Beziehungen

Nach der heutigen Thera gehen mir wieder einige Gedanken zum Thema „Beziehungen“ durch den Kopf.

Ich hab keinen großen Freundeskreis. Genau genommen gibt es einen, den ich real nicht mal kenne – den ich anrufen könnte, wenn es brennt (allerdings ist der zur Zeit beruflich im Totalstress und es sieht nicht aus als würde sich das in nächster Zeit ändern).

Dann gibt es ein paar Bekannte – die man halt ab und an trifft (eher selten, außer es gibt gemeinsame Termine) und die ich theoretisch anrufen könnte (von deren Seite), die sich aber auch alle bei mir nicht melden würden im Notfall (obwohl sie es könnten).

Vor ein paar Jahren hatte ich eine Freundin, das zerbrach daran, dass ihr Mann mich hasste (weil ich dick bin – sagt er zumindest, ich vermute eher, weil ich seiner Frau „rebellische“ Gedanken „eingepflanzt“ habe), nicht wissen durfte wenn wir uns treffen, da zwei Kinder involviert waren und ich dieses Spiel irgendwann nicht mehr mitspielen wollte (unter anderem weil ich von einer 8-jährigen nicht möchte, dass sie lügen muss, wenn wir uns sehen) – außerdem hatte ich Probleme mit dem Erziehungsstil, der durchaus Schlagen mit beinhaltete.

Der Mann hat auch die Frau unterdrückt – ihr den Mülleimer auf die Küchenarbeitsfäche gekippt, weil sie die Teebeutel nicht getrennt hat (die Klammer in Metall, das Papier in Papier und der Rest in Bio – sie wagte es den Müllbeutel einfach in die Resttonne zu kloppen) – nur als ein Beispiel.

Sie hatte Angst vor ihm – Angebote, dass sie auf meinem Namen einen Rechtsanwalt aufsuchen kann (weil er auch alles kontrollierte) usw – standen im Raum, aber die Angst war zu groß (und außerdem wollte sie aufs Geld nicht verzichten, denn sie gehörten eher zu den wohlhabenderen).

Diese Freundschaft schlief dann einfach irgendwann ein – war aber bis zu dem Zeitpunkt, wo ich das „Stopp“ setzte, doch eher intensiv.

Dann gab es eine ältere Dame (die ich aber nie so als Freundin sah), die ebenfalls eher in ihrer Traumwelt lebt (und mit dem Problem wie sie denn mit 2000 Euro im Monat hinkommen soll – ohne dass sie Miete zahlen musste – 2000 Euro die sie einfach für sich und Lebensmittel zur Verfügung hatte – achja Lebensmittel für sich und ab und an für den Mann) – deshalb kann sie sich natürlich auch nicht trennen – egal wie mies er sie behandelt und außerdem ist das finanziell nicht drin da auch noch Miete zu zahlen usw.

Diese Dame tut mir auch sehr leid, denn ich bin überzeugt dass da eine Demenz oder ähnliches mitspielt – was sie (sonst Hypochonder hoch drei) nicht wahrhaben will.

Tja und dann gab es die Freundin, die aktuell Thema ist – auch hier bin ich diejenige die den Kontakt abbricht, weil ich mit ihren Erkrankungen und den Folgen nicht klar komme.

Es gibt einige Bekannte, die auch von meiner Problematik wissen, von denen auch ich sehr viel weiß (überhaupt bin ich offensichtlich jemand, dem die Leute sehr schnell vertrauen und auch sehr intime Dinge erzählen, das war schon immer so, stört mich auch nicht, wundert mich nur immer wieder).

Einen Partner – gibt es nicht – wünsch ich mir ehrlich gesagt auch nur sehr selten. Klar wünsch ich mir jemand der für mich da ist, der mich in den Arm nimmt usw – aber in Wahrheit könnte ich das doch eh nicht zulassen.

Ich bin nicht beziehungsfähig – auch das weiß ich – und ich brauche meinen Freiraum – und davon sehr viel.

Wenn ich Freunde/Freundinnen hatte, sagten die immer, dass ich eine gute Freundin sei – aber ich seh das etwas anders.

Denn für mich gehört zur Freundschaft auch Vertrauen – und zwar von beiden Seiten. Ironischerweise klappt das mit D. am Telefon sehr gut – wir kennen uns jetzt seit drei Jahren – und schaffen es immer noch stundenlang zu telefonieren – auch wenn unsere Interessen und Leben sehr unterschiedlich sind. Es ist ein Geben und Neben – sicher mal mehr vom einen und dann wieder vom andern, es gibt da auch kein aufrechnen – es ist dennoch von beiden Seiten so.

Vielleicht ist es grade diese Distanz, die das möglich macht – wie gesagt haben wir uns nie gesehen.

So als Freundin – bin ich schwierig – mein Leben ist nicht „normal“, meine Themen, mein Denken, mein Fühlen ist anders und manchmal sehr kompliziert. Vieles was für andere „normal“ ist – ist für mich nicht machbar – ich kann nicht einfach mal einen Kaffee trinken gehen, oder essen – oder aus. Einerseits kann ich sehr spontan sein und schlecht planen, weil nie klar ist ob es mir dann entsprechend gut genug geht, dann wieder muss ich mich auf einige Sachen vorbereiten und das geht dann eben nicht spontan.

Die Therapie braucht viel Raum, weil die Themen natürlich nachhallen, der viele Freiraum, den ich zum erholen brauche – da bleibt nicht mehr viel über. Für eine Partnerschaft viel zu wenig – für eine Freundschaft genug – aber es muss „passen“.

