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Der Versuch nicht in Nebensächlich- und Oberflächlichkeiten zu flüchten – denn es wäre nur ein weglaufen, aber auch der Versuch, sich nicht im Durcheinander zu verlieren.
Es müssen keine Entscheidungen getroffen werden – nicht heute und nicht morgen – es reicht wenn ich mir da nächste Woche mit dem Thera Gedanken mache. Die Entscheidungen die getroffen werden, kann ich eh nicht erzwingen oder mit dem Verstand treffen, ich muss hier nach meinem Herzen, meinem Gefühl gehen – doch dazu muss ich diesen Gefühlen auch Raum geben um auch “zuhören” zu können.
Das muss ich nicht alleine tun, habe die Möglichkeit das zusammen mit dem Thera anzuschauen.
Er brachte das Beispiel mit der Umkehrbrille. Eigentlich sind die Bilder auf der Netzhaut ja auf den Kopf gestellt, das Gehirn dreht sie dann für uns um. Wenn man nun eine Brille aufsetzt die das umdreht – steht alles auf dem Kopf. Es dauert mehrere Tage (6-9) bis man sich daran gewöhnt hat – sofern man sich aktiv mit der Umwelt auseinandersetzt.
Meine Welt steht jetzt Kopf – alles wird hinterfragt und mir fehlen die Richtlinien zum orientieren.
Es wird länger als 6-9 Tage dauern, aber irgendwann wird es wieder einen Horizont geben an dem ich mich orientieren kann, wird es wieder ein oben und unten geben und damit auch der Rest sich finden.
Für die nächsten Tage reicht es zu wissen, dass ich jetzt nichts entscheiden muss, dass egal welche Realität da damals nun dahintersteckte – ich heute atme, mir was zu essen machen kann und den Alltag über die Bühne bringen kann.
Und dass es wichtiger ist zur Ruhe zu kommen und aus dem “alles hinterfragen” rauszukommen – denn für mich allein kann ich da im Moment keine Antworten finden – was das Hinterfragen nur quälend macht.
Es ist wie es ist – ich versuche im heute zu bleiben, im jetzt und vielleicht ein bisschen im morgen. Zu leben für den Augenblick und was an Altem auftaucht – achtsam wahrzunehmen – und ziehen zu lassen.
Achsamkeitsübungen werden somit auf dem Tagesplan stehen – immer dann, wenn mir auffällt, dass ich mich in irgendetwas verliere.
Es wird kein “muss” geben – ich werde nicht mal in der Wohnung aufräumen oder abwaschen, wenn ich in dem Moment nicht will – es wird ein darauf achten sein, was mir gut tun würde, was ich machen möchte, was ich brauche – um einfach in den Tag hineinzuleben.
Nicht als Dauerlösung – aber zur Überbrückung der Tage bis zur nächsten Thera.
Am Freitag werde ich mit den Betreuer in der Wohnung klar Schiff machen – vielleicht auch in einer größeren Aktion – das werden wir dann sehen. Und ich werde auch zum Gebetskreis gehen am Freitag.
Ansonsten weiß ich noch nicht genau – vielleicht fahr ich einmal runter in den Park und dreh meine Nordic-Walking-Runden, vielleicht mach ich mein Sportprogramm zu Hause, gehe schwimmen oder mach gar nichts.
Ich mag es eigentlich nicht so – einfach in den Tag hineinleben – ohne “Tiefe”, ohne wirklich leben, weil ich mich nur berieseln lasse. Doch es bringt auch nichts da jetzt zwanghaft zu suchen und unbedingt verstehen zu wollen was jetzt wie wo warum ist.
So wie sich das Gehirn nicht zwingen lässt – jetzt sofort alle auf den Kopf gestellten Bildern wieder umzustellen.
Es braucht Zeit – und es ist etwas, was ich ohne Hilfe nicht schaffen kann.
Doch ich habe das Glück, dass ich diese Hilfe habe.
Was ich jetzt brauche – ist wieder etwas Ruhe – und Stille – die ich auch als Ruhe und Stille wahrnehmen kann – und ich werde mich dieser Aufgabe jetzt widmen.
Die Möglichkeiten dazu, die hab ich – ich muss sie “nur” nutzen.
Wenn ich mich von dem Monsterbild verabschiede,
- muss ich mich von allem verabschieden, das mich ausmacht – alles was ich, bin, denke, tue – gründet darauf – und müsste in Frage gestellt werden
- muss ich das Bild des Vaters ändern, und verlier auch das wenige was ich von ihm bekommen habe, er war die einzige Bezugsperson die ich hatte und ich will das nicht verlieren
- muss ich auch das Bild der Mutter ändern – die Zusammenarbeit mit dem Vater – nicht mehr nur “sie böse, er hat mich aber lieb gehabt” oder so
- muss ich mich damit auseinandersetzen, dass niemand was getan hat, Kindergärtnerin, Lehrer, Ärzte, Nachbarn, Jugendamtmitarbeiter
- muss ich akzeptieren, das damals etwas Schlimmes passiert ist (und zwar mir)
- muss ich damit umgehen, dass ich nichts hätte tun können, solange ich schuld habe, und wenn nur eine Teilschuld – aber zumindest war ich dann nicht nur ohnmächtig und ausgeliefert – doch das würde viel zu weh tun – ich kann das noch nicht aufgeben – tut mir leid
- muss ich das “bin nichts wert” den Eltern zuschieben – nur ich finde nichts was dem was entgegensetzen würde, finde keinen Wert
- weiß ich nicht mehr was die Widersacher sind und was nicht – jetzt kann ich sie wenigstens meistens zu- und einordnen – doch wenn ich nicht mehr weiß wo oben und unten ist – wie soll ich dann wissen was woher kommt?
- muss ich hinsehen – zu dem Kind von damals – zu dem was passiert ist und muss die Ohnmacht, den Schmerz, die Angst, den Ekel, die Sehnsucht, die Resignation, das Ausgeliefert sein, der Hilflosigkeit und was weiß ich noch alles – sehen – und fühlen
- muss ich benennen was alles passiert ist
- muss ich nochmal durcherleben was damals passiert ist – ohne den Schutz des “bin halt ein Monster und liegt an mir”
Davor hab ich Angst – was wenn ich das alles aufgebe und nur Schmerz finde, was, wenn ich nicht damit klar komme, was dem Kind alles passiert ist?
