Thera heute

Pause. Das ist im Endeffekt das Ergebnis.

Pause von den Situationen und Gefühlen der Kindheit (vor allem was die Eltern angeht) und mal schauen was wir mit dem „heute“ machen. Das ist bei uns selten Thema, außer es geht ums Stabilisieren – doch darum geht es auch nicht – denn Stabilität ist da.

Es gibt ja auch eine Zeit zwischen Eltern und heute – und wir wollen mal schauen ob wir diese Zeit nutzen können. Es wird weiterhin um Gefühle zulassen gehen, nur mit anderem Schwerpunkt.

Ich hab es nämlich einfach so satt! All die Abgründe meiner Eltern, die ganzen Situationen, die Piesackerei und die damit verbundenen Gefühle – ich will das alles nicht mehr!

Mir ist klar, dass ich die Vergangenheit nicht einfach abstreifen kann, aber wir werden da erstmal eine Pause einlegen – wie lange die dauert werden wir sehen.

Tja – das ist das Endergebnis – und wie kamen wir dahin?

Wir haben erst versucht einen Kontakt zwischen dem Kind und der Erwachsenen herzustellen, was nicht ging – und als wir versuchten den Unwillen auzugreifen – ging das gleich in diesen Hass über und so brach ich das ab – weil ich wusste, wenn ich dem nachgehe, komme ich da wieder nicht raus.

Über blieb dann eine Traurigkeit, dass ich diese Verbindung zum Kind nicht habe, dass ich dem so negativ gegenüber eingestellt bin usw.

Das griffen wir dann auch auf und landeten bei den ständigen „kleinen“ Piesackerein der Mutter. Die „großen“ Sachen wie das mit dem KH usw – sind schlimm, aber viel schlimmer fand ich immer diese kleinen Sachen, die einzeln betrachtet nicht so schlimm sind, aber eben in der Summe so extrem zerstörerisch. Das nie ein gutes Wort hören, nie getröstet werden, nie willkommen geheißen wenn ich mal länger weg war, nie vermisst, keine Liebe – so gar keine – nicht „nur“ eine zerstörerische, sondern eben gar keine – nur Kälte und Plage sein, nur Arbeit machen, vor allem das nie ein gutes Wort – immer nur niedermachen.

Selbst wenn ich eine Eins nach Hause brachte – in einem Fach, in dem ich echt nicht gut war – kam nur ein „siehste – geht doch“ – aber kein mitfreuen. Immer nur das „du bis faul“ „was bist du phlegmatisch“ (wobei sie da faul gemeint hat), „was willste denn sonst machen – kannst ja nichts“ usw.

Ja ich weiß, dass sie mich nach außen gelobt hat – aber uns Kindern gegenüber nie.

Und diese keifende Stimme, der verbitterte, verkniffene Zug um die Lippen, die harten Augen.

Ich sah mich als Kind in der Ecke kauern, die Hände schützend erhoben – nicht weil was „Schlimmes“ kam, sondern wegen dieser ständigen Nadelstiche – unzählige jeden Tag.

Es ging dann um die Traurigkeit und auch „Verlorenheit“ von damals – und das endete dann in dem „ich will das alles nicht mehr! – ich hab das so satt!“. Und das Gefühl, keine Wahl zu haben, weil der ganze Mist ist ja da – jeden Tag.

Der Thera sagte dann nur, doch es gibt eine Wahl – und machte eine Phantasiereise mit mir – mit Tappen – und ich heulte nur noch los – wir gingen an einen Ort, ein kleiner Fluss und ein Felsen (und für mich auch ein Baum) – und dort stellte ich den Rucksack ab, ich schaute in den Rucksack um das rauszunehmen was wichtig ist (was für mich dann das Gefühl von „brauch eine Pause, also nehm ich die Pause raus“) – und eine Flasche, die ich an einer nahe gelegenen Quelle auffüllte – und ließ den Rucksack dann dort stehen – und ging weiter.

Das ist schwer – nicht wegen dem Zurücklassen, sondern aus Angst, dass sich das Zurückgelassen verselbstständigt. Daher will ich am Di mit dem Thera sprechen, dass wir das ab und an nachsehen (Tresor klappt für mich nicht) – und auch immer mal prüfen, was wichtig ist – und das mitnehmen, während ich den Rest erstmal dort lasse. Vielleicht auch mit der Koppelung, dass ich jetzt „Urlaub“ habe und deshalb nicht alles mitnehmen möchte, aber die Sachen auch nicht endgültig abgestellt werden, sondern eben während des „Urlaubs“ – wie man es mit einer Arbeit ja auch macht.

Ich hab immer gesagt, dass die Therapie meine Arbeit ist, mein Job, dass es auch meine Pflicht ist – aber die Idee, dass es da eben auch Urlaubstage gibt – kam nie – wie bei einer Mutter, die auch nie Urlaub hat.

Aber genau darum geht es – dass auch ich da mal Urlaub brauche (wie jeder arbeitende Mensch – und da ist Mutter sicher der schwerste Job!) – und ich mir genau den nehmen sollte (auch wenn Ende August „Zwangsurlaub“ ist weil der Thera nicht da).

Da müssen wir am Di schauen wie wir das dann handhaben und was gut wäre.

Jetzt bin ich erstmal einfach alle.

Dieser Beitrag wurde unter Therapie veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.