Ich hab mich oft mit Freundinnen getroffen und wir haben uns einfach unterhalten – das ist ok. Dennoch ist es für mich schwer wirklich zu vertrauen.

Zwar bin ich schnell offen, erzähle auch, bin ehrlich, aber bisher tat es nie wirklich weh, wenn es dann doch in die Brüche ging – vielleicht weil ich es nicht wirklich anders kenne, vielleicht weil ich mich nie so sehr darauf einlasse, dass es weh tun könnte.

Manchmal frag ich mich, ob mir da etwas fehlt – will ich eine „beste Freundin“? Ich weiß es nicht – als Jugendliche hatte ich einen großen Bekanntenkreis und auch einige Freunde – aber damals war Fassade – die wussten wenig von mir, und wenn ich mal Andeutungen machte, wurde es nicht geglaubt. Verständlich – wir waren jung, das Thema damals noch viel mehr Tabu als heute und meine Eltern ja die „Vorzeigeeltern“.

Ich hab mir immer schwer getan Freundinnen zu haben, viele meiner Freunde waren homosexuell oder Priester – vielleicht weil die für mich damals „sicherer“ waren – keine Ahnung – mit Frauen hab ich immer noch Probleme – auch wenn ich heute schon mit Frauen befreundet sein kann.

Aktuell besteht mein Bekanntenkreis sogar mehr aus Frauen als aus Männern glaub ich.

So sehr ich mir manchmal jemand wünschte der da ist, den ich anrufen kann, der mich kennt, mit dem ein „miteinander“ besteht, eine gleichwertige Beziehung – denke ich doch, dass ich im Großen und Ganzen nicht drunter leide keine „beste Freundin“ zu haben oder so.

Manchmal wär es schön, doch die meiste Zeit bin ich froh, wenn ich meine Ruhe hab, kein Anruf oder Besuch zu erwarten ist und ich entscheiden kann wann ich Leute treffe und wann nicht. Wenn ich mir meinen Alltag anschaue – bin ich ausgelastet – mehr würde ich auf Dauer nicht unterbringen – schon allein das schauen ob ich nochmal Schwimmen unterkriege – zeigt, das ich eigentlich keine Kapazitäten mehr habe – und zum erholen – muss ich allein sein – das kann ich auch in Gesellschaft guter Freunde nicht – denn Kontakte sind einfach anstrengend für mich.

Viel mehr Kontakte – wären mir zur Zeit zuviel. Klar würde ich mich freuen mich mal zu treffen und zu grillen oder einfach so – aber so im Alltag fehlt es nicht wirklich. Dazu bin ich wirklich auch zu sehr mit mir beschäftigt. Meine Kräfte und Energien – werden grade an anderer Stelle gebraucht.

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4 Antworten zu Beziehungen

  1. klaus sagt:

    Hallo
    ich frage mich, ob es das wirklich bringt und hilft ständig in der Vergangenheit zu wühlen? Wozu? Du lebst doch im hier und jetzt. Die Vergangenheit kannst du nicht ändern, das erlebte vielleicht verdrängen…

    • Ilana sagt:

      Hallo und herzlich Willkommen.
      Naja – verdrängen half eben nicht – das ist ja das Problem, es geht ja nicht darum in der Vergangenheit zu wühlen, sondern die Vergangenheit aufzuarbeiten – das was damals nicht möglich war – sie in die Lebensgeschichte zu integrieren – sozusagen nachzuholen.
      Erst wenn die Geschehnisse in der Lebengeschichte und Erinnerung integriert sind, werden sie nicht mehr mit Flashbacks einfach ins heute „platzen“.
      Verdrängen klappt auf Dauer leider nicht.

      Um also im heute und hier und jetzt leben zu können, muss ich die Vergangenheit nach und nach abschließen. Du kannst mir glauben, wenn das mit dem verdrängen so einfach wäre, oder mit dem „hinter sich lassen“ – würde wir Betroffenen das mit Freuden tun.

  2. klaus sagt:

    mh, ständig Therapie machen, ich kann mir nicht vorstellen, dass das helfen kann. Das Vergangene ist doch nun mal passiert, immer wieder drüber reden – das hilft?

  3. Ilana sagt:

    Ja und nein – es ist ja nicht ein „immer wieder drüber reden“, jahrelang ging es darum mich zu stabilisieren, mir Möglichkeiten zu eröffnen mit unterschiedlichen Stresssituationen besser umzugehen – einfach damit es mir besser geht im Alltag. Und jetzt geht es darum die Sachen gezielt und im geschützten Rahmen aufzugreifen, die mich im Alltag behindern, die immer wieder „reinplatzen“, die mich überfluten, ausgelöst durch irgendwas im Alltag. Damit kann ich im Alltag auch sagen: „nicht jetzt, das schau ich mir in der Thera an“ – und wieder zurück ins hier und jetzt kommen, in der Therapie schau ich mir diese Situationen dann an – es geht darum Flashbacks (siehe Links) und Täterintrojekte (ebenfalls in den Links) zu verringern, um wirklich ein eigenständiges Leben führen zu können.

    Ich rede mit meinem Thera selten über die Situationen, er kennt sie, weil ich sie ihm aufschreibe, wenn eine „neu“ oder „anders“ ist, aber sonst geht es darum sie so zu verarbeiten, dass sie mich im Alltag eben nicht mehr belastet.

    Ich greife keine Situationen auf, die mich nicht im hier und jetzt und heute beeinträchtigen – sondern eben die, die mir das heute schwer machen.

    Und um deine letzte Frage zu beantworten: Ja es hilft. Aber es muss sicher jeder seinen eigenen Weg finden – MEIN Weg ist genau dieser mit der Therapie in der Art und Weise wie ich es aktuell mache.

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