucht“ wurden oder werden. Vielleicht auch eher im Vergleich nach Rollen.

Jeder Mensch hat mehrere Rollen – sei es Eltern sein, Beruf, Sport, mit Freunden usw. Das ist normal. Nur dass die Rollen, die ich meine, diese Anteile – innen sind.

Da gibt es das Funktinieren, den Sani, das Fühlen, das innere Kind usw usf – zu machen hab ich besseren, zu anderen weniger Zugang. Aber sie gehören alle zu mir – machen mich auch alle aus.

Bei diesen zwei Teilen, die da jetzt sind – der, der in irgendwas Altem feststeckt und der, der im hier und jetzt ist – sind anders.

Und ich bin nicht sicher, ob es die nicht immer gibt. Denn ich kann diese Trennung nicht bewusst ändern. Kann den Teil im Alten nicht da rausholen, es kommt nichts an.

Im Endeffekt halt ablenken, wieder weiter von mir entfernen und dann ist es besser. Aber vielleicht nur, weil ich es nicht mehr so wahrnehme.

Denn was immer ist, ist das Gefühl, mich irgendwo verloren zu haben. Ich funktioniere nach außen, komme auch ganz gut über den Tag usw – aber eher als Hülle. Wobei das grad auch nicht stimmig ist.

Wie auch immer.

Wir kamen an die Gefühle, aber nicht zum zulassen.  Erst sprachen wir über die Klinik – und was da an Gefühlen da ist – dann ging es um diesen Strudel und wie ich da vielleicht etwas Kontrolle drüber kriegen könnte oder wenigstens den Sog etwas zu verringern.

Dann waren da Tränen und sofort war ich in altem Mist. Im „darf nicht“ usw – und tja – wieder sehr zweigeteilt – ein Teil der versucht wieder ins hier und jetzt zu kommen  – und das auch schafft – aber eben nur zum Teil. Der Rest steckt in irgendwas Altem fest – nichts greifbares, nichts benennbares oder überhaupt zuordnenbares.

Als wären da zwei Personen in mir, die in verschiedene Richtungen drängen. Dabei zerreissen die nicht – sie entfernen sich nur immer mehr und werden immer weniger greifbar. Bis dann nur noch die Hülle, das Funktionieren, überbleibt.

So weit, dass ich diese Trennung nicht mehr (so) wahrnehme.

Das klingt jetzt ganz schlimm, aber es ist das konstruktive und positive Funktionieren. Das mich halt erledigen lässt, was nötig ist, aber nicht alle Grenzen ausblendet – die kann ich sehen und auch einhalten. Klar kippt das auch mal ins destruktive Funktionieren (also das, bei dem es nur noch um den Schein nach außen geht – egal wie es mir damit geht) – aber das ist selten.

Auch wenn es anders lief als gehofft oder erwartet – war der Termin gut. Auch anstrengend, aber ich hab schon das Gefühl, dass auch was passiert. Dass wir uns der Ursache nähern.

Dieser Beitrag wurde unter Beziehungen/Kontakte, destruktives Verhalten, Erinnerungen, kleine Schritte, Leben, Psycho-Somatik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.