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Angst

März 2nd, 2012 Comments off

ANGST

Es ist ein Gefängnis
die Wärter übernehmen mehr und mehr die Macht
die Macht über den Gefangenen
über das gesamte System
man kommt nicht dagegen an
man weiß, dass etwas falsch läuft
doch kann man es nicht ändern
sie überwältigen einen
machen dich unfähig
auch nur irgendwas zu tun
schon das Aufstehen kostet die gesamte Kraft
das Leben hat keinen Sinn
jede Minute versucht man gegen die Wärter anzukämpfen
bis sie einen absolut beherrschen
dazu wird aller Lebenssaft verwendet

ca 1997 entstanden

Angst gehört noch heute zu meinem Leben, doch bei weitem nicht mehr in dem Ausmaß wie damals. Sie ist nicht mehr ständig da und vor allem nicht mehr so lähmend wie damals. Es gibt nur noch wenige Situationen, die immer noch lähmen: Gutachten z.Bsp.

Es ist deutlich mehr Kraft für Angsttraining da – und ich bin sicher noch sehr eingeschränkt durch meine Ängste – aber im Vergleich zu damals bin ich schon sehr frei. Auch hier arbeite ich natürlich weiter dran – ich kämpfe heute gegen die Wärter – und zwar mit Erfolg.

Doch es gibt auch diese Angst vor dem was kommt – vor Themen, die man aufgreifen und anschauen muss, in der Therapie – vor Gefühlen, die Jahrzehnte nicht sein durften und mit solch einer Intensität und Gewalt auf ihr Recht pochen, ihr Recht sein zu dürfen und die sich nun ihren Weg bahnen. Sich diesen Gefühlen zu stellen, sie zu fühlen, wahrzunehmen, nochmal zu durchleben, auszuhalten – macht mir aktuell große Angst – weil es so unendlich weh tut, die Intensität kaum (und manchmal auch nicht) auszuhalten ist.

Das ist in der Thera das aktuelle Thema.

Und doch ist auch hier der Weg nur: sich dem Ganzen zu stellen, es nicht länger zu vermeiden, weil nur so wird es an Intensität und Gewalt und vor allem an den Auswirkungen heute verlieren – das Alte.

Halt

Oktober 25th, 2011 Comments off

Wenn ich selbst zerbreche
vor Trauer, Verzweiflung
vor lauter Gefühl
nur um mich schlage
mich so sehr dagegen wehre
alles bricht
kein Halt

brauch ich ein gehalten werden
jemand der mir Grenzen gibt
der spüren lässt – wo ich aufhöre
der andere beginnt
dass es mich noch gibt
den Körper?
nicht alles in alle Winde zerstreut wird
so dass man die zerbrochenen Teile nicht mehr finden kann
um irgendwann wieder aufzubauen

wenn ich selbst keinen Halt mehr finde
das gehalten werden
um mich nicht ganz zu verlieren
weil das Innerste nach außen bricht
die Heftigkeit nicht nur Risse hinterlässt
schon viele kleine Scherben
die kein Bild mehr zulassen
von dem was
wer
ich war
bin

gehalten werden
um zu spüren
dass ich noch bin
und
das ich nicht alleine bin
das jemand auffangen kann

wie es in Filmen manchmal gezeigt wird
jemand der vor Trauer oder Schmerz zusammenbricht
jemand der denjenigen hält
ganz fest
und mit ihm zu Boden sinkt
durch das Halten
Grenzen gibt
des seins

“Du bist immer noch da
nicht verloren
du bist da
in meinen Armen”

Und irgendwann
wenn alles wieder etwas ruhiger ist
die Scherben aufsammeln
und vielleicht
irgenwann
wieder zusammenfügen
Stück für Stück
und hoffen
das bis dahin
jemand ist
der hält
weil ich es selbst
grad nicht kann

denn nur
wenn jemand anderer bereit ist
den Halt
für eine Zeit lang zu übernehmen
jemand
dessen Halt ich auch annehmen kann
kann ich den eigenen Halt
aufgeben
ohne mich zu verlieren
in diesem Wahnsinn
dieser Intensität
der Heftigkeit
dem Zerbrechen

x

doch was
wenn es diesen jemand
nicht gibt?