Ich weiß nicht mehr was ich denken soll, was war und wie ich das alles einordnen soll, hab keine Richtlinie mehr – war ich nun selbst schuld oder nicht, war das was Schlimmes oder bild ich mir das nur ein? Was ist die Realität? Ich finde sie nicht – alles ist durcheinander und verwirrt.
Was soll ich denken, was glauben? An was festhalten?
Wenn das woran ich mich 37 Jahre festgehalten habe falsch ist – wie soll ich sicher sein, dass das Neue -was auch immer es ist – nicht auch falsch ist?
Ich funktioniere, kann mich auch ablenken, doch das nur für den Augenblick – ein Leben nur für den Moment, das auch mehr ein Funktionieren ist. Es fehlt das Fundament, das “wer bin ich”, ich habe mein “ich” erst vor 7 Jahren gefunden – bis dahin war ich nur eine Rolle – die Rolle der Tochter in die ich von klein auf gedrängt wurde – geformt und zurechtgestutzt wie es gewünscht war – bloss kein Individualismus, bloss kein bisschen von mir dabei.
Es war schwer dieses “ich” damals zu finden – herauszufinden wer ich bin, was ich eigentlich will. Und es war ein Kampf – doch es war nichts im Vergleich zu dem was grade los ist – damals musste ich mich nur von den äußeren Umständen abgrenzen, Kontakt zu den Eltern abbrechen und mich finden.
Jetzt muss ich die Eltern und all die Menschen und Ansichten aufgeben, die in mir verankert sind – die meine eigenen geworden sind, weil ich sie vorgelebt bekam, die meine eigenen geworden sind, ohne dass ich erkannte, dass sie von außen kamen.
Das kennt jeder – man übernimmt Ansichten, Wertvorstellungen – sie haben uns geprägt.
Meine haben mein Selbstbild geprägt – und plötzlich bröckelt das – immer wieder ein Stück, mit jedem Bild, jeder Erinnerung aus der Kindheit bröckel das Bild des Monsters, das ich ja gewesen sein musste – nur deshalb ist das alles passiert, weil ich halt so ein Monster war.
Durch die Traumatherapie, die Erinnerungen geriet einiges ins Wanken, und es kam der Hauch der Vorstellung auf, dass dieses Mädchen damals vielleicht doch nicht nur Monster war – und deshalb alles normal und in Ordnung was ihm passierte. Dass Menschen wussten, das sie ihm schaden und mehr. Das die Eltern nicht nur das Beste im Sinn hatten, sondern zerstörten.
So bröckelte das Bild des Monsters – und manchmal blitzte ein kleines Mädchen durch (auch wenn ich große Schwierigkeiten habe in diesem Mädchen mich zu sehen – das gelingt auch heute nur in wenigen Momenten).
Und das Thema “Abschied” taucht auf – Abschied von der Vorstellung der “heilen Familie”, einem Vater, der auch Vater war, nicht nur Missbraucher, ein Abschied auch von dem im Schutz nehmen des Vaters – in vielen Bereichen, auch von der Mutter, hier mehr der Hoffnung, dass ihr vielleicht doch was an mir lag, ein Abschied von dem “ich bin schuld” – das implizierte, dass ich wenigstens was tun konnte, hätte können – und nur weil ich etwas gemacht oder nicht gemacht hab, ist es passiert – der Abschied vom “aktiv sein” – hin zum nur ausgeliefert, ohnmächtig und hilflos – was viel schwerer auszuhalten ist als die Schuld.
Ein Abschied von dem Monsterbild, aber (beginne wieder oben …..)
Ein Kreislauf der durcheinander wirbelt – nichts Festes, Klares – nichts zum Festhalten. Grün ist Rot, Rot ist Gelb und Gelb ist Blau – und außerdem steht alles auf dem Kopf. Keine Ahnung wo oben oder unten ist.
Abschied nehmen würde auch bedeuten, das was jetzt schon länger bröckelt, endgültig einzureißen und neu zu gestalten – doch ich hab große Angst davor, ich glaub ich kann das nicht – noch nicht. Denn der Schmerz und die Traurigkeit würden erstmal noch schlimmer werden, bevor sie weniger werden können – und ich habe keine Kapazitäten für dieses “schlimmer”.
Vor allem aber: es gäbe kein zurück mehr – und das macht mir am meisten Angst. Denn das “Alte” ist bekannt, da gibt es Strategien damit umzugehen, es handzuhaben und zu überleben. Für das “Neue” gibt es sicher auch schon einige, doch sind die tragfähig genug dafür?
Die Datei fertig gelesen und ein Absatz hat mich ausgehebelt.
Entsprechend hatten mich die Widersacher fest in ihren Klauen und die alte Angst – wie meine Mutter zu sein, mir alles nur einzubilden oder es “aufzubauschen” oder sonst was.
Es war ziemlich heftig und ich merke, dass nur sehr langsam zur Ruhe komme.
Deshalb werde ich jetzt doch zum Schwimmen fahren – um mich abzulenken und auch noch ein bisschen auszupowern – aber auch um mich ein Stück zu belohnen, denn das heute war schon sehr heftig.
Ein runder Raum, ein Turmzimmer, nur eine stabile dicke Holztür. Nur ein Kissen oder kleiner Sitzsack – sonst keine Einrichtung – es ist wichtig, dass ich den Raum spüren kann, den Boden, die Wand – den direkten Kontakt. Die Wände sind Natur, unterschiedliche Steine, überwiegend hell, unregelmäßig, stark – hauptsächlich in beige, sand, hellem braun, mal fast weiß. Es ist sonnendurchflutet.
Kein Fenster, wobei die da sind wenn ich sie brauche – Fenster die nach aussen gehen – eine Landschaft zeigen. Die Anzahl der Stockwerke weiß ich nicht – aber das Zimmer ist ziemlich weit oben, direkt unterhalb des Daches.
Der Boden mal ein Holzdielenboden (seltener mal aus Stein) [mittlerweile nur noch Holzbohlen]- so wie ich es jeweils brauche, sowohl der Boden als auch die Wände sind mal kühl, mal warm, meist recht glatt, nicht rau und doch auch nicht wirklich glatt – Natur halt – vom jahrelangen Gebrauch “glatt genutzt”.
