dies und das

Es wird langsam besser. Auch wenn besser bedeutet, wieder weiter weg von mir zu sein. Trotzem: besser ist besser. Immerhin kann ich auch die Bedarfsmedikation wieder etwas runter fahren.

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Heute der nächste Betreuungstermin, es wird langsam. Die Schwierigkeiten liegen komplett bei mir – und ich vermute, dass das aktuell auch tatsächlich eher am Krisenmodus liegt denn an der neuen Konstellation.

Wenn eh schon alles arg grenzwertig ist ein neu einlassen natürlich auch schwierig – dafür statt dessen sehr überkompensieren und ins „überdreht-funktionieren“ kippend.

Was aber nicht an ihm liegt.

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Gleich mach ich mir noch ein Süppchen, damit ich die Möhren vom Balkon verwerten kann (die ich aber erst ernten muss).

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Mittwoch

Der Betreuungstermin war schwierig – was aber schlicht daran lag, dass halt jemand für mich noch fremdes in der Wohnung ist.

Immerhin hab ich es hinbekommen.

Morgen nur kurz Wohnung (eher ein wo ist was, wo gehört was hin usw) und dann werden wir einen Einkauf versuchen.

Ansonsten immer noch im Ausnahmezustand, Ausschöpfen der Notfallmedis und der Versuch sich möglichst abzulenken.

Da hilft jetzt auch nichts – geht halt darum die Zeit jetzt auch durchzustehen, bis es wieder aufwärts geht.

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Thera heute

Ein Sch….Termin. Weil ich mal wieder das mit der Kommunikation nicht hinbekomme.

Das Gefühl hab die Spielregeln haben sich verändert und ich weiß und kenne die neuen nicht. Total verunsichert.

Dabei natürlich vor mir weglaufend, damit ich mir nicht eingestehen muss wie sch… es mir grad geht.

Wie sehr der Betreuerwechsel reinhaut und mit sämtliche Struktur, Boden und Sicherheit unter den Füßen weggerissen hat.

So verzweifelt versucht auf Kopf- und Verstandesebene zu bleiben, weil auf der Gefühlsebene alles nur massiv zuviel und überfordert, es einfach nur unaushaltbar ist. Das Gefühl daran zu zerbrechen.
Also lieber gar nicht hinschauen, nicht hinfühlen, hoffen, dass sich das von selbst regelt.

Doof das das aber nicht klappt – welch ein Wunder.

Aber zusammenklappen, durchdrehen und Co – kann ich mir grad nicht leisten. Zu viel zu tun, zu regeln und machen. Unter anderem eben neuer Boden unter die Füße bauen.

Oder überleben.

Bis zum Wochenende klappt das ganz gut – diese Trennung. Das Abspalten der Gefühle, so völlig. Gibts nicht, ist nicht. Dann fing das an zu kippeln. War zu erwarten, hatte aber gehofft, dass bis dahin wenigstens ein bisschen Sicherheit, Struktur oder Boden unter den Füßen wieder da ist.

Tja – ist es nicht.

Nach der Thera in der Stadt fast zusammengeklappt. Tränen in den Augen, nur noch Rauschen in den Ohren, nicht mehr wirklich sehen können.

Und es nicht in den Griff bekommen. Also massiv überfordern, Innenstadt, Bank, Rewe – und hoffen, dass irgendwann das Dissoziieren so greift, dass ich nach Hause komme, es schaffe den Taxifahrer anzurufen, damit er mich abholt.

Zu Hause dann zusammenklappen, mich vor und zurückschaukelnd, mit Tränen in den Augen auf dem Boden wiederfinden – auf dem ich definitiv schon länger saß.

Notfallmedis genommen, die Blisterverpackung liegt noch neben mir.

Nein es geht mir nicht gut. Gar nicht.

Aber dafür hab ich grad keine Zeit und keinen Ort. The Show must go on. Jemand anderer kann das für mich nicht machen.

Morgen der erste Wohnungstermin mit neuem Betreuer – und mir ist kotzübel wenn ich dran denke. Nicht weil er so ist – sondern wegen mir, weil mich das grad so überfordert und ich doch weiß, da hab ich grad keine Wahl.

