Frustpost

Dieser Post kann durchaus intolerant und gemein werden – braucht mich auch keiner drauf hinzuweisen – denn leider achte ich den Leuten gegenüber zu sehr ihre Erkrankungen und Schwierigkeiten – sonst wär hier kein Furstpost nötig.

Fing schon im Gottesdienst an – es ging in der Lesung um das Findelkind, das von der Mutter aufgenommen wird – als Vergleich wie Israel wie ein Findelkind von Gott aufgenommen wurde (naja etwas sehr vereinfacht ausgedrückt).

Ich war so wütend – dass ich fast platzte – da wird das Findelkind mit schönen Dingen überhäuft und sie ist ja ach so schön – das Kind als Erwachsene prostituiert sich und weiß alles gar nicht zu schätzen (woher hat sie wohl, dass nur ihre Schönheit zählt) und die Mutter verzeiht natürlich „auf dass sich das Kind schäme und die Augen nicht mehr erhebe – weil die Mutter ja verzeiht“

Erwischte mich natürlich heute auch auf dem falschen Fuß – da war nichts mehr mit Gleichnis usw – ich war einfach nur so sauer, dass die Schuld wieder dem armen Kind gegeben wird und diese blöde Mutter fast eine Heilige ist usw.

Da bekam ich mich auch nicht richtig ein. Dann kamen die Fürbitten – und ich hatte zum ersten Mal auch zwei reingeschrieben (in ein Buch für die Fürbitten die dann im Gottesdienst verwendet werden) – und dieser Doofkopp kürzt die einfach und gibt ihnen damit einen ganz anderen Sinn und Inhalt. Mir waren diese Fürbitten wichtig – sehr wichtig so gar – und eh schon wütend sass ich dann da und die Tränen schossen in die Augen und ich war einfach nur sehr verletzt.

Das dauerte bis zum Ende des Gottesdienstes – den ich auch nicht mehr richtig mitfeiern konnte.

Dann im Gebetskreis hatte ich mich gefangen, als eine anfängt zu erzählen, dass sie ja geschlagen würde usw. Ja schlimm – aber da ist keinerlei Einsicht da, daran was zu ändern – null. Sie bekam ihren Raum, A. ging sogar zu ihr und umarmte sie und tröstete – ich bot noch an ihr die Nummern von Frauennotruf usw rauszusuchen (was sie eh alles nicht will weil sie liebt ihn doch – und sie selbst ist eh nicht liebenswert usw) und für mich war da ein Punkt da war Schluss.

Schon als sie anfing (sie heult häufiger) dachte ich an K – der mir erst letzte Woche erzählte, wie es ihn mitnahm weil eine Arbeitskollegin sich bei ihm ausheulte – und dass er da schlecht mit klar kam – und hatte dann Mühe meine Wut in den Griff zu bekommen – als K. eben auch sagte, dass es ihm jetzt zu viel wird und er entweder geht oder wir das Thema ändern sollten (als Angebot nicht als Ultimatum) und ich noch sagte, dass er nur kurz schneller war als ich – er sagte es auch wirklich nett, erklärte noch warum, dass es ihn halt auch sehr berührt und er sich da grad schützen muss – und dann kreift die ihn an, dass sie sich von ihm ja so angegriffen fühlt usw.

Das dann etwas geglättet – wir lesen das Evangelium vom nächsten Sonntag – keift sie wieder rüber . A. und ich hatten K. dann auch verteidigt – weil er wirklich nicht angreifend war oder ähnliches – und sie gibt einfach keine Ruhe. Geht dann auch, weil sie mit Maria eh nichts anfangen kann und ich war einfach nur fassungslos und wütend.

Weniger auf sie – mehr auf mich – schon als es anfing war klar wohin das führt und ich hab dennoch nichts gesagt – war mir nicht sicher, ob ich da grad – weil eh schon so geladen – nicht überreagiere – grade weil ich bei „aber ich lieb ihn doch, ihr könnt ihn mir doch nicht wegnehmen“ und Co bei mir die Hutschnur hochgeht.

Ich hab mit ihr sowieso schon Schwierigkeiten – weil sie einfach so destruktiv ist und auf stur schaltet wenn wir was sagen, was sie nicht hören will – egal um welches Thema es geht – weil sie da recht festgefahren ist.

Ja sie ist ein Opfer – aber sie greift auch an – und sie hat schon einmal den Gebetskreis so gestört, dass wir danach nicht wirklich zur Ruhe kamen und mit ihren Ausfällen zu tun hatten.