Wenn ich in dem Raum bin – bin ich sicher – nichts kann passieren, niemand die Tür öffnen, so sehr sie auch dran rütteln. Nur wenn ich die Türe aufmachen möchte – kann ich sie öffnen.
Nicht mal die Widersacher können da rein – sie können draußen toben – doch in den Raum kommen sie nicht.
Ich kann meine Gedanken “ausschicken” – in die Vergangenheit – jederzeit mich wieder “zurückziehen” – in meinen Körper. Oder ich kann wie auf einer Leinwand sehen was passiert – auf die Mauer projiziert. Oder es erscheinen Fenster – durch die ich sehen kann, was war. Kann damit beobachten – mich in verschiedenen Situationen z.Bsp – auch für best. Vorstellungen (z.Bsp mit den Idealen Eltern).
In dem Turmzimmer – kann nichts passieren, ich bin absolut sicher und das Wichtigste: es wird keine – negativen – Konsequenzen haben – keine Bestrafungen oder sonst was – alles darf sein.
Auch – oder grade – die Gefühle dürfen sein – ohne Angst, dass dann etwas Schlimmes passiert.
Das Turmzimmer vermittelt Sicherheit, Schutz – und Ruhe. Ein “getragen” und auch ein “geborgen” sein.
Ich begrüße es, muss es im wahrsten Sinne auch “begreifen” – um dort anzukommen, die Hand ausstrecken und rundherum gehen und die Hand an der Wand entlangstreifen, mich auf den Boden setzen (ob in der Mitte oder an der Wand oder wo auch immer), die Hand auf den Boden legen und ihn fühlen, spüren, mit allen Sinnen “aufnehmen”.
In dieses Turmzimmer darf außer mir niemand – auch nicht der Thera – aber ich kann Verbindung halten – zu ihm, dem inneren Helfer – es gibt die Möglichkeit eines Kontakts – ein gedankliches “Ausstrecken” und Berühren, das eine Verbundenheit darstellt – eine “Erweiterung” des Raumes für Menschen, denen ich wirklich vertraue und die durch diese Verbundenheit helfen können, dabei, dass dieses Turmzimmer sicher bleibt – auch wenn ich Unangenehmes anschaue.
Eine Verbundenheit, die nötig ist, damit ich lernen kann wie ich damit umgehe – mit dem Ausstrecken nach dem Negativen, dem Alten, dem Belastenden ohne mich dabei zu verlieren.
Dieses Turmzimmer stammt aus einer Triologie (“Das verbotene Land” von Margaret Weis) – die Bücher selbst, die Geschichte – war ok, aber nicht so superklasse – doch dieses Turmzimmer fand ich in diesen Büchern – es ist das Zimmer von Markus, in das er als Kind eingesperrt wurde, weil ihn die Drachenmagie “verrückt” machte – da er nicht damit umgehen konnte. Und in diesem Zimmer lernt er es – das Umgehen mit dieser Magie.
Das hatte mich damals fasziniert (und ich habe die Bücher grade kürzlich nochmal aus der Bücherei ausgeliehen um sie nochmal zu lesen) – weil dieses Turmzimmer etwas ansprach in mir.
Ich fand nie den “sicheren” Ort – den absolut sicheren Ort für mich – es gab den Ort der Ruhe und den Ort der Gefühle und der Ort, wo alles so sein darf wie es ist, es gab den Ort der Begegnung und den sicheren Ort – doch der war irgendwie nie ganz ideal (heute ist das übrigens meine Oase und ein wichtiger Bestandteil für mich). Bis ich das Turmzimmer fand.
Mittlerweile etabliert und sicher – und immer wieder mit der Erfahrung dass selbst Widersacher nicht rein können – gehe ich mit was auch immer an Gefühlen da rein – bleiben nur die Gefühle über, kein “darf nicht” oder “stell dich nicht so an” oder was den Widersachern sonst noch so einfällt – wie von selbst fallen die da einfach weg.
Trotzdem wird der Raum dosiert aufgesucht – beim EMDR ist er fester Bestandteil – wir beginnen dort und wir beenden es dort.
Und zur Zeit ist es auch der Ort der Arbeit, denn zu Hause um nur runterzufahren oder zur Ruhe zu kommen oder mich zu stabilisieren – nutze ich ihn nicht – das passt irgendwie dann nicht – dafür wird dafür die Oase dann genutzt – mit Erfolg.
Das Turmzimmer ist was ganz besonderes – und es passt sich immer dem an, was ich in dem Moment brauche – ohne dieses Zimmer, diesen Turm – könnte ich nicht in der Art an den Traumata arbeiten wie ich es jetzt mache – und ich schätze mein Thera könnte es auch nicht, denn mittlerweile ist dieses Turmzimmer auch für ihn in unserer Arbeit wichtig geworden (obwohl es für ihn vermutlich anders aussieht als für mich).
In diesen Raum darf niemand hinein – ausser mir – und vielleicht noch der Helfer, der weiss von selbst wann er darf und wann nicht.
Nachtrag vom 20. Januar 2012: mittlerweile ist der Raum etwas “aktiver” – ich habe es hier genauer beschrieben. Als wäre das Turmzimmer der Helfer oder eine Gruppe von Helfern, die auch Namen haben und für best. Sachen zuständig sind.
So unglaublich müde und doch kann ich nicht schlafen.
Da sind Gefühle – Gefühle des Kindes von damals – Traurigkeit, unterbrochen von Angst ab und wann, Einsamkeit, Sehnsucht, Verzweiflung – und immer wieder die Angst, die sich dazwischen in den Vordergrund drängt.
Gedanken an die vielen Menschen, die nicht sehen wollten, nicht hören wollten (wobei mir einfällt, dass das Jugendamt tatsächlich zu diesem Mädchen gefahren war – ein paar Tage später – die Kleine immer noch krank und allein zu Hause wurde der Vater von den Damen des Jugendamtes herbeitelefoniert – Konsequenzen gab es keine, aber die Hoffnung, dass die “Neue” (eine Neue soll den Fall übernehmen) da etwas interessierter ist – aber immerhin haben sie zum ersten Mal auch mit der Keinen gesprochen).
