Thera heute

Tischlerei – klasse: ICH HAB EINE TREPPE GEBAUT! – war ein echt klasse Gefühl. Es war alles schon zugeschnitten, musste aber noch gefräßt werden und gemessen (die Strufenabstände waren schon vorgegeben – aber der Rest), Löcher gebohrt und Leisten aufgeleimt und dann alles zusammengebaut (und mich gefreut, weil auch alles gepasst hat). Obwohl alles im Stehen (und Bücken und überhaupt) – ich mich jetzt auch kaum noch rühren kann – war das heute ein toller Vormittag. Da ich dann noch eine halbe Stunde Zeit hatte, hab ich aus dem restl. Holz einen Handschmeichler gemacht.

Thera: wir haben das Thema K. nicht aufgegriffen – zum einen weil es für mich grade auch nicht präsent ist, zum andern weil ich denke, dass es Di einfach ungünstig ist – und außerdem hatte der Thera am Wochenende eine Fortbildung und musste mich erstmal auf das Laufende bringen 😉

Endlich weiß ich auch wie das Therapiekonzept heißt (das wir schon lange praktizieren) – PBSP (Pesso Boyden System Psychomotor)

Im Endeffekt berücksichtigt es eine Lücke, die andere Traumatherapien offen lassen. Es war immer Ziel, dass wir die Bedürfnisse, die früher nicht gestillt wurden (und auch heute nicht), deren Stillen wir nie erfahren haben, dass wir dies für uns selbst stillen. Wenn also nie Trost da war, sollen wir lernen den Trost nicht wo anders zu suchen, sondern ihn uns selbst zu geben.

Für mich war da immer das Problem: naja – aber wenn ich das nicht kenne, wie soll ich dann wissen wie ich mir das selbst geben kann? Außerdem – wenn ich mich nach einem anderen Menschen sehen – ähm – wie soll ich das selbst stillen?

Soweit so gut. Beim Prinzip des PBSP geht man davon aus, dass der Mensch fünf Grundbedürnisse hat (so wie viele anderen Therapierichtungen auch) – und dass diese in erster Linie auf körperliche Ebene sind (Platz, Hunger usw), in zweiter in symbolhafter Ebene und auf diese beiden dann eben dass wir unsere Bedürfnisse selbst stillen können. Das Ganze Prinzip fußt auf Interaktion.

Ein Bsp. Kind (3 Jahre) spielt mit den Bauklötzen, Vater und Mutter streiten – der Vater geht wütend raus und die Mutter weint. Was macht das Kind? Erst guckt es irritiert und dann geht es zur Mutter – um sie zu trösten. In einer idealen Konstellation hätten der ideale Partner dafür gesorgt, dass der Streit so läuft, dass die Mutter da getröstet wird – der ideale Partner wäre da eingesprungen. Da der nicht da war – füllte das Kind diese Lücke.

Es geht dann darum dass diese Lücke in der Vorstellung von einem idealen Interaktionsparter gestillt wird, so dass das Kind bei seinen Bedürfnissen bleiben kann (Unterhaltung z.Bsp).

Welche Lücken hab ich als Kind gefüllt, die eigentlich nicht meine Aufgabe waren? Erst wenn diese Lücke (in der Vorstellung) durch jemand anderen gefüllt wird, kann ich schauen wo liegen eigentlich meine Bedürfnisse und wie bekomme ich diese gestillt.

Da das von den realen Eltern ja auch nicht grade passierte, dass sie auf meine Bedürfnisse achteten tritt hier in der Vorstellung wieder ein idealer Interaktionspartner (in der Konsellation dann eben ideale Eltern) auf den Plan. Durch diesen kann das Kind in mir sozusagen erfahren, wie es wäre wenn es geliebt worden wäre, wenn es beschützt worden wäre, aber auch gestützt – diese Erfahrung wiederum ist notwendig um irgendwann selbst da einspringen zu können – denn dazu muss ich ja eine Vorstellung haben, wie das geht, wie sich das anfühlt usw.

Das ist auch die Lücke in den anderen Therapieformen – wie erfahre ich, wie es ist – zu lieben z.Bsp. Diese Lücke füllen die idealen Eltern (oder ideale Interaktionspartner wenn es auf anderer Ebene als Eltern-Kind nötig ist).

Natürlich ist das Konzept um einiges komplizierter 😉 – und für mich wird es auch ein klein wenig „angepasst“.

Ich möchte nicht erst die Mutter versorgen – da ich nicht das Problem habe diese Lücke „freizugeben“ – mir ist wichtig, da bei mir zu bleiben. Außerdem werde ich das weiterhin mit der Realität koppeln – also eine Situation von damals aufgreifen und auch nachfühlen und erst danach die Alternative mit „wie wäre es gewesen wenn die idealen Eltern da gewesen wären“. Denn ich will die Realtiät nicht verdrängen – sie muss Raum haben. Sie durfte nie sein, ich möchte sie nicht durch ein Traumgebilde „ersetzen“. Außerdem ist wichtig zu spüren, dass es schlimm war – für mich – weil auch das damals nicht sein durfte und oft genug für mich immer noch nicht „sein darf“.

