Carepaket

Carepakete sind toll.

Da gibt es eine ganz liebe alte Dame in Biberach (da hab ich nämlich mal gewohnt), die der Meinung ist, das ich ohne ihre Fürsorge hier im kalten Norden verhungere. Also schickt sie mir fast jeden Monat ein Carepaket mit allerlei Leckereien – mittlerweile dankenswerter Weise auch mit viel Obst. Ich mag R. wahnsinnig gerne, sie war schon damals eine ganz Liebe und ist es immer noch und ich freue mich jedesmal sehr.

Heute kam ein Carepaket aus Tirol von meinem Bruder – ich bat ihn ja mir Semmelwürfel zu schicken, damit ich für die Veranstaltung einer Bekannten für 25 Leute Semmel- und Tirolerknödel machen kann. Nun er hat auch gleich gewürfelten Speck mit reingelegt (dann sind es auch wirklich Tiroler Knödel ;)) und dann noch so Leckereien wie Alpenspeck und Tiroler Bergkäse und eine Linzertorte (ich lieeeeebe die und in Tirol gibt es die auch fertig im Laden als Snack – hier leider nirgends zu finden und daher bin ich da immer ganz glücklich drüber – aber es muss auch eine richtige sein) und Mannerschnitten (ja ich weiß, die gibt es hier auch manchmal).

Von meinem Tiroler Törggelen in der Tischlerei hatte ich noch Vintschgerl und so hab ich mir die heute gemacht, den Speck dazu und den Käse und ich hab ja noch etwas von der Wassermelone und Sahnekren hab ich auch noch gefunden, dazu noch ein oder zwei Essiggurkerl und Butter und ich bin glücklich.

Nun ja – bin ich wirklich – aber neben dem Surfen und so hab ich nur den Käse geknabbert – und jetzt bin ich satt – tja – so kanns gehen – gibt es all die Leckereien halt morgen 🙂

Ich mag meinen Bruder sehr gerne. Wir haben uns erst näher miteinander beschäftigt seit ich in Deutschland wohne – er ist 8 Jahre älter als ich und als Kinder hatten wir eigentlich nichts miteinander zu tun. Aber er ist der einzige, der nach meiner Konfrontation mit den Eltern zu mir hält. Er ist auch der einzige, der glaub ich von all dem Mist nichts mitbekommen hat – denn er war ab der Lehre kaum noch zu Hause – hatte früh seine jetzige Frau kennengelernt und konnte mit ihr aus dem Teufelskreis ausbrechen. Dennoch – irgendwie war es für ihn keine Frage, dass er mir glaubte, er hoffte auf eine Aussprache mit meinem Vater – aber die kam nicht – und er hat ja mit den Eltern selbst nicht mehr viel zu tun – Ostern und Weihnachten – das war es auch schon.

Er ist der einzige, von dem ich eigentlich nicht möchte, dass er hier mitliest (kennt den Blog auch nicht). Nicht weil er mir nicht glauben würde oder es nicht „wiedererkennen“ würde, sondern weil es ihm weh täte. Vom Missbrauch hat er glaub ich nichts mitbekommen – das kann gut sein – auch von den Zwillingen nicht – und mit der Mutter hat er sich ja nie so gut verstanden – sie ist seine Stiefmutter.

Es würde ihm weh tun, weil er die Menschen kennt und weil er sie immer noch sieht – und ich glaube er „braucht“ diesen Kontakt – grade zum Vater – auch – immerhin ist es nun mal sein Vater – und seine leibliche Mutter lebt nicht mehr.

Für mich ist es schwieriger das mit jemanden zu besprechen, der selbst involviert ist – in dieses ganze System. Er konnte sich berappeln, hat für sich selbst einen Weg gefunden – auch beruflich – denn Förderung gab es nicht, egal ob er es gebraucht hätte oder nicht. So im Nachhinein denke ich oft, dass er der typische Kandidat für ADS war – ohne Hyperaktivität – eben eher der Ruhige, während G., der andere Bruder sehr hyperaktiv war. K. ging immer irgendwie unter – da waren die fast gleichaltrigen Zwillinge, die grade in der Pubertät schon ziemlich aufdrehten (normal halt – aber jedes Aufdrehen war ja gleich schwierig bei uns zu Hause) und der kleine hyperaktive Bruder – und dann kam da noch ich als Nachzügler – K., als der Ruhige, ging da immer irgendwie unter in dem ganzen Trubel.