Wir haben heute auch beschlossen das klar zu machen und bei weiteren Angriffen sie auch auszuschließen – zum Schutz für uns, aber auch für unseren Gebetskreis, der eine best. Stimmung hat.

Ich werde die hiesigen Nummern raussuchen – bin aber die nächsten beiden Wochen sehr wahrscheinlich nicht da – da ich es fahrtechnisch nicht organisiert kriege – was mir für A. und K. etwas leid tut . A. ist da ein bisschen zu weich für sowas und K. – der steht bei ihr eh schon auf der Abschussliste – und ich fürchte sie wird dann nur hören, dass er es nicht weiter so dulden will – nicht dass es eine Entscheidung von uns dreien ist.

Aber ich war auch wütend, weil ich im Gottesdienst meine Tränen nicht recht im Griff hatte – ich heulte nicht los, aber durchnässte dennoch ein Taschentuch – und ich fand das gar nicht lustig. Es schürte auch die Angst, dass der Körper wieder mal macht was er will und ich ihn nicht unter Kontrolle bekomme.

Dazu kommt, dass es für mich sowieso grad Thema ist – der Umgang mit Menschen mit Borderline und oder Depressionen und oder in Opferbeziehungen. Vor allem wenn ein nichts ändern wollen mitspielt – oder doch ändern, aber bitte andere sollen was für tun – egal ob das nun von der Erkrankung kommt oder von der Persönlichkeit. Ich kann es sogar verstehen  – aber ich kann damit nicht umgehen, wenn man jedes Wort auf die Goldwaage legen muss weil sonst alles als Angriff verstanden wird. Oder die Aggression die eine Depression oft ausstrahlt – ich will die nicht aufnehmen – annehmen – das ist nicht meine Aufgabe.

Und doch fühle ich mich dann intolerant – weil ich ja weiß, die machen das nicht bewusst, leiden darunter.

Wenn die dann auch noch so keifend und angreifend werden wie die Dame heute fällt es leichter wütend zu sein – weil sie verletzend wird und das nicht ok ist – sonst bin ich eher wütend auf mich, dass ich nicht mehr „aushalte“ – wo ich doch nie wieder aushalten wollte.

Ich fühl mich auch oft als ungeliebtes Kind – kenne es gar nicht anders – doch gehe ich nicht damit hausieren, damit andere ja sagen, dass ich doch liebenswert bin. Ich fühle mich benutzt – von der Frau – und das finde ich nicht ok.

Mir tat K. so weh – ich mag K. wirklich sehr gerne, finde vieles an ihm sehr faszinierend  und interessant – und er wurde wirklich zu Unrecht angegriffen. Außer Partei ergreifen konnte ich da nicht viel machen.

Ich red immer davon dass ich Grenzen schon klar mache usw – und frag mich da manchmal ob das wirklich so „easy“ für mich ist – denn wenn es auf Konfrontation hinausläuft – wirds eng. Dabei geht es dabei meine Grenzen klar zu machen, wenn es echt zu viel wird. Schwierig wirds, wenn es für mich schon geht – oder in einer Gruppe – weil da das Reden eh schon schwer fällt.

Im Moment hab ich es einfach so satt – dieses immer Kämpfen – mit den Gefühlen, mit den Grenzen, aber auch das immer hinterfragen und klären – würde lieber einfach sagen: du blöde Kuh verpiss dich  wenn du andere angreifen willst! Oder: ich ertrag diese suhlen in der Opferhaltung und oder destruktiven Stimmung/Verhalten nicht!

Wo bleibt mein Verständnis? Ich kenn das doch selber auch – wo also bitte bleibt mein Verstehen und mein Mitgefühl?

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6 Antworten zu Frustpost

  1. „Suhlen in Opferhaltung“! Sehr gut ausgedrückt! Und weißt du was? Ich kann das hassen! Oder sagen wir mal, bis zu einem gewissen Punkt akzeptieren! Aber irgendwann ist mal Schluss. Entweder Klappe halten oder was dran ändern! Jeder hat (leider) sein Päckchen zu tragen!

    Und wenn das deine Gefühle sind, dann ist das auch in Ordnung so! Finde ich!

    • Ilana sagt:

      Ich weiß nur nie wo der gewisse Punkt ist. Bei der Freundin hab ich das gut 2 Jahre mitgemacht – ich weiß es ist ihre Erkrankung (Borderline und Depression) und das tut mir nicht gut – deshalb gibt es da jetzt ein Ende.