Nachbarn, die Kindergärtnerin, die Lehrerin, die Lehrer später, der Hausarzt, der Urologe, der Pfleger und die Krankenschwester der Urologie, das Personal von der Station, das Jugendamt (das informiert wurde – vom Bruder – als ich 12 war und das “meine” Anzeige zurückgezogen hat als ich 21 war – und in der es um die jüngere Pflegeschwester C. ging – und das obwohl der Vater zugab, dass da “was” passiert war – die Konsequenz war: er und C mussten 2 Jahre Therapie machen – wobei C’s Therapeutin mit den Damen vom Verein befreundet war und meiner Mutter damit jedes Wort brühwarm erzählte – kein Wunder dass die nie wieder eine Therapie anfing), der Verein, dessen Aufgabe der Schutz der Kinder und die Hilfe für Familien mit behinderten und “auffälligen” Kindern (den genauen Namen darf ich ja nicht nennen, da dieser einzigartig scheint – selbst mit nur dem ersten Teil, den ich ursprünglich hier stehen hatte, weil es für mich “allgemein” klang – brachte bei google gleich als erstes den richtigen Treffer) und die selbst nach der Anzeige es nicht für nötig hielten die 2. Pflegeschwester, die damals 6 war – auch nur ansatzweise zu schützen.
Es ist nicht so, dass ich nichts erzählt hätte oder dass es keine eindeutigen Hinweise gab, wobei ich später sicher nichts mehr erzählt hatte – aber im Kindergarten- und Grundschulalter schon.
Aber auch Gedanken um die Lieblosigkeit, die Erzählung der älteren Schwester, dass sie die Mutter mal erwischte wie sie im Badezimmer auf mich einschlug – als sie mich im Waschbecken badete – ich war erst wenige Monate alt – hätte geschrien und die Mutter immer wieder auf mich eingeschlagen – bis die damals 8-jährige Schwester fragte, was sie denn mir ihrer Schwester täte, das von klein auf eingetrichterte “du bist nichts wert”, “bist an allem schuld”, “kannst nichts richtig machen”, “bist kein liebes Mädchen” gekoppelt mit dem “sei ein braves Mädchen und wenn du mich lieb hast machst du das oder jenes”, das immer “beweisen” müssen, dass man die Mutter/den Vater lieb hat und dass dieser Beweis auf Missbrauch gründet.
Von der ersten Sekunde an nicht “sein” dürfen, in eine Rolle gepresst, die völlig abstrus ist. Kein Mensch und schon gar kein Individuum – sonder nur Werkzeug der Befriedigung von eigenen Bedürfnissen.
Im Schuldgefühle machen war (und ist) die Mutter gut – das beherrscht sie perfekt – ebenso wie die Manipulation – beides auch so bedeckt wenn nötig, dass man es gar nicht gleich durchschaut.
Die Zwillinge ihre “Lieblinge” und damit die “einzigen” Töchter – denn immer wenn sie von ihren Töchtern sprach, meinte sie nur die beiden – nie mich oder die Pflegeschwestern – auch wenn sie noch so sehr betonte, dass die Pflegekinder wie eigene sind.
Doch auch ich war da nie mit eingebunden – ihre Töchter – das waren die Zwillinge – darauf angesprochen schaute sie übrigens nur verwirrt, brauchte ein paar Sekunden und meinte dann “klar bist du auch meine Tochter – weiß doch eh jeder”.
Sie erzählte mir mal – als ich schon ausgezogen war – dass sie immer sehr eifersüchtig auf mich war – weil ich ja Papa’s Liebling war, mit ihm so gut konnte.
Erinnerungen daran, wie sie drohte sich und S., meinen 15 Jahre jüngeren Bruder, umzubringen, wenn ihr etwas nicht passte – und meiner Angst, dass sie dem Kleinen was antut – den ich quasi “großzog”, den ich wirklich liebte – und der Hoffnung, dass sie sich doch endlich bitte umbringen möge, aber S. in Ruhe lässt. Wobei ich immer sicher war, dass sie sich nicht umbringen würde, dass sie S. was antut traute ich ihr durchaus zu.
Als sie mit S. anfing ihn zu Ärzten zu schleppen – als ich ausgezogen war – er war damals 4 oder 5 – und meiner Drohung, wenn sie ihn nicht in Ruhe lässt, werde ich auspacken und sie es bereuen (wobei das damals ein Schuss ins Blaue war, da ich 3 Wochen nach dem Auszug keinerlei Erinnerungen mehr an nichts vor dieser Zeit hatte) – aber es wirkte – und ihr Münchhausen-by-proxy-Synddrom wurde zum Münchhausen-Syndrom (soll sie – solange sie andere in Ruhe lässt)
Der Zwiespalt bei den stationären Aufenthalten – ich erinner mich an die heißgeliebte Bananenmilch und den Himbeersirup aus dem der Himbeersaft gemacht wurde, an Bisskoten (Löffelbiskuit) – die es mit der Bananenmilch am Nachmittag als Snack gab, an den Stationskindergarten, die ich offensichtlich liebte, an St., einen kleinen Jungen von 2 Jahren, der sich die Hand ganz böse verbrannt hatte und den ich kennenlernte als ich schon etwas älter auf der Kinderstation war (ich glaub 15) – und da die Mutter so weit weg wohnte konnte sie ihn nicht oft besuchen – und so besuchte ich ihn und kümmerte mich um ihn – bis er bei einem Besuch seiner Mutter dann plötzlich unerwartet nach Hause durfte – erinner mich wie die Mutter zu mir kam und mir die Spielzeugautos in die Hand drückte, sich bedankte und schier überschäumte vor Freude ihren Sohn mitnehmen zu dürfen – ich sollte die Spielsachen von ihm an die anderen Kinder verteilen, die mit ihm gespielt hatten und sich um ihn gekümmert. Erinnere mich an den kleinen Jungen der sich weigerte auf den Topf zu gehen, aus Angst vor Schmerzen, der den ganzen Tag schrie und heulte – und wenn mein Vater abends um 18 Uhr zu Besuch kam, plötzlich aufhörte zu heulen und sich auf den Topf setzte – ich denke teilweise aus Angst, obwohl mein Vater nie böse zu ihm war. An die Besuche des Vaters – jeden Tag nach der Arbeit – und auf seine Besuche hab ich mich gefreut – im Gegensatz zu den Besuchen der Mutter, die ich lieber abwimmelte, weil ich in den Stationskindergarten wollte. An die netten Schwestern – und sogar noch an den Geruch.