Categories: Gedichte, Grenzen, Leben, Psycho-Somatik Tags:

Sehnsucht …

Juli 23rd, 2010 Comments off

die Sehnsucht nach etwas
was ich nie haben werde, nie spüren werde …

und es mich innerlich so sehr zerreißt …
man all diese Brüche in sich spürt

nicht all die Verletzungen
sondern die, die dich zerbrochen haben
das waren oftmals nicht die schlimmsten
sondern einfach die, die das “zuviel” waren

wie bei einer Vase, die Risse bekam
und wo ein Windhauch dann reichen kann um sie zu zerbrechen.

Mein Leben
im Versuch all die Bruchstücke wieder zusammenzubringen
zusammen zu kitten

doch diese Sehnsucht, die klar macht, dass es auch gekittet
eben immer noch Bruchstücke sind
wieder zusammen – und das ist besser als sie einzeln zu haben

aber ein wirkliches “Ganzes”
gibt es nicht mehr.

Das bedeutet nicht, dass ich nicht glücklich werden kann
aber es wird eine Sehnsucht geben
die niemals gestillt werden wird.

Weil dazu etwas zu kaputt in mir ist.

Das tut so unendlich weh
zerreißt mich

und genau dann
sehnt man sich danach

nach dem was ich nie haben werde, spüren werde …

*

Wohin mit meinen Tränen?
Wohin mit meinem Schmerz?
Wohin mit meiner Traurigkeit?
Wohin mit meiner Verzweiflung?

Wohin mit meiner Einsamkeit?

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Die Steinpalme

März 25th, 2010 4 comments

Nach einer Legende aus der Sahara. Es ist eine dieser Geschichten, wie sie oft in arabischen Ländern abends an den Feuern erzählt werden. Jeder kennt sie, jeder erzählt sie irgendwann einmal weiter. Auf dem Boden dieser Legende entstand folgendes Märchen:

Die Steinpalme

Es war Spätnachmittag, und es war ein Wind aufgekommen, der leise über die Haare streicht und auf dem Gesicht eine Ahnung von Kühle hinterlässt.

Es war die Zeit, die zum Erzählen verfährt, ja, die Lust auf Märchen wurde so zwingend, dass alle den weisen Raman baten, doch eine seiner wundervollen Geschichten zu erzählen.

Der kluge, alte Mann lächelte. Er überlegte einen Augenblick und rief dann: “Wir treffen uns an der Steinpalme, wenn die Feuer angezündet werden!” “Steinpalme? Was bedeutet das?” riefen sie hinter dem Alten her.
“Sucht sie!” Er sagte dies schon im Fortgehen. “Sucht sie! Der Baum ist nicht zu verfehlen.” Noch ehe die Nacht plötzlich hereinfiel, hatten sie den Baum gefunden.

Neben den vielen Palmen am Strand, die in ihrer schlanken Schönheit wie winkende Frauen zu sein schienen, stand diese eine etwas abseits, doch so, dass ihre starken, dunkelgrünen Blattfächer die neben ihr stehenden Bäume leicht berührte.
Es war eine eigenartig geformte Palme!

Sie wirkte gedrungen, mit einem mächtigen Stamm und starken Fächern, die in ihren Bewegungen sichtbare Mäßigung zeigten und nichts von der Heiterkeit hatten, die alle anderen Palmen so weiblich machte.

Das Merkwürdigste aber war die Krone der Palme! Der Baum neigte sich mit seinen Blattfächern zur Mitte hin.
“Seht nur genau hin”, sagte der alte Erzähler, der sich in ihre Mitte gesetzt hatte, “achtet- auf das nächste Wehen des Windes.” Und sie konnten es sehen!

Als der Wind die Fächer der Bäume etwas auseinander wehte, da sahen sie es: Im Herzen der Palme, dort, wo sonst die neuen, hellgrünen Triebe aus der Mitte des Stammes nach oben drängten, lag ein mächtiger, rötlicher Stein, ein Stein, wie unzählige am Strand herumlagen.

Raman ließ keine Zeit zum Fragen. Mit einer weiten Armbewegung zeigte er, dass sich alle im Kreis setzen sollen. Ein Feuer wurde in der Mitte angezündet, und die Nacht kam schnell und fiel über alles wie ein dunkles Tuch. Der Schein des Feuers erreichte den Stamm der großen Palme und malte auf den Schuppen bizarre Zeichen. Wenn eine Flamme hell aufflackerte, konnte man die Krone des mächtigen Baumes ahnen.