Gedanken an selbtverletzendes Verhalten – so das „schnelle“ – Schneiden, Verbrennen, Verbrühen, das direk spürbare – in der Hoffnung, dass der Schmerz den inneren Schmerz überdeckt. Gedanken an den finalen Ausweg. Nicht weil ich sterben oder nicht mehr leben will, sondern schlicht das jetzt grad nicht aushalten kann.

Alle Zeichen der massiven Überforderung.

Da bleibt nur Flucht nach vorn, Ablenken, Funktionieren, lächeln und alles ist gut – weniger um davon andere zu überzeugen, sondern um mir selbst was vorzumachen. Damit ich überhaupt weitermachen kann grad.

Wäre nur schön gewesen, ich hätte das so in der Thera kommunizieren können.

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nur kurz

Erster Termin mit neuem Betreuer und ich hab ihn vor lauter Nervosität die Ohren blutig gesabbelt.

Immerhin konnten wir Rezepte und Medis einsammeln, er war kurz in der Wohnung, ich hab das überlebt und Mittwoch machen wir dann erstes Mal Wohnung.

Nervös bin ich immer noch.

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Treffen mit K., dem es heute etwas besser ging. Eine Woche noch.

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Gleich Abschiedsessen mit dem alten Betreuer, etwas eher als geplant, was die Restaurantauswahl etwas einschränkt, aber tortzdem sind noch mehr als genug über. Auch hier – ich bin nervös irgendwie. Ich werde ihn wirklich sehr vermissen.

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kippeliger Sonntag

Schon die Nacht war schwierig. Es war immer klar, dass das weit weg sein, das gefühlte „geht mich alles nichts an und ich bin gar nicht da“ nicht auf Dauer anhalten wird. Aber ich hatte schon gehofft, dass es noch eine Weile anhält.

Die letzten Tage merkte ich dann schon, dass die Nächte unruhiger wurden, die Träume intensiver, unschöner, tagsüber wieder mehr Flashbacks usw.

Das Gefühl von „zuviel“ und innerem Druck immer mal wieder aufblitzte.

Letzte Nacht war es dann definitiv zu viel Gefühl. Eher so im Halbschlaf, trotzdem doof und anstrengend.

Tja – es kippelt, es brodelt und ziwschendrin hab ich doch ziemlich zu kämpfen. Noch klappt das wegpacken aber immerhin noch einigermaßen – flüchten ins Ablenken.

Aber es wird schwieriger, anstrengender.

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samstags

Heute kein Betreuertermin  – und ja – das ist komisch irgendwie. Fühlt sich falsch an.

Dafür morgens einen „Notruf“ von K. gesehen und daher für Nachmittag mit ihm ausgemacht.  Auch auf die eineinhalb Stunden geachtet.

Nächste Woche vermutlich noch zweimal und ab übernächster startet für ihn ein neuer Abschnitt.

Psychisch wieder arg mit Flashbacks und Co zu kämpfen, da merke ich halt doch, dass das Fass „Mutter“ nicht wirklich zu ist – mal schauen wie ich das die nächsten Wochen handhaben werde.

Ansonsten: weitere Häkelexperimente (häkeln lernen und gleich oval wollen ist mal wieder typisch für mich, vor allem weil ich auch noch eine ganz bestimmte Größe und bestimmtes Verhältnis von Länge und Breite hab und keine Anleitung dazu finden konnte), wobei ich mich dem, was ich auch will stetig annähere – und auftrennen kenn ich ja schon vom Stricken – da ist auch schon egal ob zwei oder zehn mal), nebenher viel Bonsai-Tiger-Kuscheln, da die heute irgendwie arg bedürftig ist, mich um ein Reissverschluss-Reparatur-Ding gekümmert (in der Hoffnung, zwei Hosen damit retten zu können und wenn das gut klappt auch eine Jacke), mich weiterhin um Varianten gekümmert, wie ich in der Buchbinderei mein Schmuckpapier fürs Wohnzimmer gestalten möchte, nebenher einen Flammkuchen gemacht und die Nägel ab- und sogar wieder neulackiert.

Jetzt bin ich alle, werde noch die ein oder andere Folge Scorpion schauen (letzte Staffel) und mich dann auf einen langen und gemütlichen Leseabend einstellen.

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dies und das

Hatte meinen Termin auf Nachmittag verlegt, damit ich danach kurz bei MissMutig vorbeischauen kann.

