Gespräch gestern

Gestern hab ich mich ja mit dem hiesigen Kaplan zusammengesetzt – schön war erstmal dass ich nicht mehr so verkrampft war was das Du oder Sie angeht (irgendwie fällt mir das Sie schwer, ist in Tirol dann doch anders und beim ersten Termin hatte ich da ein ungutes Gefühl weil mir ein oder zweimal das Du rausgerutscht ist).

Es ging um zwei Fragen:

Was macht mich ärgerlich, wütend (oder auch traurig)?

Welche Sehnsucht steckt dahinter?

Von daher sehr aktuelle Fragen für mich, denen ich mich auch nochmal in einem Extra-Beitrag widmen möchte.

Interessant fand ich auch die Definition von Versöhnung – die unabhängig vom Gegenüber stand.

Es ging dabei mehr darum das Thema mit sich selbst ins Reine zu bringen, die Verletzung wahrzunehmen, zu spüren, sie sich auch zuzugestehen und dann für sich zu sorgen, so dass sie auch verheilen und vernarben kann. Sie wird immer eine Verbindung zu demjenigen haben, der sie zugefügt hat – dadurch ist sie auch immer mit diesem verknüpft – doch da für sich selbst zu dem Punkt zu kommen sagen zu können: es hat weh getan, hat verletzt und das wird immer ein Punk auf unserem gemeinsamen Weg sein, doch die Wunde ist verheilt, vernarbt – und damit hat der, der verletzt hat auch nicht mehr die Macht der Verletzung über mich.

Ich fand das einen sehr interessanten Ansatz – im Endeffekt ist es genau der, der in der Traumatherapie verfolgt wird – die Wunden heilen zu lassen, ein Milieu zu schaffen in der sie heilen kann. Das kann durch die Einsicht und die Reue des Verursachers gefördert werden, doch es ist auch ohne das möglich.

Wo ich noch hader ist dann – sozusagen dem Verursacher dann auch zu sagen: ich hab mich damit versöhnt – für mich hat diese Definition von Versöhnung noch nichts mit Verzeihen zu tun. Aber mit dieser Definition bin ich bei der Versöhnung auch nicht mehr von der Einsicht des anderen abhängig.

Es ist auch ein Stück weit mehr so, dass ich mich damit mehr mit der Situation, mit der Verletzung und der Wunde die sie geschlagen hat versöhne. Die ist sicher mit dem Verursacher gekoppelt – aber eben nicht mit dem Verursacher im Vordergrund, sondern mit den Auswirkungen.

Aufgekommen ist es mehr im Zusammenhang dass der Verursacher nicht mehr da ist – weil tot oder dement oder im Koma oder ähnliches – da kann er ja nicht mehr sagen: tut mir leid. Und um von diesem „tut mir leid“ da wegzukommen – und die Versöhnung in sich zu suchen.

Ich merke das das in mir arbeitet – einerseits auch passt, an anderen Stellen auch noch etwas reibt. Aber ich fand es einfach mal einen anderen Ansatz – und das find ich gut. Zumal ich es ja sehr wichtig finde, dass wir unabhängig davon ob der Verursacher da jetzt Einsicht zeigt oder nicht – für uns lernen damit umzugehen, dass wir daran arbeiten, uns mit unserem Schicksal zu versöhnen – weil wir nur so es irgendwann hinter uns lassen zu können – als etwas das uns prägte, aber nicht mehr im heute behindert.

Auf jeden Fall fand ich das Gespräch sehr interessant und werde die obigen Fragen für mich auch nochmal genauer anschauen (erste Antworten haben wir gestern ja schon besprochen) – ich bin ja was das Verzeihen angeht auch etwas empfindlich – vor allem wenn es darum geht, dass wir den Tätern ja verzeihen müssen um selbst heilen zu können usw. Denn das sehe ich anders. Mich mit mir selbst auszusöhnen – ist aber sehr wichtig – und von daher fand ich diesen Ansatz klasse – auch wenn ich noch an dem Punkt hader, an dem dies auch dem Verursacher gegenüber ausgedrückt werden soll – das ist dann doch wieder zu viel „verzeihen“ für mich. Für mich gehört dazu aber auch ein Einsicht zeigen (als eine Art „Bedingung“ für das Verzeihen).

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