Wir arbeiten mit den idealen Eltern ja schon länger – in Kombination mit EMDR oder Aufstellung – und es ist für mich ein guter Weg.

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5 Antworten zu Thera heute

  1. Regenfrau sagt:

    Klingt sehr interessant,
    ich lese ja immer wieder, dass in Deutschland die Trauma-therapie etwas hinterher hinkt, aber vielleicht wird doch bald aufgeholt 😉 Es bräuchten soviele Menschen.

    Wenn ich mir das vorstelle: Wie es wirklich war und wie ich es gebraucht hätte, ich glaub ich würde überschwemmt werden vor Schmerz und Trauer…wie gehts Dir damit? Magst Du das erzählen..?

  2. thcrapth sagt:

    wow,Danke fuer den Namen dieses Konzepts. Und fuer den Hinweis auf den Bezug zur damaligen Situation und den Wunsch, die damals nicht zugelasenen Gefuehle „nachzuspueren“.
    Das klingt nach einem sehr bodenstaendigen Ansatz.

  3. Ilana sagt:

    @Regenfrau
    Ja und nein – also die Sehnsucht, die da natürlich auch berührt wird – tut höllisch weh. Deshalb wird das für mich getrennt – denn immer wenn wir das aufgriffen hat mich der Schmerz umgehauen.

    Wir machen es jetzt so, dass es erst um das „hätte ich das damals doch gehabt“ geht – also um die Sehnsucht, die Trauer, den Schmerz.

    Auch hier über die idealen Eltern. Erst wenn dieser Schmerz seinen Raum hatte gehen wir weiter – auch ganz bewusst – so als öffnen wir eine neue Tür – und da geht es dann um Alltagssituationen – und nicht um meine realen. Es geht z.Bsp darum wie ideale Eltern sich freuen wenn sie erfahren dass sie schwanger ist – wie sie durch den Bauch mit dem Kind reden, sich freuen usw. Oder wie sie mit einem Kind spazierengehen und ihm die Natur zeigen – sich ganz auf das Kind einlassen usw. Es läuft – bei mir – über Beispiele, wie es halt laufen hätte können. Es geht mehr ums allgemeine, nicht das was ich erlebte (auch an positiven) – sondern davon unabhängig – und da der Schmerz vorher ja seinen Raum hatte, gelingt es dann oft tatsächlich da ein Stück hinzuspüren – sich in dieses Kind hineinzuversetzen – das da so geliebt ist – für den das auch „normal“ ist.

    Aber es gelingt immer nur sehr kurz – es ist mehr ein Hauch – doch wir sind da ja auch eher am Anfang – denn ganz am Anfang klappte das nicht – da war immer nur diese Sehnsucht und der Schmerz – aber auch der ist wichtig – denn es bedeutet endlich mal das Bedürfnis wahrzunehmen, das da war – so ungestillt.

    @thcrapth
    für mich füllt es halt die Lücke dass wir uns das selbst geben sollen – wo ich so oft dastand und sagte: und wie? Wenn ich nicht weiß wie das ist, wie man das macht oder wie sich das anfühlt – wie soll ich mir das selbst geben? Als sollte ich mir einen Ball selbst machen und hab doch noch nie im Leben eine Kugel gesehen.

    Soweit ich weiß arbeitet eine andere Therapeutin in der Ambulanz schon länger mit diesem Ansatz – auch mit Erfolg.

    Wie bei allen Therapierichtungen muss es einfach „passen“. Für mich wäre es nichts, wenn der Thera nicht bereit wäre es individuell anzupassen.

  4. Regenfrau sagt:

    Ja klingt echt gut 😉
    Ich kenn das von mir so, dass ich da selbst z.B. liebevoll mit mir rede.
    Wenn mir kalt ist, hab ich früher halt gefroren und heute geht das schon eher so: Ach liebes, hol dir was warmes, heute musst du nicht mehr frieren…usw.
    Mir halfen da eben viele Geschichten mit Kindern und deren Eltern.

    Gratuliere Dir auch zu Deiner Treppe! Schön, wenn man etwas sieht, dass man selber geschaffen hat! Genieße Dich und Dein Werk ;))

  5. Ilana sagt:

    Naja – die Treppe war ja nicht für mich – von daher hab ich davon nichts – aber es war schon ein tolles Gefühl.

    Das mit den Geschichten mit Kindern und deren Eltern – das ist für mich auch wichtig. Vielleicht lese ich deshalb so gerne Familienblogs – es ist nicht nur die Sehnsucht – sondern eben auch zu merken: ja das gibt es – andere Eltern lieben ihre Kinder und tun fast alles für sie. Ein anderes Bild auch zu bekommen.

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