Dazwischen bisschen Pokemon-Go-Kilometer gemacht, den einen oder anderen Raid mitgenommen (diesmal ohne andere Spieler, das hab ich heute nicht hinbekommen), mir dafür im 1-Euro-Laden eine Ersatzhäkelnadel geholt, weil die aktuelle manchmal irgendwie instabil wirkt.

Da es zeitlich hinkam, hatte ich noch überlegt in die Abendmesse zu gehen, es dann aber wegen der Leute nicht hinbekommen.

Ist für heute auch ok so, war eher eine spontane Idee.

Ansonsten gehäkelt, gestrickt, ein Telefonat hinbekommen, mich um Möglichkeiten für mich passendes Schmuckpapier zu gestalten umgesehen, dabei bei Fadentechniken hängen geblieben, die mich ja schon immer gereizt haben, dann bei diversen Life- und Kunst-Hack-Videos hängen geblieben und schon war der Tag auch um.

Jetzt warte ich drauf, dass der Toast im Ofen fertig wird, den ich dann beim Lesen genießen werde.

Morgen und übermorgen ist frei – bin gespannt, wie ich damit klar komme.

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Drei-Rad-Chaos

Das mit dem Beratungstermin fürs Elektro-Dreirad will einfach nicht klappen.

Der letzte Termin musste leider krankheitsbedingt abgesagt werden. Der Ersatztermin, den MissMutig sich nun freigeschaufelt hat, damit ich da eben doch noch hinkomme, geht nicht, weil die – wie ich eben erfahren habe – da Betriebsferien machen . Super. Nicht.

Ein anderer Montag ist zumindest bis nach Weihnachten nicht machbar, weil der für MissMutig eben wenn überhaupt nur in den Ferien geht, da aber auch nur, wenn sie nicht Fortbildung/Ferienbetreuung oder sonst was machen muss.

Also hab ich da jetzt nochmal hingeschrieben, mit viel innerem Druck. Denn wie ich kürzlich erst gesehen hab, sind meine mails damals mit Terminabsage usw nicht angekommen, sondern – Tage später! – wieder zurück und bei mir im Spam-Ordner gelandet.

Super. Nicht.

Telefonisch erreichte ich da ja auch niemanden, weil nur der Anrufbeantworter ansprang – ohne Möglichkeit da draufzusprechen.

Ich weiß jetzt leider also, dass meine Absage da wohl nie ankam. Das machte noch mehr Druck. Denn für mich ist sowas ja so ein No-Go und überhaupt und sowieso.

Das war der Grund, warum ich es nicht schaffe dort anzurufen – aber auch nicht über das Kontaktformular hin zu schreiben. Denn darauf antworten die zwar, aber ich kann darauf nicht antworten (das verschwindet offensichtlich auch irgendwo im Nirwana – ohne dass ich da was zurückkriege, nur dass ich halte keine Antworten kriege).

Wie auch immer. Als ich grade mitbekam, dass die am 1.10. gar nicht da sind, kippte das alles etwas. Noch länger warten? Da hängt für mich so viel dran.

Theoretisch ginge mittwochs für MissMutig, nachmittags quasi. Doof, weil da der Junior nachmittags da ist (sonst ist er ja in der Schule auch nachmittags). Aber ok. Also hingeschrieben, mich tausendmal entschuldigt, gefragt ob es eine Kontaktmöglichkeit außer Telefon gibt und ob es möglich ist mittwochs einen Termin zu bekommen.

Denn eigentlich machen die diese Beratungstermine ausschließlich montags, da ist der Laden zu und sie machen nichts anderes. Während der Öffnungsladungszeiten ist das wohl schwierig, weil es mehr Zeit braucht und man da halt ständig auch gestört wird und die nötige Ruhe nicht hat.

Während beim letzten Termin der Senior meinte: NUR montags – alles andere gar nicht, meinte der Junior(Chef) – vielleicht mal ausnahmsweise ginge auch anderer Tag. Also mal schauen wer jetzt die mail wirklich liest (letztes Mal wars der Senior und ich hatte  den Junior(Chef) nur am Telefon) und ob sich ein Mittwoch findet.

