fassen – Teil 2

Ich weiß nicht mehr wie oft ich jetzt ein „Stopp“ setzen musste.

Es war klar, dass ich aus dem Kreislauf nur herauskomme, wenn ich für mich fassen kann, was eigentlich grad los ist. Denn bis dahin ist jeder Gedanke an Betreuung – ein Trigger – der mich wieder in das Gefühlschaos hineinzieht, dem so schwer zu entkommen ist.

Aber es wurde auch klar, dass ich in dem Gefühlschaos nicht hinspüren kann – denn da bin ich in altem gefangen – und auch wenn das sicher mit eine Erklärung ist warum es mir heute so geht – will ich den Auslöser von heute haben – nicht den von damals.

Also ein „Stopp“ setzen – und beim nächsten Mal wenn es wieder hochkommt schauen ob ich da weiter komme – oder schon wieder viel zu tief in altem Gefühls- und Bewertungschaos verstrickt bin.

Unzählige Male.

Bis irgendwann der Punkt ist – wo nur noch ein Teil von mir da tief drin steckt, aber ein kleiner Teil hier sitzen und schreiben kann, und die Theorie, die so klar ist, eine Chance bekommt.

In mehreren Anläufen.

Was ist also da?

Alles was mit der Betreuung zu tun hat – löst etwas aus. Dieses „etwas“ ist nicht ganz klar – es sit ein Druck, das Gefühl sofort losheulen zu wollen, das Gefühl es „zuviels“ und eher das Bild die Hände abwehrend erhoben – ängstlich – nichts mehr sehen oder hören wollen. Außerdem geräuschempfindlich hoch drei.

Wie sich das im Körper äußert lass ich weg – denn darauf zu achten geht bei mir in der Regel nach hinten los.

Die letzten Wochen, Monate  hab ich alles was mit der Betreuung zu tun hat „ausgeblendet“ – schon allein, damit die Betreuung laufen kann – schwierig waren die Termine immer – und in der Wohnung merk ich das auch – denn das „miteinander“ ist deutlich schwieriger, auch wenn ich die letzten Termine nicht mehr ständig dissoziierte.

Das ganze Thema ist ja eher schwierig für mich – seit zweieinhalb Jahren mach ich jetzt die Betreuung (naja fast – fehlen noch 2 Monate dazu) – und bisher gab es nie 2 Monate ohne dass Anträge liefen, es Änderungen gab (in der Stundenzahl) oder der Betreuungsverein gewechselt werden musst oder es sonst irgendeinen Ärger gab – bis hin zu einer Ablehnung, so dass ich zwei Monate gar keine Betreuung hatte. Es lief hier noch nie irgendwas „normal“, es gab immer irgendwelche Probleme, irgendwelche Damokleschwerter die über der ganzen Sache hingen.

Ehrlich gesagt – ich weiß nicht ob ich das alles so mitgemacht hätte oder schon längst aufgegeben, wenn ich nicht W. hätte – der das immer versucht möglichst „abzufangen“, der da nicht so bürokratisch ist und dem das Wohl seiner  Betreuten – und damit auch mir – sehr wohl wichtig ist. Keine Ahnung wie das wäre, wenn ich da jemand weniger engagierten hätte – denn ich wollte das schon so oft aufgeben.

Im August geht es dann um die Verlängerung – der nächste Antrag der im Raum steht, der nächste Ärger? Eigentlich nicht zu erwarten – doch das haben wir bisher immer gedacht – es war nie zu erwarten, dass es Ärger gibt, wir haben immer alles mögliche bedacht – und doch gab es dann den Ärger.

Seit zweieinhalb Jahren wird aber das Thema „Betreuung“ auch geschoben – weil ja immer irgendwas war – und man soll Traumata nicht aufgreifen, wenn sie nicht „abgeschlossen“ und beendet sind. Bei mir wurde das zum Trauma, weil Behörden und Ämter und Gutachten ja schon Traumata sind – und sich das aktuell da einfach „draufsetzt“ und zu Retraumatisierungen führten.