Aber auch an die Schmerzen, die unangenehmen Untersuchungen – und die Schmerzen. Das ist eine meiner großen Paniken vor dem Urologentermin – dass der mir sagt, die Harnröhre ist zu eng und müsste geweitet werden – als Kind wurde das 7 oder 8 Mal gemacht und auch wenn ich mich nicht direkt erinner – löst die Angst vor dem Schmerz Panik aus.
Die Station war im fünften Stock – eine reine Kinderstation – 5 Nord (es gab auch eine 5 Süd – ebenfalls reine Kinderstation) – doch ich war immer auf der 5 Nord – und in den letzten beiden Zimmern am Ende des Gangs – war die Kinderurologie. In den Zimmern davor war Chirurgie und Säuglingsstation und was weiß ich noch alles.
Oft hab ich die Stoffwindeln gefaltet – aus zweien wurde eine “Windel” – die sowohl Einlage hatte als eben auch “Windelhöschen” – mit Sicherheitsnadeln festgesteckt. Gefaltet nach einem bestimmten Prinzip, doch ich durfte helfen und Unmengen davon falten – und war gut darin – kein Wunder bei der Übung.
Es gibt noch so viele Gedanken zur Mutter – doch die meisten will ich gar nicht denken, flüchte in einfacher aushaltbares – wie die stationären Aufenthalte oder so.
Es ist die Lieblosigkeit, die mich zerbrechen lässt, die so schwer auszuhalten ist und mich an Marios Frage erinnert: Warum hat mich keiner lieb?
Und neben dem Kind, das all das fühlt – sitzt die Erwachsene, die all das traurig macht und manchmal auch ein bisschen wütend – so ganz kurz und in Ansätzen – doch hauptsächlich traurig – und die eigentlich das Kind nur in die Arme nehmen will und trösten – und es dennoch nicht kann, weil sie es nicht hin bekommt, weil sie damit zu viel fühlen würde, was das Kind fühlt, weil sie damit nicht klar käme und Angst hat und weil sie wie alle anderen – nicht wirklich hinsehen und hinhören will – weil es zu weh tut.
Die Folgen der heutigen Thera – ich bin total alle – müde bis um umfallen und etwas “emotional” – so ein bisschen traurig und melancholisch und absolut nicht fernsehtauglich (da ich wegen der unsinnigsten Sachen am liebsten zu Heulen beginnen würde – selbst Werbung ist heute nicht sicher).
Eigentlich will ich mich nur einmummeln und schlafen oder zumindest lesen. Aber ich hab nur noch eine Dreiviertelstunde – dann geht es wieder los – erst Telefonat mit den Homöopathen, dann werd ich gleich abgeholt (von daher muss das Telefonat schön kurz gehalten werden – das könnte spannend werden) – ab zur Bücherei, dann rüberlaufen zur Bushaltestelle an der ich mich mit der Freundin treffe – eigentlich wollte ich bei KiK eines dieser Billig-Übergrößen-Langarmshirts für die Tischlerei holen – doch ich fürchte, das wird mir heute zuviel. Bei der Bank war ich schon (da die Rente dankenswerterweise heute schon um halb 10 da war – wo sie doch sonst immer erst zwischen 11 und 12 kommt). Nach dem Treffen mit der Freundin ab zum Gottesdienst und dann zum Gebetskreis. Diesmal hab ich sogar geschafft die CD’s soweit fertig zu machen, die ich schon seit Wochen mitbringen wollte (irgendwann im November glaub ich – aber hey ein Vierteljahr zählt ja sozusagen als akademisches Viertel oder so).
Genaugenommen wollte ich in der Stadt noch was ganz dringendes erledigen, was mir aber einfach nicht mehr einfallen will – weiß nur noch dass es ganz wichtig und dringend war – aber ich hab ja noch eine Stunde in der es mir einfallen kann (oder zwei – wenn wir dann vom Kaffee aufspringen, weil es mir mitten im Gespräch einfällt).
Vorhin habe ich das Geld für die Winterschuhe überwiesen – trotz kleiner Unklarheiten (denn wie es aussieht muss ich die Versandkosten für die Rücksendung tragen und bekomme dann eine Gutschrift für die Schuhe – ob nun inkl oder ohne Versandkosten ist unklar und ob Gutschrift eine Rücküberweisung aufs Konto oder Gutschrift auf dem Kundenkonto bedeutet muss auch noch geklärt werden – ich hab dort angerufen – aber irgendwie war ich so verpeilt, dass ich bei der Antwort: “sie schicken das dann mit der Post zurück und bekommen dann eine Gutschrift” nicht nachgefragt habe, was das genau heißt, dabei hab ich deshalb angerufen – meine Entschuldigung: ich hab kurz nach der Thera angerufen als ich aufs Taxi gewartet hab, das mich nach Hause bringen sollte).
Ich möchte dann gleich noch einmal den Inhalt der Therastunde versuchen aufzuschreiben – vielleicht wird es dann auch etwas klarer – eigentlich hab ich eher Angst dass alles wieder in dem allgemeinen Sumpf untergeht. Allerdings passwortgeschützt – die regelmäßigen und interessierten Leser sollen mich kurz anmailen – dann geb ich es euch – möchte es nur nicht so für jeden der hier vorbeistolpert offen lassen, da ich einfach nicht drauf achten möchte, ob da alles “öffentlichkeitstauglich” ist. Also keine Scheu – einfach anmailen.
Heute zum ersten Mal seit Monaten freitags ohne “Erwartungshaltung” in den Termin, ohne etwas bestimmten, was ich unbedingt aufgreifen wollte oder das Gefühl hätte aufgreifen zu müssen. Auch recht ruhig in den Termin gegangen.
Zusammen dann entschieden das schlechte Gewissen aufzugreifen – da das zur Zeit doch sehr Thema ist und irgendwie eh alles zusammenhängt.
Und bei Gefühlen gelandet, die – nun ja – weh tun.