Eventuell müsste ieh noch klären ob sonst zur Not auch  der neue Betreuer einen Montagstermin übernehmen könnte, Fahrt müsste ich eh selbst zahlen. Der letzte hatte ja immer bis 15:30 Dienst und konnte daher auch gar nicht montags so einen Termin übernehmen. Trotzdem wäre mir das nicht wirklich lieb, da gehen arg viele Stunden dafür drauf, weil ja die Beratung und Co einfach Zeit  brauchen und das ist nicht wirklich seine Aufgabe und auch nicht so einfach einen Termin über deutlich mehr Stunden als normal zu begründen.

Also erstmal abwarten und einfach hoffen, dass es doch noch irgendwie klappt.

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Geburtstage

Gestern hatte der Bruder Geburtstag, mit dem ich noch Kontakt habe. Kontakt, der eigentlich erst nach dem Abbruch des Kontaktes zu den anderen wirklich entstand. Davor hatten wir kaum was miteinander zu tun. Er ist acht Jahre älter und irgendwie hatte ich als Kind mit ihm nicht wirklich was zu tun.  Dann zog er aus und außer zu Weihnachten sah ich ihn gar nicht mehr.

Er hatte sich etwas abgesetzt von der Familie, was natürlich nur seiner „bösen Frau“ verschuldet hat – damit wuchs ich auf. Erst viel später verstand und merkte ich, dass es anders war und ist.

Trotzdem – auch als Erwachsene hatten wir nicht wirklich Kontakt. Sahen uns nur, wenn halt andere Geschwister den Kontakt schufen.

Als ich alle Geschwister über meinen Kontaktabbruch zu den Eltern informierte – und über das warum – erst da entstand ein zaghafter Kontakt zu ihm. Während die anderen Kontakte einschliefen oder eben abbrachen.

Heute haben wir regelmäßig Kontakt und ich schätze ihn sehr. Es ist sicher nicht das typisch Schwester-Bruder-Verhältnis, es ist keine enge Bindung, aber ich bin sehr dankbar für ihn und dass wir diesen Kontakt pflegen.

Heute hat mein jüngster Bruder Geburtstag. Als ich den Kontakt zu den Eltern abbrach, wusste ich, dass ich damit auch den Kontakt zu ihm verlieren werde. Deshalb brach ich den Kontakt zur Mutter erst so spät ab. Als ich ihn in Sicherheit wusste.

Zu oft die Drohungen „dann bring ich halt S. und mich um“ – die nur Drohnungen waren und mir schon als Jugendliche nur noch ein innerliches „ach bring dich doch endlich um!“ entlockten.

Aber S. – den hab ich die ersten Jahre großgezogen. So ist das in Großfamilien, die Großen sind für die Kleineren zuständig. Er ist 15 Jahre jünger als ich und die meisten glaubten sowieso, er sei von mir.

16 war er, als ich den finalen Schritt ging. Ihn in seinem Internat und von meinem Bruder gut versorgt wusste und vor allem in Sicherheit – nicht da, wenn sie den Brief bekam.

Aber ich wusste auch, dass der Bruder, der sich um ihn mit kümmert, sich auf die Seite der Mutter stellen würde – ganz klar. Als der Brief ankam, rief er an, sprach: „du bist für mich gestorben“ und legte wieder auf.

Auch das wusste ich. Ebenso wie klar war, dass der 16jährige von Leuten umgeben sind, für die ich gestorben bin, die kein gutes Haar an mir lassen würden – und ihn entsprechend prägen.

Ihn hatte ich natürlich nicht über das warum informiert. Wie sag ich einem 16jährigen, der nunmal wirklich nichts mitbekommen hatte, dass seine Eltern gequält und missbraucht haben? Eltern, die – wie wir alle, das gehörte ja zum „System“ – für ihn fast gottgleich waren.

Nur wer aus dem System aussteigt, kann an dieser Ansicht was ändern – und aussteigen heißt eben auch Kontaktabbruch.

Er war doch noch ein Kind. Länger warten hätte nicht viel geändert. Mir war nur wichtig, dass er erstmal in Sicherheit ist, ihm nichts passieren wird.

Und das war da. Er hatte sich im Internat eingelebt, fühlte sich dort wohl, war nach den ersten paar Ferien grade wieder dort  – weit weg von zu Hause.