Er hat es richtig gemacht – ist gegangen sobald es möglich war – und plötzlich war er in der Schule gut und konnte einen Abschluss machen, der ihm gefiel und – machte auch Karriere – aber ich glaub am Wichtigsten war dass er E. kennenlernte und durch sie lieben lernen konnte. Er hat zwei Jungs, die mittlerweile auch schon groß sind – und auch wenn ich die nicht wirklich kenne, bin ich sicher, dass er ein guter Vater ist, einer, den es interessiert wie es seinen Jungs geht, der ihre Interessen auch fördert, der für sie da ist.

Erst als ich nach D gezogen bin, hab ich ihn eigentlich kennengelernt – wir hatten uns ab und an gesehen wenn ich in Ö zu Besuch war und als ich dann vor 5 oder 6 Jahren den „Rundumschlag“ machte, alle Geschwister informierte, dass ich eben die Schwägerin informiert hätte, wegen meiner Nichte – und auch dass ich die Eltern konfrontiere – da war er der einzige, der sich hinter mich stellte und den Kontakt hielt – wir telefonieren ab und an und schreiben uns mails – er hat mir geholfen, als die Österr. Rente plötzlich 10 Monate nicht gezahlt wurde – ohne ihn hätte ich die Wohnung verloren – und auch sonst ab und an.

Ich will ihm nicht weh tun – und ich will ihn nicht erinnern, er hat die Kindheit hinter sich gelassen, hat sich gefangen und lebt sein eigenes Leben. Das was mit der Mutter war – und mit dem Krankenhaus usw – ich glaube das weiß er gar nicht. Wie auch – es betraf ja mich – er war selbst nur ein Kind – ich war halt krank und musste da hin.

Und die Mutter – nun ja – die hat er selbst erlebt – grade diese Machtspielchen und Manipulationen – kennt er nur zu gut selbst. Doch er scheint es hinter sich gelassen zu haben – und das ist gut so – so soll es auch bleiben.

Ich mag ihn – und seine Frau – die beiden sind wunderbare Menschen – und ich möchte dass es ihnen gut geht.

So das wollte ich eigentlich alles gar nicht so schreiben – es sollte doch um das Carepaket gehen 🙂 – und darüber freue ich mich wirklich sehr. Es sind Grüße aus der alten Heimat – Dinge die es hier nicht so gibt – und grade das Knödelbrot fehlt mir wirklich sehr.

Danke!

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3 Antworten zu Carepaket

  1. Violine sagt:

    Ach, warte mal ab, wie Dein Bruder dazu steht. Wenn er hinter Dir steht, dann hat er möglicherweise tiefe Einsicht, mehr als Du glaubst. Einfach Geduld haben, wahrscheinlich bringt er die Sprache irgendwann mal selber drauf.

    Wenn ich dran denke, dass mein Bruder langsam den Zustand meines Vaters kapiert. Aber es braucht Zeit und viel Geduld.

  2. Ilana sagt:

    Mein Bruder steht da hinter mir – es ist mehr so, dass ich hier zensieren würde, wenn ich wüsste er liest mit (aber er ist eh kein Blog-Leser, von daher ist das eher unwahrscheinlich). Ich steh zu diesem Blog und geh auch im Realleben sehr offen damit um – aber er ist der einzige, dem ich es nicht geben möchte. Ihm zu liebe. Und mehr wegen der Mutter, denn das vom Vater weiß er ja alles. Er ist ja auch der „große Bruder“ – die haben es da eh immer schwer weil sie das Gefühl haben die „kleine Schwester“ eigentlich beschützt hätten zu müssen.

    Von dem was er weiß – da hat er mich schon drauf angesprochen.

  3. Violine sagt:

    Es ist ja auch wirklich schwerer, wenn man sich sehr nahe steht.
    Aber wirklich toll, dass Du – in all diesem Leid – einen solchen Bruder hast. Das ist was wert!

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