und das werte Befinden?

Gute Frage.

Ich hab immer noch Schwierigkeiten zu sagen, dass es mir nicht gut geht – weil dann gleich Erinnerungen kommen aus der Zeit in der alten Wohnung – und da sind Welten dazwischen!

Aber die letzten zwei Jahre lassen sich mit der Zeit davor nicht vergleichen – was damals auf meiner Skala von 1-10 eine 10+ war, ist heute eine 1. Das ist gut – es hat sich im Gesamten ja deutlich verbessert.

Nur wenn es ums „schlecht“ geht – hab ich da Schwierigkeiten – das ist zu ungenau – und auf der alten Skala wäre ich ja immer noch bei 10 ++++++.

Doch das ist alt – das war damals und so dankbar und froh ich bin, dass es mir deutlich besser geht – weiß ich jetzt nicht wie ich es sagen soll – ohne dass es „falsch“ verstanden wird.

Auf der heutigen Skala bin ich irgendwo bei 5 – also auch da nicht schlecht – und genau das ist der Punkt – es ist für die letzten 2 Jahre schon deutlich – denn da war ich im Schnitt eher bei 7-8 – trotz all der Sachen die so waren – da gab es immer mal Krisen in denen es schlechter war, aber die waren ein paar Tage – nicht mehr.

Die „Grundstimmung“ – war ganz gut. Und genau die hat in den letzten Wochen etwas nachgelassen.

Ich weiß woher es kommt – es geht um Sehnsucht und Traurigkeit, um Verlorenes und das „anders sein“. Mir ist klar, dass es viel mit meiner Mutter zu tun hat und nicht nur um schlimme Situationen geht wie beim Vater, sondern auch um die eigene Identität.

Die Mutter ist das deutlich schwierigere Thema.

Dazu kommt, dass wir aktuell nicht so recht wissen, wie wir uns dem Thema nähern. Für mich ist es immer einfacher damit umzugehen, wenn der Weg einigermaßen klar ist – da komm ich dann auch mit Stolperfallen besser zurecht. Doch zur Zeit haben wir nur eine wage Richtung – und keinen Weg.

Dazu kommt, dass grad viele Behördensachen anstehen: die Verlängerung der österr. Rente (und das dazugehörige Gutachten), die Verlängerung der Betreuung (und das dazugehörige Gutachten und der Unsicherheit ob der neue Sachbearbeiter mitspielt oder es wieder auf einen Kampf hinauslaufen wird), eine Kostenübernahme von der Krankenkasse (und eh klar: das dazugehörige Gutachten) – das ist für sich dann schon wieder schwierig.

Der Herbst (den ich mag!) bringt als einziges was ich nicht daran mag das nasse Laub auf den Straßen und damit die erhöhte Rutschgefahr, die meine Fallangst sehr aufblühen lässt.

So gesamt weiß ich, dass ich grade einen schwierigen Lebensabschnitt vor mir habe (oder mich drin befinde) – und für die ganzen Umstände – geht es mir schon wieder erstaunlich gut :).

Körperlich bin ich fit wie schon lange nicht mehr – auch schmerztechnisch ist es zur Zeit so stabil wie schon sehr lange nicht mehr (hart erarbeitet – immerhin mach ich nicht umsonst seit fast zwei Jahren regelmäßig Physiotherapie), ich kann wieder Sport treiben – schon seit 4 Monaten ohne größere Einbrüche (also dass es nicht mehr ging).

Ich kann mein Leben auch heute noch genießen und schätzen, kann mir kleine Oasen schaffen und auf mich achten – das alles ist gut – so gut, wie ich es vor drei Jahren nie gedacht hätte, dass es mal so sein könnte.

Es gelingt mir nicht die Zeit vor dem Umzug so weit rauszunehmen und eben die letzten Monate und Jahre zu nehmen – ich genieße es wenn es mir gut geht – und mag es nicht wenn es nicht so ist.