Ich hab ihm geschrieben, ihm erklärt, dass ich den Kontakt zu den Eltern aus Gründen abbreche, die zwischen denen und mir liegen, dass es mit ihm nichts zu tun hat. Dass ich ihn immer noch lieb hab und für ihn da bin, wenn er das möchte. Es aber auch seine Entscheidung ist.

Weil ich natürlich wusste, wie es ist, zwischen zwei Fronten zerrissen zu werden, dass es nicht möglich ist, man sich für eine Seite entscheiden muss, um in diesem System klar zu kommen – und dass er auf dieses System, auf die Eltern, den einen Bruder – immer noch angewiesen ist – weil er noch Kind ist.

Eine Weile hab ich ihm zum Geburtstag noch eine SMS geschickt. Bis es nur wenige Jahre später die Nummer nicht mehr gab.

Einmal noch hab ich in über Facebook angeschrieben. Da war er schon erwachsen, stand auf eigenen Beinen. Trotzdem war die Bindung vor allem zur Mutter noch sehr eng.

Schrieb, dass mein Angebot immer noch steht, dass er heute auch erwachsen ist und wenn er wissen will warum, kann er mich das fragen. Hab ihm Kontaktmöglichkeiten genannt – und wiederholt – dass es seine Entscheidung sei.

Er hat es gelesen, Reaktion kam keine. Hab ich aber ehrlichgesagt auch nicht erwartet.

Wie bei allen anderen ist es auch hier so, dass sich die Geschwister entscheiden müssen: Mutter oder wie ich ausgestossen werden. Bei allen wusste ich, wie sie sich entscheiden würden. Zu viele Abhängigkeiten, das System funktioniert und aussteigen ist mehr als nur schwierig.

Trotzdem ist er der Bruder, den ich vermisse. Bis zur Schule war ich für ihn verantwortlich. Hab mich um ihn gekümmert, war seine Bezugsperson. Dann zog ich weg, kehrte aber immer noch regelmäßig nach Hause – wegen ihm.

Für ihn war es dennoch ein Bruch. Das wusste ich, aber wenn man selbst ums irgendwie überleben kämpft wird das zweitrangig. Vor allem weil ich wusste: wenn ich weiter für ihn da sein will, ihn beschützen will, muss ich gehen.

Bis zum Kontaktabbruch hab ich ihn auf vielerlei Art und Weise schützen können. Nur deshalb hab ich nicht früher abgebrochen.

Ich hab geschmeichelt, Geschwister mit eingespannt, dafür gesorgt, dass er auf das Internat kann, auf das er wollte, hab der Mutter auch ganz konkret mit Polizei und Anzeige gedroht, wenn sie ihn da mit reinzieht. Konnte verhindern, dass er das erleben musste, was ich oder die anderen erdulden mussten. Konnte einiges im Keim ersticken und dafür sorgen, dass er wirklich ohne all dem Mist aufwachsen kann.

Aber vor dem System konnte ich ihn nicht  beschützen. Nur dafür sorgen, dass die, die da noch mit drin steckten, mit darauf acht gaben, dass er weitestgehend „behütet“ aufwachsen kann.

Nur so war es möglich. Bei D., die ja nur wenige Monate jünger war, klappte das nicht. Weil die anderen da nicht mitzogen, sich ganz auf S. konzentrierten.

Mir ist klar, dass auch das System Schäden anrichtet, aber damit kann er hoffentlich dennoch irgendwann ein normales und vor allem glückliches Leben führen. Ob innerhalb oder außerhalb dieses Systems.

Es scheint, dass es ihm gut geht – und ich hoffe so sehr, dass es nicht nur Schein ist.

Happy Birthday.

 

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WMDEDGT 09/18

Frau Brüllen fragt wie jeden Monat: Was machst du eigentlich den ganzen Tag?

Normalerweise ist Mittwoch Physio, doch die fällt die nächsten 4 Wochen aus. Heute wegen Betriebsausflug und die nächsten 3 Wochen, weil mein Physiotherapeut in Urlaub ist. Was mich für ihn diesmal besonders freut, da er heiraten wird.

Von daher wäre nur ein Treffen mit K. geplant und im Anschluss holt mich der Betreuer ab und wir machen Wohnung.