Bei dem ungeliebt sein – das sich durch die Kindheit zog, aber auch dem Gefühl immer an allem Schuld gewesen zu sein – schon allein weil ich geboren wurde. Aber auch dass es eben nie jemand interessiert hat, dass ich nie die Tochter war, die die Mutter wollte – weil sowieso kein Wunschkind (auch wenn sie das immer bestreitet) – sie weiß weder wann ich geboren wurde – nicht mal den Tag, geschweige denn die Zeit – was sie bei den älteren Geschwistern sehr wohl weiß.
Sie war 28 und hatte 6 Kinder zwischen 5 und 12 (3 eigene und 3 Stiefkinder) – ich kann verstehen, dass sie überfordert war und keines mehr wollte – nur ich kann da nichts für.
Dieses nicht gewollt sein, ungeliebt sein – tut einfach nur sehr weh.
Es geht darum diesem Kind von damals eine Chance zu geben – die es damals nie hatte ….
Ich arbeite dran …
Tischlerei heute weiter bei der “Blockhauskrippe” – geht jetzt ums Dach und da ist noch nicht recht klar wie das werden soll. Und ich hab ein paar Latten mitnehmen dürfen – an diesen sollen die Pflanzenlampen angebracht werden (so nach und nach wenn ich sie einzeln kaufe) – da die ja immer nur für einen Topf passen brauchte ich eine Lösung um die anzubringen. Zuhause dann zusammengebaut und festgestellt, dass es besser hält als gedacht
.
Thera heute nochmal über den Urologentermin gesprochen: Er wird jetzt am 11. März sein – am frühen Nachmittag. Danach fahre ich in die Ambulanz zum Thera (der dafür extra schauen wird, dass er da ist, da er Do normalerweise außer Haus unterwegs ist – aber offensichtlich ist das machbar) – um das abzufangen, was durch den Termin ausgelöst wird. Sollten es Intrusionen und Co sein, dann eher stabilisieren, sollte das aber gehen und es mehr an Gefühlen auslösen, schauen wir was wir machen – es wird auf jeden Fall erstmal Raum sein sie zuzulassen, wenn es zuviel wird geht’s mehr ums wegpacken, eingeplant ist EMDR – in welche Richtung dann auch immer. Außerdem wird am Freitag der Termin ebenfalls stattfinden – es also ein zusätzlicher Termin nach dem Urologentermin sein. Das ist insofern wichtig, weil wir damit den Freitagtermin haben um das nochmal aufzuarbeiten.
Mein Thera ist echt klasse – und er schafft es nach all den Jahren immer noch, mich zu überraschen.
Mit dieser Lösung fühl ich mich sicher – egal was bei den Untersuchungen passieren wird – wir werden das hinkriegen.
Was kann alles passieren? Angst hab ich vor allem vor zwei Sachen: 1. vor Körpererinnerungen, denn der Körper wird sich an die Untersuchungen erinnern, die damals stattfanden, da das auch oft mit Missbrauch gekoppelt war fürchte ich dass der so reagiert, als wäre er in der MB-Situation von damals. Dasselbe gilt natürlich für Bilder, Gerüche, Gedanken und Co. 2. dass es mich gefühlsmäßig überflutet – dass der ganze alte Mist hochkommt – und sich einfach Bahn bricht.
Letzeres ist leider ziemlich wahrscheinlich, ersteres hoffe ich, dass nicht passieren wird. Doch egal was passieren wird – ich hab die bestmögliche Absicherung, die man sich nur wünschen kann – und dafür bin ich sehr dankbar.
Und es gibt auch die Hoffnung, dass sie dann nicht nötig ist (ist oft so, wenn die Absicherung da ist, reicht das schon – dieses Wissen – so dass ich es dann gar nicht mehr so brauche).
Angeregt durch den Kommentar von kleiner Adler möchte ich mal der Verzweiflung Raum geben – dass die Therapie eh nichts bringt.
Im Kommentar stand:
Ich muss dabei immer an eine gute Freundin denken, die ähnliches erlebt hat wie du und der festen Überzeugung ist, dass ihr eine Therapie nichts bringt.
Manchmal frage ich mich, ob das dazugehört – zur Therapie, zur Vorgeschichte, zu den Folgen von Missbrauch, Misshandlung und Vernachlässigung.
Ich mache nun seit 18 Jahren Therapie (um Ostern rum hab ich damals angefangen – da beginnt dann das 19. Jahr), doch wirklich das Gefühl, dass ich was ändern kann, dass es was bringen könnte – habe ich erst die letzten 4 Jahre etwa.
Gute – richtig gute und für mich ideale – Therapeuten habe ich seit 1998 – bis dahin waren die Therapeuten und ihre Therapiearten für mich eher kontraindiziert und daher kontraproduktiv.
Doch das Gefühl, dass das alles eh nichts bringt – kenn ich nur zu gut. Und ich erinnere mich an viele endlose Diskussionen mit den Therapeuten, der Verzweiflung und der Mutlosigkeit, der Hoffnungslosigkeit und dem Gefühl des “mir ist nicht zu helfen”. Noch heute kann ich dieses Gefühl hervorrufen – wenn ich nur an all die Jahre denke.
Keine Ahnung wie oft ich aufhören wollte – nach einem stationären Aufenthalt 1995 und meinen Umzug nach Deutschland hatte ich auch 2 Jahre keinen niedergelassenen Therapeuten (wobei das nicht so ganz stimmt – es waren nur 19 Monate – denn dann landete ich wieder stationär – und dieser Aufenthalt sollte vieles ändern.
Das Schlimme ist, wenn man nur schlechte Therapeuten hatte (und zumindest einer war eine schlicht schlechte Therapeutin, die beiden anderen waren nur “unerfahren” – da komplette Neulinge und praktizierten – wie oben schon geschrieben – eine Therapieart, die bei Trauma kontraindiziert ist) – weiß man das nicht – erst als ich damals in diese eine Klinik kam, lernte ich, was davor so alles eigentlich nicht hätte passieren dürfen in der Therapie.
Aus den anvisierten 8 Wochen wurde fast ein Jahr – vom 7. Januar bis zum 18. Dezember (wobei ich schon eine Woche eher entlassen hätte werden können, aber da der Vater da noch die neue Wohnung fertigmachte und ich nicht mit ihm in einer Wohnung übernachten wollte, wurde der Entlassungstermin auf den Tag gelegt, der nach seiner Abreise lag).