Also liegt die Hoffnung auf Dezember – dass dann das nächste Jahr genehmigt wird (wenn denn mal ein Jahr) und es dann tatsächlich mal läuft.

Es ist dieses „ausgeliefert“ sein – und die Willkür – denn die Ämter entscheiden nicht zum Wohle der Antragsteller, sondern machen ziemlich viel Ärger und ich denke, dass die das teilweise mit Methode machen – in der Hoffnung das jemand aufgibt.

Aber es waren nicht nur die Ämter. Trotzdem rührt das an einem Thema, das für mich immer noch ein Trigger pur ist. Da ist kein „rankommen“ – wir haben es auch schon versucht – und das endet meistens dann doch im „nichts geht mehr“.

Ob das nun daran liegt, dass da halt immer auch  etwas ist – weiß ich nicht.

Es geht neben dem Ausgeliefert sein – auch um bewertet werden, angesehen werden, und auch darum, dass ich es alleine nicht schaffe.

Das es heute so reinhaut – nun ja – das Thema schwebt seit Monaten über mir – es ist seit Monaten schwierig und ich hab halt eine Möglichkeit gefunden irgendwie damit umzugehen, so dass ich die Betreuungstermine auch nutzen kann – ohne – das zeigte sich ja auch letzte Woche, als es ausfiel – geht es gar nicht – die Wohnung sieht innerhalb einer Woche wieder sehr aus und es ist einfach sehr frustrierend zu merken, dass ich das alles einfach nicht hinbekomme – ohne Hilfe.

Dieses „Hilfe nötig haben“ – und darauf angewiesen sein – durch das angewiesen sein auch abhängig sein. Abhängig von etwas, das mir jederzeit weggenommen werden könnte – dazu braucht nur ein Mitarbeiter sich quer stellen wollen.

Es ist nicht damit getan ein „Recht darauf zu haben“ oder „dass ich es brauche und das auch anerkannt wird“ – das hab ich die letzten Jahre gelernt.

Und mit jeder Verlängerung kommt irgendwie auch dieses „krieste es immer noch nicht hin?“ – das nicht nur von mir kommt – sondern von einer Koordinatorin eines Betreuungsvereines oder dem Landkreis durchaus auch so gefordert wird. Das ich meine Prioritäten falsch setze – es nicht darum gehen sollte, was mir gut tut, sondern dass ich es möglichst alleine hinbekomme – egal zu welchem Preis – Hauptsache keine Kosten verursachend.

Das wiederum stößt bei mir auf offene Ohren – hab ich doch eh genug Probleme damit hinzuspüren was mir gut tun würde – und nicht was andere gerne hätten.

Zu viele Themen die da zusammenkommen, zu viele Grenzüberschreitungen die da stattfanden, zu viel Ohnmacht und Hilflosigkeit – und Unberechenbarkeit – na woher kenn ich das alles wohl?

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2 Antworten zu fassen – Teil 2

  1. ariadne sagt:

    Weißt du… ich glaube, ich habe gerade zum ersten Mal so ganz wirklich verstanden, warum das mit der Betreuung so schwierig und triggernd für dich ist, ich hatte bisher immer Probleme, da irgendwie durchzublicken…

    Noch ein Denkanstoß von mir (vielleicht ist das auch Quatsch, dann tut es mir leid): Wenn ich das so lese, scheint es mir so, als würde auch die Betreuung an sich etwas auslösen, du schreibst, es ist so dieses „Hilfe nötig haben“ / „Abhängigkeit“ – vielleicht ist auch die Betreuung selbst eine Grenzüberschreitung, kann das sein? Früher waren die Eltern „Betreuer“ und haben es gnadenlos ausgenutzt. (Nur so eine Idee.)

    Und das mit den Ämtern, klar machen die das mit System, die wollen bewusst Leute abschrecken durch die Formulare und das Hin und Her und Hickhack und es allen doppelt so schwer machen, denn je weniger Leute sich das „antun“, desto weniger Geld muss der Staat rausrücken – das hat durchaus System (weiß das von meinem Freund, der ist Sozialarbeiter).