Aber es ist keine kleine Krise, die nach ein paar Tagen vorbei ist – sondern eine Zeit, ein Wegabschnitt, der einige Monate Zeit beanspruchen wird – und es ist ein „ab“ – in den letzten zwei Jahren „auf“.

gut – schlecht – ist irgendwie so ungenau – ein gut von jemanden, der sich nur durch den Tag kämpft – ist ein sauschlecht und tiefstes Loch für jemanden, der normalerweise gut durch den Tag kommt und das Leben genießt.

Ich hab beide Seiten kennengelernt – und ich bin sehr froh dass die letztere heute mein Alltag ist. Aber mit einem „geht mir schlecht“ hab ich dann ein schlechtes Gewissen – so ein „Jammern auf hohem Niveau“ oder ähnliches. Angst ein falsches Bild zu vermitteln, dass jemand glauben könnte es ist schlimmer als es ist (aber er soll schon wissen wie es ist) oder ähnliches.

Wie handhabt ihr das? Kennt ihr beide Seiten (nicht nur als Interimskrise – sondern wirklich über Jahre schlecht und dann Jahre gut) – wie bekommt ihr diese unterschiedlichen Seiten und „Skalen“ unter einen Hut?

Auch im Heute ist meine aktuelle Skala irgendwie eingefärbt – weil ich glaub ich nie unter drei war oder so. Vielleicht sollte ich eine Skala von 1-20 nehmen – 1-10 für superschlecht – so wie es vor dem Umzug war, 11-15 für schlecht – aber eben nach dem Umzug und 15-20 für die verschiedenen Abstufungen von gut.

Und bevor jemand dazu was sagt: ich brauche das einordnen können, das benennen können – auch hier.

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2 Antworten zu und das werte Befinden?

  1. Svea sagt:

    Uff… Vielleicht bin ich zu jung um wirklich von mehreren Jahren in beiden Phasen zu reden… Ich kenne erstes. Die langen schlechten Phasen… seit 2006 war es immer irgendwie ein „schlecht“, selbst wenn es einigermaßen ging. Aber es gab IMMER mindestens einen Lebensbereich der mich wirklich runter gezogen und zur Verzweiflung getrieben hat. Die Phase in der „alles“ gut läuft beginnt glaube ich gerade erst. Zaghaft und langsam. Ich kann also keine Aussage für einen ewigen Zeitraum machen.
    Ich verstehe allerdings was du mit „Jammern auf hohem Niveau“ meinst… Das denke ich mir so schon relativ oft. Mir geht es ja eigentlich auch ganz gut, nicht? Sehr gutes soziales Netz, wunderbare Tiere, eine theoretisch schöne Wohnung, keine großartigen finanziellen Sorgen, keine körperliche Erkrankung etc. Trotzdem neige ich dazu zu sagen, dass das Leben es nicht gut mit mir meint und auch in der Vergangenheit immer alles schlecht war… (definitiv nicht Fakt)

    Und was das mit den unterschiedlichen Skalen angeht… ich glaube das ist völlig normal und menschlich. Der Mensch an sich ist nie zufrieden mit dem was er hat. Es ist also völlig normal, wenn du deinen jetzigen „Zustand“ nicht in gescheiter Relation sehen kannst. Ich fühle mich auch immer noch unfähig.. selbst wenn ich über den Krabbeltier-in-Küche-Status hinaus bin 😉 Und statt dass ich mich freue, dass ich Unikram mache, bin ich in Gedanken bei meinem Zeitplan dem ich 1 Monat hinterher hänge. Aber ich denke deine neue Skala wäre gar keine so schlechte Maßnahme!

  2. Ilana sagt:

    Naja – das Problem ist – es gibt ja eine neue Skala – aber die hat die alte nicht drin – damals dachte ich – ok – dann nimmste die alte als Minus 1 bis Minus 10.

    Vielleicht will ich auch nur nicht zugeben dass es grad schlechter ist oder so.

    Ich kann die alte Zeit – vor dem Umzug – irgendwie nicht „abschütteln“. Und ich glaube ich muss lernen das nur an den letzten 2 Jahren zu messen oder so.

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