Danach hatte ich nur noch wirklich gute Therapeuten – drei insgesamt – denn der erste zog nach knapp 2 Jahren leider weg, beim 2. war ich dann über 4 Jahre – bis die Krankenkasse keine weiteren Therapiestunden genehmigte und ich in diese 2-jährige Sperre rutschte. Ich musste wieder wechseln und es blieben nur Ambulanzen, da die anders abrechen.
So landete ich beim jetzigen Therapeuten – damals geplant um diese 2 Jahre irgendwie zu überleben – tja – und ich bin heute noch dort
Dass ich durchhalten konnte lag zum einen daran, dass mir aufgeben nicht liegt – ich bin von Natur aus eine Kämpfernatur, ein Sturrkopf und wie diese Wiederaufstehmännchen die es früher gab.
Aber zu einem sehr großen Teil lag es auch an den Therapeuten, die einfach auch damit umgehen konnten.
Ich erinner mich an eine Zeit, wo ich nicht mehr wollte, nicht mehr konnte, den ewigen Kampf und keinerlei Erfolge – und dann noch das Gefühl dem Therapeuten zur Last zu fallen – weil sich eh nichts ändert, eh nichts bessert, eh alles hoffnungslos ist – und er die Zeit einfacher verbringen kann (und das selbe Geld für kriegt) usw.
Und ich erinner mich, dass das auch für den Thera nicht einfach war, weil ich das mit allem wiederspiegelte – dieses “bringt doch eh nichts” war allgegenwärtig und gleichzeitig eine Mauer die um mich herum hochgezogen war, gegen die niemand ankam.
Ich kam nicht zu den Terminen (aber aus anerzogenem Pflichtgefühl sagte ich wenigstens ab), wenn er mir einen Termin geben wollte, meinte ich nur “bringt eh nix” und lies ihn abblitzen.
Bis er irgendwann sagte: “Es ist mir egal ob sie das wollen oder nicht, ich gebe ihnen so lange einen Termin bis sie mir ganz klar und deutlich sagen, dass sie keinen mehr wollen – und ich werde sie so lange anrufen, wenn sie die Termine nicht wahrnehmen, bis sie mir klar und deutlich sagen: Lassen sie mich in Ruhe, geben sie mir keine Termine und rufen sie mich nie wieder an! – und bis ich das von ihnen höre, werden sie mich nicht los – ich werde ihnen Termine geben und sie anrufen, wenn sie zu den Terminen nicht kommen um nachzufragen was los ist”
Klar sagen, dass ich es nicht will – konnte ich nicht – und so ging es weiter. Er hat mich nicht gleich angerufen wenn ich nicht zum Termin kam – da hätte er sich nicht “manipulieren” lassen – da ich zwei Termine die Woche hatte, hätte er erst nach dem zweiten Mal angerufen – und er hätte sich da nicht auf so viel eingelassen – er hätte da nicht mit sich spielen lassen – aber er hätte nach einigen Tagen reagiert – und mir die Polizei geschickt oder wäre vorbeigefahren (Vorteil einer Ambulanz – da gibt’s auch Hausbesuche).
Ich wusste, dass ich ohne die Termine nicht überlebe – ich rettete mich nur von Termin zu Termin, hatte da schon oft genug Schwierigkeiten – weil ich phasenweise nicht wusste wie ich die nächsten 5 Minuten überleben sollte.
Und es gab Kämpfe – mit dem Thera – in rauen Mengen.
Viele Jahre später erst ist mir aufgegangen, dass es nur geklappt hat, weil ich an Therapeuten geraten bin, die von Traumatherapie eine Ahnung haben, die mit der Ambivalenz umgehen konnten und auch dieses “bringt eh nichts” als das sahen was es war: ein Symptom der Erkrankung und der Angst.
Wenn ich heute jemanden sage, dass ich seit 18 Jahren Therapie machen, schauen alle mit großen Augen – und da steht die Frage im Gesicht: was bitte schön kann man 18 Jahre lang therapieren?
Nun – die ersten Jahre waren für die Tonne – bis auf die Erkenntnis, dass ich zwar nichts gesagt, aber dafür einiges aufgeschrieben bekomme – haben diese Jahre mehr Nachteile als Vorteile gebracht (und heute die Erkenntnis, dass mit komplexer posttraumatischer Belastungsstörung ganz wichtig ist an einen Therapeuten zu geraten, der nicht nur Ahnung von Traumatherapie hat, sondern vor allem auch sehr sehr viel Erfahrung!), dann der erste stationäre Aufenthalt mit einer Therapeutin, die sich nicht abgrenzen konnte und damit massiv grenzüberschreitend war (was bei Menschen mit Traumatisierungen ein absolutes NO GO! ist) – trotzdem ging es da nach dem Aufenthalt kurzzeitig besser (auch wenn ich mit der Überzeugung rausging, dass eben nur Druck, Druck, Druck und nochmal Druck bei mir Früchte trägt – logisch – kannte ich ja – und so war ich schnell wieder im “funktionieren” drin).
Dann von der Therapeutin ambulant hängen gelassen die Therapiepause. Bis ich nach einem Jahr merkte, dass ich nichts auf die Reihe bekam – 2 Wochen gearbeitet, 3 Wochen krank, weil ich nicht mehr konnte, konnte ich dann grad wieder mal halbwegs kriechen wieder zur Arbeit (auch früh gelernt, selbst mit 40 Grad Fieber noch arbeiten gehen – solange man irgendwie stehen kann, wenigstens mit festhalten – wird gearbeitet – typischer Workaholic halt) – bis wieder gar nichts mehr ging – und wieder krank. Zum Arzt geschleppt und um stationäre Behandlung gebeten (die noch erkämpfen müssen) – und dann in einer Klinik landen, die ein gutes Arbeitstherapie-Programm haben sollte (denn das einzige Ziel für mich war: wieder richtig arbeitsfähig sein, alles machen können).
Durchhalten ist schwer – und wenn ich mir so anschaue wie die Therapie jetzt läuft – ganz ehrlich – ich könnte es nicht, wenn ich da noch arbeiten gehen müsste oder mich um Kinder kümmern oder auch nur eine Partnerschaft.
Ohne die Möglichkeit des Egoismus haben zu können – weil nichts mehr Platz hat – man so sehr damit zu kämpfen sich um sich selbst zu kümmern, dass für nichts anderes Platz bleibt.