    Ich denk an dich und danke für deinen Kommentar bei mir – das bedeutet mir viel.

  2. Ilana sagt:

    Die Betreuung selbst sehe ich nur teiweise als Grenzüberschreitung – W. achtet sehr darauf, dass es eben nicht zu viel wird – so ist schon sehr klar, dass er nicht grenzüberschreitend ist. Wo es grenzwertig wird ist, wenn ich in der Wohnung was mache, obwohl mir klar ist, dass mir das grad nicht gut tut – aber da wäre das „nicht tun“ schlimmer – weil ich dann nicht mehr hinterherkomme.

    Er achtet da sogar mehr auf meine Grenzen als ich, wir haben einige Absprachen – und er ist da schon sehr gut – einfach auch sehr empathisch.

    Schwieriger ist es für mich, weil aufräumen mit meiner Mutter sehr eng verknüpft ist – man konnte es ihr nie recht machen – es war nie sauber genug.

    Und das ich bei so was „einfachen“ scheitere – dass ich es einfach nicht hinbekomme – macht noch mehr Druck.

    Außerhalb der Wohnung ist es anders – ich hab ja auch Schwierigkeiten einkaufen zu gehen usw – das ist mit dem Betreuer super – da gibt es auch keine Probleme – allein das Wissen, dass er da ist, das ich das hier jederzeit abbrechen kann – es ist bei weitem nicht mehr so angstbesetzt wie es früher war. Auch sonst kann ich seine Hilfe da annehmen – Physio z.Bsp – ging früher nur dadurch dass ich von ihm abgeholt wurde, weil selbst Taxi da zu viel war – das alles klappt heute besser und geht gut – da bin ich heilfroh, dass ich die Betreuung habe.

    Auch die Wohnung – ohne würde es hier aussehen, dass ich nur durchdrehen würde, dadurch dass wir jede Woche einen Termin hier gemeinsam machen (so schwer das auch ist) – fühl ich mich hier wohl, weil immer „Grund“ drin ist – auch wenn es nach gut einer Woche, wenn es mal ausfällt – wieder schlimm aussieht – ist dieses schlimm nichts gegen früher.

    Dass ich aber auch so viel Ärger hatte (Gutachten ist aus einem anderen Grund ein Trigger – eider einer, dem ich bis heute nicht beikommen konnte) – es immer irgendwie darum ging, dass ich nicht so einfach zum Gutachter kann (da gibt es auch Gutachten zu, dass für mich dieser eine Ausnahmeparagraph gilt) – das Wissen, dass ich es ohne nicht schaffe, weil schon wenn es eine Woche ausfällt hier das Chaos ausbricht – und die Angst, dass die Betreuung eben wegfällt – oder ein Betreuer kommt, der eben nicht so sehr auf Grenzen achtet (hatte ich ja erst im Dezember in einem Versuch) – und eben, dass da ein Sachbearbeiter mir Steine in den Weg legen kann – und ich diese Erfahrung ja auch gemacht habe – das alles macht es schwer mich wirklich drauf einzulassen.

    Die Abhängigkeit an sich ist nicht die Grenzüberschreitung – aber sie ist für mich schwierig – vor allem da es die Abhängigkeit von jemand ist, der mir nicht wohlgesinnt ist (Ämter) – ich bin ja auch irgendwie vom Thera abhängig oder dem Betreuer selbst – doch da macht mir die Abhängigkeit deutlich weniger Probleme, weil ich weiß, dass die „auf meiner Seite“ sind.

    Ämter und Behörden sind ein Trigger für sich – und von denen hängt die Betreuung ab. Aber danke für den Denkanstoß – ich muss da nochmal genauer schauen ob das wirklich so ist wie ich geschrieben hab oder doch mehr dahinter steckt.
    Für mich ist das auch nicht so ganz klar wo das Problem liegt.

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