Thera heute

Uff – es ging um die Freundin und um das eingestehen und benennen dessen, was mir schon länger klar ist, aber halt schwer es auch beim Namen zu nennen:

Sie erinnert mich mit ihren Manipulationen und ihrer Instrumentalisierung an meine Mutter – sehr.

Dass sie in vielen Dingen meiner Mutter ähnelt – grade was die Manipulationen und dieses „ich bin ja so arm, du musst mir helfen“, nicht wirklich was ändern wollen, einerseits zwar mit dem Vater nichts zu tun haben wollen, weil es ihr nicht gut tut, andererseits aber den Kontakt nicht abbrechen wollen, weil sie das Geld von ihm will  sich dann aber aufregen, wenn er das sagt – einerseits jammern und die Mutter als nervend bezeichnen, jedoch dann sagen: nö ihr Grenzen setzen will ich nicht, weil dann wäscht sie mir ja meine Wäsche nicht mehr – also dieses das „positive“ wollen, aber das andere nicht – und damit dann nicht sagen: ok das positive überwiegt für mich, das negative nervt zwar, aber das nehm ich lieber in Kauf – sondern nur rumjammern und die anderen immer so hinstellen, als wären die die Übergriffigen usw.

All das erinnert mich sehr stark an meine Mutter.

Ich hab lange (und immer noch) mit dem Schuldgefühl zu kämpfen – auch ich hatte solche Phasen, auch ich war zeitweise sehr anstrengend und konnte in zwei Worten in einer mail so viel Negativität verbreiten, auch ich hatte mehr als genug Hänger und sehr lange gebraucht um mich von den Eltern lösen zu können – obwohl ich wusste, der Kontakt tut mir nicht gut (und auch da wiederholt sich grade was 😉 ) – aber ich bilde mir ein, dass ich zumindest eine Entscheidung getroffen habe, ein „ich möchte den Kontakt abbrechen, aber da ist dieses und jenes Problem“ – und dann bin ich mit dem Thera diese „aber“ angegangen. Es war immer klar, dass das Ziel ist – den Kontakt dann abzubrechen oder so zu gestalten, dass er mir nicht mehr schadet.

So wird es auch diesmal sein – meine Frist ist im November – ich brauche diese Zeit – ich muss mir einiges klar werden, möchte für mich da auch einen Abschluss hinbekommen mit dem ich umgehen kann. Das ist ihr gegenüber vielleicht unfair, aber nur so, kann ich bei dem Klären am Ende auch ihr gegenüber fair sein.

Ich muss für mich klären welche Anteile sind die der Mutter und welche sind wirklich ihre – und ich werde Zeit brauchen um Worte zu finden. Es ist angekommen – dass sich was ändern muss – mittlerweile auch klar wie  – nämlich den Kontakt abbrechen (über den Weg laufen wir uns ab und an – doch das ist nicht das Thema, da ist auch ein „Hallo“ kein Thema oder ein „wie gehts“ – aber eben eher wie eine Bekannte, die man ab und an zufällig sieht) – der Grund liegt darin, dass ich im Moment Dinge auf sie übertrage, die zu meiner Mutter gehören – und das muss ich erst klären – erst danach könnte sich zeigen, ob unsere Beziehung noch eine Chance hätte.

Doch das werden wir dann sehen – da geht es ja auch darum, was sie dann will.

Auch klarer ist, dass ich nicht mehr warte – seit 2 Jahren fast warte ich auf eine „gute Phase“ um mich mal mit ihr zusammenzusetzen und zu sagen, dieses und jenes find ich schwierig im Umgang – ich werde nicht mehr warten – ich werde das für mich klären und ihr dann einen Brief schreiben – dabei auch bei mir bleiben und eben sagen, dass es weder für sie noch für mich gut ist, wie es jetzt läuft – ich will klare Fronten.

Ja es wird ihr weh tun, sie wird verletzt sein und es auf sich beziehen – aber ganz ehrlich – wenn ich heute sage, dass wir draußen schönes Wetter haben, sieht sie das auch als Vorwurf (denn für sie heißt das, dass ich sie drauf hinweise, dass sie doch rausgehen soll) – es ist egal was ich sage – es kommt falsch an. Und das ist ihre Sache – nicht meine – ich werde für mich (zusammen mit dem Thera, evt. der Urlaubsvertretung) den Brief durchgehen, denn ich möchte da wirklich so schonend wie möglich sein – aber ich will auch ehrlich sein – denn ich denke, dass das wichtig ist – für mich (auch wenn ich das immer auch für andere wichtig halte).

Wir haben uns bei der Freundin nicht lange aufgehalten – es war ja schnell klar, dass es mit der Mutter zu tun hat – und das haben wir dann auch aufgegriffen – nicht Situationen aus der Kindheit, sondern heute – wie ich mich heute fühle, wenn ich an sie denke, traurig aber auch aggressiv, die „Vorwürfe“, die ich ihr mache, aber auch das „sie hat mir so weh getan“. All diese Gefühle zuzulassen, ihnen Raum zu geben und einzugestehen: ich hätte es mir anders gewünscht.

Aber auch ihr die Verantwortung für ihre Taten geben und mir den Raum und das Zugeständnis, dass die Gefühle berechtigt sind und sein dürfen.

Aufgreifen und fühlen der Gefühle auf einer erwachsenen Ebene (wobei ob das wirklich die Erwachsene heute war – oder eher so in den letzten 10 Jahren weiß ich nicht – ist auch egal). Es ging auch nicht um einzelne konkrete Situationen, sondern mehr die Gesamtheit.

Das eine Mutter Leben lehren soll, ihr Kind stark machen, selbstbewusst, sich seiner Stärken und Schwächen bewusst, die Stärken aber auch nutzen könnend, den Widrigkeiten des Lebens auch trotzen können, Konflikte lösen und gestärkt daraus hervorgehen. Und nicht dass sie ihr Kind kaputt macht, systematisch, dass sie es zerstört, klein macht und hält und es genießt ihm weh zu tun. Dabei geht es nicht um einzelne Situationen – jede Mutter wird ihrem Kind mal weh tun.

Aber wie Marie-France Hirigoyen so schön schreibt: der Unterschied liegt darin, dass es einem normalen Menschen leid tut, dass er bereut wenn er jemand verletzt, während es dem „Perversen“ (ihr Begriff) nicht in den Sinn käme, dass das nicht in Ordnung ist und dass es für ihn auch nicht „mal“ so ist, sondern (fast) durchgehend.

Es geht nicht darum dass eine Mutter einen Fehler macht – das wird zwangsläufig passieren – sondern dass sie ihr Kind als Individuum ansieht und respektiert – und liebt, die Stärken fördert und nicht zerstört, die Schwächen nicht ausnutzt und drauf rumreitet, sondern dem Kind hilft da eine Lösung zu finden, damit die Schwäche ihn nicht sein Leben verbaut – dass es lernt sie zu akzeptieren, aber sich nicht dadurch definieren muss. Dass das Kind ein „ganzer“ Mensch wird, der Liebe kennengelernt hat und lieben kann.

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