Und da eines der Grundsymptome nun mal die Selbstentwertung ist – wie soll man sich dafür entscheiden, wenn man doch nicht mehr wert ist als der Dreck unter den Fingernägeln?
Ich weiß dass ich keinem Kind gerecht würde, dass ich zu viel von meiner Mutter habe und selbst wenn ich es anders machen wollte, in Kleinigkeiten ähnlich reagieren würde (wie viele von uns haben gesagt, dass sie in der Erziehung das anders machen würden, als unsere Mütter und erkennen dann beim Kind, dass man doch mal die selben Sätze sagt oder denkt? – das ist nicht negativ gemeint – zeigt nur, dass wir durch unsere Erziehung geprägt sind – und Kinder uns einfach an unsere Grenzen bringt) und damit könnte ich nicht umgehen – ich möchte das keinem Kind antun und sehe die einzige Chance diesen Kreislauf zu durchbrechen – kein Kind zu bekommen (abgesehen von der Retraumatisierung die die Geburt auslösen könnte usw).
Manchmal wünschte ich mir einen Partner an meiner Seite – doch ich schaffe es schon kaum die wenigen Freundschaften aufrecht zu erhalten, weil ich einfach viel zu viel Zeit nur für mich brauche.
Der Weg selbst – ist schmerzhaft – es ist sicher nicht der einzige Weg – doch für mich ist es der einzige – für mich persönlich gibt es nur diesen Weg – das noch mal durchmachen der ganzen Sachen, nochmal erleben und vor allem es zu fühlen – neu zu bewerten um es mit neuer Bewertung zu fühlen und damit Stück für Stück zu verarbeiten.
Ein Weg der höllisch Angst macht – und wenn mir vor 3 Jahren jemand gesagt hätte, dass ich das machen kann – hätte ich nur müde gelächelt – denn damals kam ich ja so schon nicht klar – wie sollte ich dann solche Situationen anschauen können?
Das ist unvorstellbar und keine Option – bis man irgendwann feststellt, dass das Skillstraining doch Fortschritte brachte, dass sich die Konsequenz gelohnt hat und man nach und nach die “einfachen” Situationen im Alltag besser handhaben kann – und so mit diesen Erfahrungen sich Millimeter für Millimeter den Boden zurückerobert, Stabilität erlangt.
Mein Weg ist ein ungewöhnlicher – in der Regel wird so etwas stationär gemacht – in mehreren Intervallen – in der Regel immer 6 Wochen, dann 2 – 6 Monate Pause und die nächsten 6 Wochen.
Auf der Station 9 in Göttingen z.Bsp gäbe es erst 2 Wochen Diagnostik, da wird erstmal gesehen ob überhaupt ein Trauma vorliegt und die Umstände so sind, dass eine Traumatherapie denkbar ist (das bedeutet z.Bsp keine aktuellen Konflikte, Probleme mit der Wohnung, mit Ämtern oder ähnliches und auch kein Kontakt mehr mit Tätern, außerdem die Möglichkeit die Wochenenden in Ruhe zu Hause zu verbringen, keine Akutgefährdung wie suizidale Tendenzen usw). Dann folgen die ersten 6 Wochen, in denen es nur um Stabilisierung geht, das Kennelernen von Skills, das Erarbeiten von Skills, Möglichkeiten finden um Boden unter die Füße zu kriegen – und die Imaginationsübungen. Diese Stabilierung wird so oft wiederholt, bis sie tragfähig ist – manche brauchen nur die ersten 6 Wochen, andere brauchen da mehrere Intervalle für) – erst dann geht es zur Traumabearbeitung – wobei in den 6 Wochen nur 2 oder 3 Traumaexpositionssitzungen stattfinden – die restlichen werden benötigt um diese aufzuarbeiten). Dies wird auch so oft im Intervall wiederholt wie es eben nötig ist. Zum Schluss geht es um die Integration – die Trauer und das Einbinden in die persönliche Geschichte – nicht mehr als Trauma, das lähmt, sondern als eine – wenn auch schlimme – Erfahrung.
Für die Station 9 wäre ich nicht geeignet – ich kann mich nicht so schnell auf jemand einlassen – und ich wäre zu weit dafür.
Das sah vor 2 Jahren noch ganz anders aus.
Doch ich hab das große Glück Therapeuten zu haben, die sich auch auf Traumatherapie spezialisiert haben – und mir so die Möglichkeit geben das ambulant zu machen – die wiederum machen das nur, weil sie wissen und erfahren haben, dass meine Skills greifen, der Boden ziemlich krisensicher ist – mittlerweile – denn sie kennen mich natürlich auch anders.
Das Durchhalten – aus heutiger Sicht ist vieles so viel klarer, logischer, die einzelnen Phasen auch Bestandteil des Ganzen – doch das sieht man in diesen Phasen nicht – da sieht man nur, dass man kämpft und kämpft und kämpft – und nicht vorwärts kommt.
Von Reinhard Mey – im Lied “Allein” – gibt es eine Zeile die das beschreibt:
[...] und fühlte mich gefangen wie ein Insekt im Sand
je mehr es krabbelt desto weiter rückt der Kraterrand [...]
Durchhalten ist mit das Schwerste bei der Therapie – der Hoffnungslosigkeit nicht nachzugeben, dem “bringt nichts” die Stirn zu bieten – trotz der Übermacht nicht aufzugeben.
Zu Kämpfen für jemanden, der es nicht wert ist – denn das ist das Gefühl dahinter – ich bin es nicht wert, vergebene Liebesmüh, bin der hoffnungslose Fall bei dem Hopfen und Malz verloren ist – bringt eh alles nichts.
Es fällt schon schwer für jemanden zu kämpfen den man wertschätzt – doch für den “hoffnungslosen Fall” – da macht es doch keinen Sinn.
Als jemand, der ein Stück weiter den Weg entlang steht kann ich nur sagen:
Es macht Sinn!
Gib nicht auf – denn dann haben die Widersacher und die Täter gewonnen.
Und ich schreibe nicht “Du bist es wert” – denn das kommt nicht an – und das muss jeder selbst so meinen, aber überlege dir wie du raten würdest, wenn deine beste Freundin oder dein bester Freund in dieser Situation wäre – und beherzige deinen eigenen Rat.