Thera heute

Der letzte Arbeitstag des Theras – und damit die letzte Stunde für die nächsten 4 Wochen bei ihm.

Es sollte eigentlich ums Zulassen von Gefühlen gehen, da die in den letzten ein oder zwei Wochen ziemlich in den Alltag pfuschen. Der Freitagstermin dient da in der Regel als „Ventil“ – für mich ist es schwer Gefühlen positiv zu begegnen, sie zu zu lassen.

Früher war das gefährlich – sehr sogar – und so lernten wir sehr früh eben keine Gefühle zu zeigen – um keinen Preis.

Die letzten Wochen hatten wir ja die Therapie etwas runtergefahren und eine Art Pause gemacht – und das merke ich auch – denn ohne dieses Ventil läuft das Fass recht schnell über.

Irgendwie haben wir es geschafft, dass wir in der Thera da einen Raum für diese Gefühle schaffen – auch dort kämpfe ich oft genug um  das „sein dürfen“ – zu tief steckt das in mir drin.

Die letzte Zeit war es so, dass ich ja in der Thera nicht wirklich an Gefühle ran kam. Sie waren schon da, aber eher oberflächlich.

Aktuell ist es weniger der kam ob die denn nun sein dürfen, sondern mehr die Angst vor der Intensität.

Es geht um Sehnsucht – nach einem normalen Leben, nach einer Mutter, die wirklich Mutter ist, nach Geborgenheit, nach geliebt werden.

Ich bin 37 und in meinem Leben gab es noch niemanden, der mich geliebt hätte. Es ist ein Gefühl das ich nicht kenne – und wo ich auch denke, dass ich es nicht kann.

Es geht aktuell darum sich dieser Sehnsucht auch anzunähern – doch die beinhaltet auch 37 Jahre Enttäuschung und nicht erfüllt/gestillt werden. Das tut einfach nur unendlich weh.

Seit eher kurzem (2 Wochen oder so) geht es auch um die Sehnsucht nach einer Mutter – bisher war da nur Abwehr, zu sehr ist das Bild meiner Mutter da präsent.

Ihr Mütter, die ihr mich an eurer Liebe zu eurem Kind teilhaben lasst, habt mich gelehrt, dass es eben auch anders geht – und seit kurzem gelingt es ab und an diese Sehnsucht nach einer liebenden Mutter zu spüren.

Doch es ist eine, die einfach nur sehr weh tut, denn sie löst gleichzeitig eben auch den Schmerz und die Traurigkeit und die Wut aus, dass ich das eben nie hatte – und nie haben werde. Dabei ist egal, dass ich jetzt erwachsen bin und keine Mutter mehr brauche.

Es geht nicht nur um die Vergangenheit und schlimme Dinge – sondern irgendwie auch um die Identität. Ich wäre heute ein anderer Mensch, wenn ich eine andere Mutter gehabt hätte. Der Missbrauch durch den Vater hat mich sicher auch geprägt, keine Frage, aber die Mutter hat mir meine Identität gestohlen.

Nein nicht gestohlen – vorenthalten.

Es macht keinen Sinn nachzugrübeln, was dann anders wäre – aber mein Leben wäre deutlich einfacher.

Und natürlich löst es auch die Sehnsüchte heute aus – das lieben können, einen Menschen haben, der mich liebt, arbeiten können, ein erfülltes Leben führen – ohne den ständigen Kampf.

Mir werden die Einschränkungen bewusst – und eben das sehnen nach jemanden. Gleichzeitig aber wissend, dass ich aktuell gar niemanden ertragen könnte – die Nähe nicht ertragen könnte, nach der ich mich so sehne.

Dahinter verbirgt sich ein Abgrund, dem ich irgendwie nicht gewachsen bin, der mir angst macht und deshalb – fällt es noch schwerer sich auf diese Gefühle einzulassen. Denn sie tun nicht nur weh, sie drohen mich zu zerbrechen.

Bisher fanden wir da keinen Weg das irgendwie zu dosieren. Die bisherigen Ansätze zeigten keine Erfolge, nach dem Urlaub werden wir einen weiteren versuchen.

Ich merke, dass ich den Thera grad gar nicht in den Urlaub fahren lassen möchte. Nicht weil ich die Zeit nicht hinkriegen würde – das schaffe ich, sondern weil ich Angst habe, dass die Gefühle sich noch mehr einmauern. Einmauern müssen, weil sie ja nicht raus dürfen – und das Fass ist eh schon zum bersten voll.

Zu voll um noch irgendwie kontrolliert ran zu können – und zu sehr greifen da alte Mechanismen – das „versteinern“, hinter eine Mauer packen – bloß nicht zulassen – denn dazu bräuchte ich zur Zeit Hilfe – denn allein käme es da zu einem Dammbruch.

Und wenn schon ich die Kontrolle verliere, möchte ich dass es da jemand gibt, der sie hat und dem ich vertrauen kann.

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