Fragen?

Offensiv damit umzugehen, dass man psychisch krank ist, ist schwer.

Das liegt nicht mal so sehr an Vorurteilen, sondern viel mehr daran, dass Menschen, die nicht betroffen sind (und oft genug auch Betroffene) zu wenig Informationen haben.

Es gibt unzählige Erkrankungen und jede Erkrankung zeigt sich bei jedem einzelnen wieder anders.

Nachfragen ist immer eine „heikle“ Sache, es gibt Menschen, da ist es kein Problem, für andere jedoch ist es ein Riesenproblem, weil sie ihre Grenzen noch nicht so recht abstecken können. Das gilt für alle Beteiligten.

Darf ich da nachfragen? Trete ich da nicht zu nahe? Ist das zu persönlich/zu peinlich?
Was wenn der nicht antworten will oder auch, wenn grade das wieder etwas auslöst?

Da gibt es auch keine Regeln für, denn es ist von Mensch zu Mensch verschieden.

Für mich kann ich sagen:

  • ich kann „Stopp“ sagen, wenn mir etwas (auch eine Frage) zu viel wird
  • ich kann auch sagen, wenn ich etwas nicht beantworten will
  • mir persönlich sind Fragen lieber – denn dann gibt’s keine Missverständnisse (die Vorraussetzung dafür ist, dass ich dann eben auch Stopp sagen kann, was ich erst nach vielen Jahren erlernt hatte)
  • ich kann Grenzen setzen und auf mich achten, auch wenn mein Gegenüber da eher „unsensibel“ ist
  • ich möchte aufklären und darüber reden

Das alles waren und sind Gründe warum ich diesen Blog angefangen hab, und das alles waren und sind Gründe, warum ich auffordern möchte: Frag bei mir nach, wenn dir etwas unklar ist oder du etwas wissen möchtest!

Die Möglichkeit dafür ist hier gegeben: hinterlasse einen Kommentar (wenn der nicht veröffentlicht werden soll, einfach im Kommentar dazuschreiben) und ich werde mich bemühen ehrlich und soweit mir möglich zu antworten – jeweils in einem neuen Blogeintrag.

Kommentare schalte ich erst frei – in der Regel innerhalb von 24 Stunden – und wie gesagt – wenn du das nicht möchtest – einfach in den Kommentar schreiben und dann halt auf die Antwort warten 🙂

8 Antworten auf Fragen?

  1. nurse sagt:

    Hallo ilana,
    ich habe dieselbe diagnose wie du, allerdings wurde sie mir erst letztes jahr im november gestellt.dazu habe ich noch eine ängstlich vermeidende persönlichkeitsstörung, emotional-instabile persönlichkeitsstörung borderline, und zur zeit verdacht auf ads ohne hyperaktivität.
    ich bin zurzeit seit fast 8 monaten arbeitsunfähig-und das ist für meine verhältnise ziemlich viel!ich habe deswegen oft schuldgefühle, denke dass ich ein fauler , wertloser, lebensunwerter mensch bin. […]
    Wäre ich [….] tod hätte ich nicht so viel schreckliches erleben müssen und ich wäre vielen menschen besonders meiner mutter nicht zur last gefallen.
    hast du auch manchmal solche gedanken (gehabt)?
    lovley greetings, nurse.

    Kommentar von Ilana geändert

    • Ilana sagt:

      Hallo nurse,

      erstmal herzlich Willkommen. Den Kommentar habe ich etwas geändert, einen Teil weggelassen und eine Satzstellung so geändert, dass trotz des weglassens, die Aussage erhalten bleibt. Den Grund habe ich dir gemailt – für die anderen – ich wollte das so nicht in hier stehen haben, da es andere Menschen verletzen könnte und ich mir sicher bin, dass das nicht in nurse’s Absicht lag – sie kennt meine Leser hier nicht, ich aber schon und weiß daher dass es faslch verstanden hätte werden können.

      Soviel vorneweg.

      Ja ich kenne das – sich den Tod wünschen und nicht zur Last fallen wollen, auch das nicht mit umgehen können, dass man nicht arbeiten kann usw. Schuldgefühle gehören ebenso dazu.