“Ihr wollt wissen, wie der große Stein dort oben hinaufgekommen ist?” begann Raman seine Erzählung. “Nun, dies geschah vor vielen, vielen Jahren, als diese mächtige Palme noch ein winziger Bäumling war. Hier waren damals noch keine Häuser, und es gab auch noch keinen Brunnen. Nur einige Palmen standen am Strand. Ihnen und dem kleinen Palmbaum genügte das, was sie aus dem Sandboden an Nahrung und vom Himmel an Feuchtigkeit bekamen.

Die kleine Palme liebte das Meer und die Musik des Wassers. Sie liebte den leisen Wind an den Spätnachmittagen und die plötzlich hereinbrechende, oft kalte Nacht mit ihrer schattenlosen Dunkelheit. Und sie liebte den Mond in den klaren Nächten, dessen Licht harte Umrisse malt und auf dem Meer lange Streifen zieht, die eine Ahnung von Unendlichkeit geben.
Der kleine Baum wusste, daß wenige Meter hinter ihm die Wüste war. Aber er hatte keine Vorstellung von ihr, er wusste nicht, was wasserlos und leer bedeutete. Er war ein kräftiger, glücklicher Palmenschößling.

Bis zu dem Tag, an dem der Mann kam.

Er kam durch die Wüste. Er war tagelang umhergeirrt, hatte sein Hab und Gut verloren und war vor Durst und Hitze fast um den Verstand gekommen. Seine Hände brannten wund vom vergeblichen Graben nach Wasser, und alles an ihm und in ihm war grenzenloser Schmerz. So stand er vor dem Wasser, vor dem endlosen, weiten, salzigen Wasser.

Der Mann warf seinen ausgedörrten Körper in das Wasser hinein, aber in seinem Mund mit den aufgerissenen Lippen und der dickpelzigen Zunge brannte der Durst, den das Salzwasser nicht stillen konnte. Da packte ihn ein rasender Zorn. “Ich habe Anspruch auf Wasser!’” schrie er. “Ich will leben, weil ich einen Anspruch darauf habe!”

Er griff nach einem großen Stein. Sein Zorn gab ihm Kräfte, die sein ausgedörrter Körper kaum noch hergeben konnte, und er schrie, schrie über die Grenzenlosigkeit des Wassers, schrie gegen die Unauslöschbarkeit der Sonne, schrie gegen die Wüste und hinauf zu den unerreichbaren Kronen der Palmen. Drohend hatte er den Stein erhoben. Seine Arme zitterten, und es schien, als wolle alle Kraft ihn endgültig verlassen. Da sah er neben den großen Palmen, zwischen Geröll und Sand, den Palmenschößling stehen, in hellem Grün und voller Hoffnung auf jeden neuen Tag. “Warum lebst du?” schrie der Mann. “Warum findest du Nahrung und Wasser, und ich verdurste hier? Warum bist du jung und schön? Warum hast du alles und ich nichts? Du sollst nicht leben!” Mit aller noch vorhandenen Kraft presste er den Stein mitten in das Kronenherz des jungen Baumes. Es knirschte und brach. Es war, als vervielfachte sich das Knirschen und Brechen bis in die Unendlichkeit der Wüste und des Meeres. Und dann kam eine entsetzliche Stille!

Der Mann brach neben der kleinen Palme zusammen. Zwei Tage später fanden ihn Kameltreiber – man erzählt, dass er gerettet wurde.

Von den Treibern hatte sich keiner um den kleinen, zerschmetterten Palmbauern gekümmert. Er war unter der Last des Steines fast begraben, sein Tod schien unausweichlich. Seine heugrünen Fächerblätter waren abgebrochen, und in der heißen Glut der Sonne verdorrten sie schnell. Sein weiches Palmenherz war gequetscht, und der große Stein lastete so schwer auf dem zierlichen Stamm, dass er bei jedem leisen Windhauch abzubrechen drohte.

Doch der Mann hatte die kleine Palme nicht töten können. Er konnte sie verletzen, aber nicht töten.

