Warum …

… schreib ich das alles hier.

Die Erfahrungen zeigen, sobald ich sag(t)e, ich sei psychisch krank – gehen die Menschen auf Abstand. Sie wissen das nicht einzuordnen, mit umzugehen, es bereitet auch Unbehagen und macht manchmal sogar Angst.

Wenn ich jemand kennenlerne – sei es in einem Chor oder ähnlichen – kommt bald die Frage „was machst du denn beruflich so?“

Früher hab ich mich rausgeredet mit „früher hab ich als …. gearbeitet“ usw. Denn zu sagen „ich bin Frührentnerin“ irritierte nur – viele trauten sich nicht mal nachzufragen (abgesehen von den „wie hast du denn das hinbekommen?-Fragen mit dem Tonfall von „super – verrate mir den Trick bitte“).

Dann hab ich mich hinter den körperlichen Erkrankungen „versteckt“ – denn zu sagen „ich bin wegen psychischer Erkrankung in Frührente“ treibt die Leute in der Regel in die Flucht.

Ich will offener damit umgehen und auch zeigen: nur weil ich psychisch krank bin, werde ich weder gleich meuchelnd durch die Gegend springen, noch darf mein Gegenüber nicht sagen was er/sie will (im Sinne von Verrückten soll man immer Recht geben).

Ich bin ein Mensch, mit Einschränkungen und Grenzen wie jeder andere auch – ich muss sicher mehr drauf achten, dass ich mich nicht überfordere, doch das ist MEIN Job – nicht der meines Gegenübers. Genauso wie ich von jedem anderen erwarte, dass er auf seine Grenzen achtet und sie mitteilt wenn ich tollpatschig drüberlatsche.

Dennoch – psychisch Kranke werden oft ausgegrenzt – und ich möchte hier meine Erfahrungen aufschreiben – um vielleicht den einen oder anderen auch mal zum Nachfragen anzuregen, wenn er/sie auf jemand trifft, der angeschlagen oder in ein psychisches Tief gerutscht ist – denn das kann jedem von uns passieren.

4 Antworten auf Warum …

  1. blutenderEngel sagt:

    Hallo Ilana,

    ich bin durch shekaina’s blog auf deine Seite gekommen und lese mir hier schon seit einer viertel Stunde einiges durch.
    Diese Seite „warum“ könnte ich hundertprozentig mit unterschreiben.
    Wie die Menschen auf einen Psychisch Kranken reagieren. Auch ich rede mich raus was ich denn beruflich mache, bzw. erwähne erstmal das ich Ehrenamtlich was mache, weil ich eben Erwerbsunfähigkeitsrente bekomme.
    Einige fragen nach, andere trauen sich nicht. Wobei mir die, die sich nicht trauen lieber mag, dann muss ich nichts erklären.
    Und die, die dann halt doch mal nachfragen denen sag ich nur ein drittel von dem was ich habe.. Meist erwähne ich die Depressionen die ich habe, Depressionen kennt jeder und nimmt man halt etwas eher an, als wenn ich erwähne das ich Borderlinerin bin.
    Die meisten Menschen sind nämlcih einfach falsch deswegen informiert und meinen, nur weil man sich ritzt/schneidet, sei man eine Borderlinerin.
    Das strengt auf Dauer an.

    Ich bin noch auf dem Weg mich nicht mehr verstecken zu wollen.
    Manchmal ist es einfacher, manchmal eben auch nicht.

    Ich wünsche dir alles Liebe 🙂

  2. Ilana sagt:

    Sorry für das späte freischalten, dein Kommentar ist irgendwie in den Spamfilter gerutscht und ich hab es eben erst gesehen.

    Ja es ist nicht immer einfach, es gelingt mir auch nicht immer gleich offen zu sein – hab aber auch die Erfahrung gemacht, wenn ich sage, ich sei psychisch krank – fragt seltenst einer nach – die meisten gehen sofort auf Abstand.

    Es gibt Tage da kann ich damit besser umgehen und welche, da kann ich es nicht – und es gibt die Tage, an denen ich die körperlichen Sachen vorschiebe – weil es primär einfacher ist – mir die Kraft für anderes fehlt.

    Schön dass du hier bist – und herzlich Willkommen 🙂

  3. LexX Noel sagt:

    Mein PlusPunkt, so nenne ich es mal, ist mein Körpergröße weswegen sich die meistens Menschen nicht trauen mir etwas negatives entgegen zu bringen wenn ich offen und direkt sage das ich was Psychisches habe.

    Wobei ich immer erst mit „ADS“ anfange, dem kleinsten sozusagen. Wenn danach noch Erklärungsbedarf besteht dann kommt „Depression“ und so weiter…

    Obwohl meine Körpergröße von 02.10Metern ein Pluspunkt darstellt in puncto Kommunikation, so bin ich mir genau so bewusst dass das auch genau so negativ sein kann und auch teilweise so ist. Denn mir als großer Mensch wird oft einfach nicht zugetraut das ein Mensch der so groß ist und eigentlich über den Dingen stehen sollte, Psychisch krank ist.

  4. Seelenteil sagt:

    ….die frage „was machst du so“ ist auch meine „angstfrage“ bei der ich immer fürchte im aus zu stehen, weil menschen ohne geldwerte arbeit in der gesellschaft nichts wert sind und man ihnen immer erstmal schmarotzertum unterstellt. welches leid, welche qualen einen dahin brachten interessiert kaum einen.

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