      Bei der Dame vom Gebetskreis gehe ich mit bis zu dem Punkt dass es ja Frauennotruf usw gibt. Wenn dann aber gleich ein „aber ich lieb ihn doch“ und dann auch der Vorwurf „ihr könnt ihn mir doch nicht wegnehmen – ich hab das Gefühl von euch dass ich ihn verlassen muss und das will ich nicht“ usw – dann ist Schluss. Ich werd ihr trotzdem die Nummern raussuchen – und ihr das geben (lassen – da ich die nächsten 2 Wochen nicht da bin) – aber das war es dann für mich auch. Was mich echt ärgert ist dann, dass sie K. so angegriffen hat – immer und immer wieder – nur weil er gesagt hat, ihm wird das zuviel.

      Da ist mir egal ob das Erkrankung ist oder nicht – sie wird dann für mich übergriffig.

  2. Regenfrau sagt:

    Ich find auch, dass man nicht für alles Verständnis haben kann und schon gar nicht muss.
    Vom Kopf her hab ich andere auch oft verstanden und trotzdem bin ich fast geplatzt vor lauter: dann krieg halt mal deinen Arsch hoch!
    oder so..muss mir da auch immer auf die Zunge beißen…
    da heb ich sowieso meinen Hut vor jedem Therapeuten, wenn die so destruktive Leutchen haben, die auch keine Hilfe annehmen können/wollen.

    Das mit der Gottesdienstsituation kann ich gut nachfühlen…
    Liebe Grüße

  3. Violine sagt:

    Ich habe da auch immer noch mit zu kämpfen, was jeweils die adäquate Reaktion ist. Allerdings sag‘ ich mir auch, und sag‘ mir das immer wieder, dass ich eben meine Grenzen habe und wenn die erreicht sind, sind die erreicht.
    Soweit in der Theorie. In der Praxis geht mir so etwas immer sehr lange nach. Und so ein Fall wie Du ihn beschreibst, o je. Da scheint Kommunikation gar nicht drin zu sein.

  4. Christiane sagt:

    Hallo Ilana,
    ich bin eine stille Leserin deines Blogs.(Habe eine Tochter, die magersüchtig und an Borderline erkrankt ist) Aber hier möchte ich doch mal einen Kommentar geben. Egal ob krank oder gesund, jeder Mensch hat seine Grenzen. Ich kann dich verstehen, wenn dieser Vorfall über deine Grenzen geht. Wäre bei mir genauso. Ich habe eine Bekannte, die ihrer Lebenspartnerin hörig ist. Jetzt hat sie sogar ihren 16 j. Sohn mittellos vor die Türe gesetzt, weil die Partnerin ihr Kind noch nie leiden konnte. Er stand ihr immer im Weg. Und hier hört mein Verständnis auf. Auch hier hörte ich nur die Worte:“Aber ich liebe sie doch so sehr“. Sie wollte auch nichts ändern an ihrer Situation, obwohl sie angeblich leidet. Lieber setzt sie ihren Sohn auf die Straße als hinter ihrem Sohn zu stehen. Der Junge lebt seit 2 Monaten bei mir.

  5. Ilana sagt:

    Für mich war es weniger dass sie über meine Grenze ging, sondern dass sie K. so angriff, weil er seine Grenze klarmachte und damit seine Grenze nicht respektierte und übergriffig wurde.

    Meine kann ich da eher klar machen, zu merken, dass ihr die Grenzen anderer aber egal sind – da werd ich unglaublich wütend.

    Das ging dann auch an meine Grenze.

    Kommunikation ist nicht drin – er hat es wirklich ganz nett gesagt, sogar erklärt warum – und wurde dann angegriffen, weil sie sich angegriffen fühlte (ja auch typ Borderline, das nicht trennen zu können und alles als Angriff auf die Person zu sehen auch ein „wenn ihr mich nicht hierhaben wollt …“ usw)

    @Christiane: Herzlich Willkommen!
    Wenn dann Kinder drunter leiden (und da zähl ich jetzt den 16 jährigen grad mal frech dazu 😉 ) – hört für mich das Ganze sowieso auf. Das ist ja auch mit ein Problem bei meiner Freundin, dass die 9-jährige Nichte da auch sehr leidet und keiner was machen will (inkl. Jugendamt).

    Erwachsene – nun ja – die sind erwachsen und müssen selbst zusehen – so schwer es auch ist – gibt es da genug Möglichkeiten Hilfe zu bekommen um was zu ändern. Kinder sind dem einfach nur ausgeliefert.

    Und wenn man Kinder in die Welt setzt muss man auch die Verantwortung dafür übernehmen (oder eben erst gar keine in die Welt setzen oder wenigstens dafür sorgen, dass für sie gut und verantwortlich gesorgt wird).

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