      Da gibt es nur eins: such einen guten Therapeuten/Therapeutin, die sich mit Trauma und PTBS auskennt und Erfahrung (!) hat, idealerweise in einer Institutsambulanz (weil da keine Therapiebegrenzung) und arbeite dran.

      Mir hat damals – nach der Berentung mit der ich nicht klar kam – geholfen, die Therapie als meinen „Job“ anzusehen – das war dann meine „Arbeit“ und diese auch ernst zu nehmen. Und ich lernte, dass ich Geduld haben muss – ich hab jetzt fast 20 Jahre Therapie hinter mir, wobei ich grad mal die letzten 10 wirklich zähle – und die waren nötig, damit ich da hin kam wo ich jetzt stehe.

      Heute habe ich, auch in Zeiten in denen es mir schlecht geht, keine Suizidtendenzen mehr – und das ist gut so. Aber dafür muss man auch was tun.
      Ich wünsch dir viel Kraft und Durchhaltevermögen

  2. Karla aus Ostsachsen sagt:

    Liebe ….??? nurse?

    Ich bin das zweite Mal bei deinem blog und erschüttert, aber auch dankbar, dass du so offen und gut berichten, erklären kannst. Habe einiges bei Wikipedia gelesen, um besser klar zu kommen mit manchen Begriffen.

    Du bist wundervoll, sage es dir abends, sage es dir morgens, beglückwünsche dich tagsüber immer wieder, dass du schon soviel geschafft hast.

    Danke sagt Karla aus Ostsachsen

  3. Karla aus Ostsachsen sagt:

    Ich bin nach einem Jahr wieder in deinem Blog, liebe Ilana, wieder spricht mich deine Offenheit an. Ich wünsche dir, dass du so d’ranbleiben kannst an deiner Therapie. Du hilfst sicher mehr Menschen mit dem Blog als es in klugen, wissenschaftlichen Zeitschriften der Fall ist.

  4. Ilana sagt:

    @Karla: lieben Dank 🙂

  5. Aida sagt:

    Liebe Ilana,
    schade, dass ich den Blog erst jetzt entdeckt habe… ich finde es unglaublich bereichernd von jemandem zu lesen, der schon eine weite Strecke im Heilungsprozess zurückgelegt hat. Mir ging es bisher in Gesprächen mit anderen traumatisierten oft so, dass man sich nur gegenseitig runterzog in so ein muffiges Traumaloch. Wenn ich hier lese fühle ich mich ermutigt und bestärkt dran zu bleiben und vorallem, wieder mutiger zu mir zu stehen. Ich habe auch immer wieder den Wunsch an die Öffentlichkeit zu gehen mit diesen Themen, eine öffentliches bewusstsein und aufklärung voranzutreiben und auch eine Lobby zu schaffen…aber mir fehlte immer der Mut und die Kraft….der Mut wächst hier beim lesen wieder ein bisschen!
    Danke!

  6. hapo sagt:

    Hallo Ilana,

    Danke. Danke, dass du diese Seite aufgemacht und mit so viel Leben gefüllt hast. Als ich 2009 meinen Herzinfarkt hatte, mich hilflos der Überwachung ausgesetzt sah, gab es den ersten Riss in meinem Panzer. Ich habe mein Leben lang meine Grenzen überschritten, um wie ich heute weiß, mich bis zuletzt zu wehren.
    Mittlerweile bin ich seit drei Jahren berentet. Aber erst im letzten Dezember, ich musste erst wieder zusammenbrechen, drangen die schrecklichen Erlebnisse nach 45 JAHREN in mein Bewusstsein. Ich wollte nicht mehr. Wurde für acht Wochen aufgenommen und bin aktuell kurz vor der Aufnahme zu einer erneuten Traumabehandlung.
    Obwohl ich sehr viele Parameter bereits auf dem Schirm habe, scheint die Akzeptanz meine größte Herausforderung zu sein. ->> und ich werde nicht zu Bodenge

  7. hapo sagt:

    Sorry, Bedienfehler.
    Ich werde nicht zu Boden gehen…
    Deine Beschreibung des Lebens mit komplexer PTBS hat mich voll erwischt. Ich bin nicht allein und auch nicht faul.

    Danke, dass du dir so viel Zeit und Mühe machst anderen zu helfen.
    Hapo

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