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Zur Zeit geht es mir nicht gut. Es geht mir auch nicht schlecht, aber so im Verhältnis zu den letzten Wochen/Monaten ist es grade nicht so gut wie ich es gern hätte (und mir auch lange vorgemacht habe).

Aber es ist auch keine Krise oder so, eher einfach ein schwieriger Lebensabschnitt. Ironischer weise hab ich das vor ein paar Wochen zum ersten Mal so zu jemanden gesagt – wobei ich das Gefühl hatte, dass es eher „leere Worte“ sind – Theorie oder so.

Doch ich hatte damals schon recht. Das alles fing schon vor dem Urlaub des Theras an. Es geht um Gefühle, vor allem um Sehnsucht und den damit verbundenen Schmerz.

Es geht um meine Mutter und das was sie und ihre Handlungen aus mir gemacht haben.

Aber es geht auch um Angst – vor diesen Gefühlen, vor dieser Intensität, vor diesem Schmerz.

Es ist wie eine große Wunde, die erst gesäubert werden muss und dann desinfiziert – das alles wird weh tun – sehr weh – und es gibt kein „Schmerzmittel“ oder ähnliches. Doch wenn sie nicht gesäubert und desinfiziert wird, kann sie nicht heilen. Auch das Heilen wird dann dauern – lange – doch dafür muss ich an diese Wunde erst mal ran.

Der Gedanke daran macht Angst – denn es tut auch so schon weh – und zu wissen, dass es das dann erstmal für eine ganze Weile noch mehr tun wird – ist nicht grade schön.

In den letzten Wochen beeinflusst es immer mehr meinen Alltag. Genaugenommen laufe ich davon seit gut 9 Monaten weg – vor diesem Thema.

Es ist jetzt Zeit.

Es ist dran.

Es ist richtig – jetzt.

Trotzdem hab ich Angst – vor diesen Gefühlen, vor dieser Intensität und vor allem vor diesem Schmerz.

Wenn mir schon das was jetzt da ist – so heftig vor kommt, so kaum aushaltbar – wie soll ich denn aushalten, wenn es noch mehr weh tun wird?

***

Es ist nicht so, dass es mir nur schlecht geht – so im Großen und Ganzen komm ich gut klar, aber es ist so, dass es wieder mehr im Alltag beeinträchtigt. Meine Mutter – es ist ein Thema das deutlich schwerer (und schwerwiegender) ist als der Missbrauch durch den Vater. Das war mir immer klar. Aber es ist einfach es wegzuschieben solange so viel anderes eben auch da ist – doch es ist jetzt Zeit mich um dieses Thema zu kümmern.

Deshalb ist es ein schwieriger „Lebensabschnitt“ – es ist ein langer Weg der da vor mir liegt – und noch bin ich zögerlich diesen auch wirklich zu beschreiten – weil ich nicht weiß, ob ich fit genug dafür bin, ob ich gewappnet bin für alles was da kommt. Aber ich weiß auch, dass ich Hilfe habe auf diesem Weg – und dass es keinen Zeitdruck gibt, ich in meinem Tempo gehen kann – und nicht alleine bin.

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5 Antworten zu eingestehen

  1. Artista sagt:

    Liebe Ilana,

    ich kann so gut nachfühlen…wie es sich anfühlt…es ist so ein schweres Thema…ich kann da bis heute noch nicht dran…bewundere deinen Mut….wünsche dir ganz viel Kraft…

    Herzlichst
    artista

  2. Ilana sagt:

    Liebe Artista, ob ich da dran kann – weiß ich auch nicht – bisher haben wir da keinen Weg gefunden der „passt“, der geht. Aber es ist „dran“ – es ist auch Zeit dafür, das spüre ich. Wie das alles gehen soll oder wird – da suchen der Thera und ich noch eine Möglichkeit oder einen Weg. Es wird über die „idealen Eltern“ laufen – aber wie – da basteln und testen wir noch.

  3. Stefanie sagt:

    Liebe Ilana,
    ich möchte dir sagen, dass ich deinen Eintrag heute gelesen habe.
    Darf ich dich mal fragen, wie alt du bist?
    Ich bin 48.
    Herzlicher Gruß!
    Stefanie

  4. Ilana sagt:

    Ja du darfst – ich bin 37. Es geht auch um „alte Wunden“, um das kleine Mädchen das in mir ist, muss diesen Teil der Kindheit erst aufarbeiten.

  5. Stefanie sagt:

    Liebe Ilana, meine Frage nach deinem Alter war ganz neutral gemeint, einfach um ein bisschen mehr von einem Menschen zu „wissen“. Das kleine Mädchen, deines wie meines oder das anderer, hat, so glaube ich, in jedem Lebensalter etwas zu tun.
    Gute Nacht!
    Ich will noch was ergänzen: Das „große Mädchen“, das wir ja auch alle sind, das muss aufarbeiten, damit das kleine Mädchen sich besser fühlen kann.

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