Er wird auch noch den Magnet von der Insektenschutztür und das Küchenfolien-Teil anschrauben und evt noch Medis stellen, während ich mich um Wohnzimmer kümmere und wenn ich es schaffe noch das Bad.

Zum letzten Mal heute. Unser nächster Termin wird der letzte sein und da werden wir was essen gehen – auf meinen Wunsch hin. Denn ich bin ihm unendlich dankbar für die letzten zwei Jahre.

Montag dann der erste Termin mit dem neuen Betreuer.

Soweit die Planung:

9:26 Uhr – aufstehen. Zur Zeit ja entweder zwischen drei und vier oder eben kurz vor neun – heute ist es für mich also wirklich sehr spät.

10:30 Uhr: zum Frühstück gabs Burger. Weil das Hack weg musste, mittags geht das ja wegen Reizdarm und zu vielen Terminen danach nicht und nach Betreuung hab ich da in der Regel keine Kraft/Lust mehr  für.

Nebenher hab ich eine handvoll E-Books in mein System eingepflegt, dieses dann nach Lesenachschub durchforstet und den E-Book-Reader neu bestückt.

18:30 Uhr: das war er also, der letzte Termin mit dem aktuellen Betreuer. Wir sehen uns zwar Montag nochmal zum Abschied, aber das ist dann kein regulärer Betreuungstermin mehr. Komisch irgendwie. Ich werde ihn wirklich sehr vermissen.

Der Termin lief nicht wie geplant, weil uns der Magnet für die Insektenschuzttür ziemlich fuchste – statt der ca 15 Minuten, die dafür geplant waren, hielt er uns über eine Stunde auf Trab, so dass alles andere liegenblieb. Statt Wohnzimmer also nur noch schnell wenigstens  Toilette, Katzenklos und Böden gemacht. Am Ende noch den Spiegel zerdeppert und ich bin froh, dass das noch passierte, als der Betreuer da war – denn sowas überfordert mich ja sonst total.

Davor das Treffen mit K. war sehr anstrengend. Der ist im Moment so sehr im Krisenmodus und irgendwie ich in einer Co-Therapeuten und Betreuerrolle. Das ist auch ok soweit, trotzdem im Moment wirklich anstrengend. Da kann er nix für und es geht jetzt auch nur um ein oder zwei Wochen länger als geplant – aber dennoch.

Ich muss da häufiger tief durchatmen um die Geduld nicht zu verlieren und selbst die Ruhe zu bewahren. Mir bewusst machen, dass das  zu seiner Symptomatik gehört, die sich im aktuellen Krisenmodus verstärkt.

Für mich bedeutet das auch zu schauen, dass ich die Termine auf 1,5 Stunden begrenze, damit es eben nicht zu viel wird.

18:45 Uhr: Heute noch: dringend was anständiges essen. Vielleicht schmeiss ich mir noch die Maiskolben in den Ofen. Außerdem muss ich noch viel trinken, daher wäre wohl eine Suppe sinnvoller. Zusammen mit Wassereis sollte ich die Mindestmenge an Flüssigkeit damit eigentlich  erreichen können. Also Fritattensuppe.

Außerdem spätestens um 19 Uhr Computer und Co aus, da möchte ich nur noch die eine Serie auf den Stick laden für morgen, was aber in 10 Minuten erledigt sein sollte.

Danach dann nur noch  lesen und zur Ruhe kommen, so dass ich dann gegen neun hoffentlich auch schlafen kann.

Es waren zwar nur zwei Termine, trotzdem fand ich den heutigen Tag sehr anstrengend. Sicher auch, weil der Betreuerwechsel jetzt halt konkret wird. Sehr konkret. Dass etwas vertrautes und ja gut laufendes zu Ende geht und was neues aufgebaut werden muss – ein neu einlassen auf jemanden, Vertrauen fassen, zusammen wachsen müssen, denn natürlich verändert sich dadurch auch das wie und was.

Aber auch Abschied nehmen und Sorgen und Ängste ob das so klappt und wird, die Betreuung auch da wieder Ent- und nicht Belastung wird usw.

19:15 Uhr – noch bei anderen WMDEDGTlern festgelesen und daher doch erst jetzt Technik aus – brauch ja morgen auch noch was zu lesen.

 

 

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