Als sich in dem jungen Baum das entsetzliche Geräusch der brechenden Zweige, das Zerfasern der jungen Triebe und der brennende Scherz zusammenballten, als alles eine ungeheure, wolkenähnliche Masse von Schmerz und immer wieder Schmerz war, da regte sich gleichzeitig, daneben, ohne Verbindung zum Schmerz und allen zerstörenden Geräuschen, eine erste kleine Welle von Kraft. Und diese Welle vergrößerte sich, fiel in die Wellenbewegung des Schmerzes, wuchs, machte die Pausen zwischen Schmerz und Wieder-Schmerz länger und länger, bis die Kraft größer wurde als der Schmerz.

Der Baum versuchte, den Stein abzuschütteln. Er bat den Wind, ihm zu helfen. Aber es gab keine Hilfe. Der Stein blieb in der Krone, dem Herzen der kleinen Palme, und rührte sich nicht.

“Gib es auf”, sagte sich die kleine Palme, “es ist zu schwer. Es ist dein Schicksal, so früh zu sterben. Füge dich!” Lass dich selber los. Der Stein ist zu schwer.”

Aber da war eine andere Stimme, die sagte: “Nein, nichts ist zu schwer. Du musst es nur versuchen, du musst es tun.”
“Wie soll ich es tun?” fragte die Palme, “der Wind kann mir nicht helfen. Ich stehe allein in meiner Schwachheit. Ich kann den Stein nicht abwerfen.”

“Du mußt ihn nicht abwerfen”, sagte wieder die andere Stimme. “Du musst die Last des Steines annehmen. Dann wirst du erleben, wie deine Kräfte wachsen.”

Und der junge Baum nahm in all seiner Not seine Last an und verschwendete keine Kraft mehr an das Bemühen, den Stein abzuschütteln. Er nahm ihn in die Mitte seiner Krone. Er klammerte sich mit langen, kräftiger werdenden Wurzeln in den Boden, denn er brauchte mit seiner doppelten Last einen doppelten Halt. Dann kam der Tag, an dem sich die Wurzeln der Palme so tief gesenkt hatten, dass sie auf eine Wasserader stießen. Befreit schoss eine Quelle nach oben, und sie hat diesen Platz hier zu einem Ort der Freude und des Wohlstands gemacht.

Nun, als der Baum festen Halt im Grund hatte und dort dauernde Nahrung fand, begann er, nach oben zu wachsen. Er legte breite, kräftige Fächerzweige um den Stein herum. Man konnte manches Mal meinen, dass er den Stein beschütze.

Sein Stamm gewann mehr und mehr an Umfang, und mochten auch alle anderen Palmen am Strand höher und lieblicher sein, der Palmbaum, den die Leute bald die Steinpalme nannten, war unbestritten der mächtigste Baum. Seine Last hatte ihn aufgefordert, und er hatte den Kampf gegen seinen Kleinmut aufgenommen. Er hat diesen Kampf gewonnen. Er hat eine Quelle freigelegt, die seither den Durst vieler löscht, und, was sicher das Wichtigste ist, der Baum hat seine Last angenommen und hoch hinausgetragen. Sie liegt auch heute noch auf seinem Herzen, aber sie ist in seinem Dasein an eine Stelle gerückt, die sich tragbar macht. Nur die äußere Last erscheint uns untragbar. Ist sie angenommen, wird sie Teil von uns selbst.

Raman, der Erzähler, legte beide Hände an den Stamm der großen Palme. Das Feuer war fast niedergebrannt. Die Zuhörer verließen einer nach dem anderen den Platz. Nur einer blieb noch. Er war spät gekommen und hatte ein wenig abseits gesessen. Er setzte sich nun zu Raman, und beide saßen lange ohne Worte.

“Ich bin der Mann, der den Stein auf die Palme gedrückt hat”, sagte der Mann. “Ich hatte es vergessen, doch deine Erzählung weckte alles wieder auf. Was soll ich tun? Ich fühle Schuld.”

“Dann trage diese Schuld wie der Baum den Stein”, antwortete Raman.  “Nimm die Schuld an. Versuche, soviel du vermagst, davon in Liebe zu verwandeln. Vergiss dabei nicht, dass Liebe etwas ist, was man tun muss. Es nützt nichts, sie nur zu erkennen und um ihre Notwendigkeit zu wissen. Liebe ist Leben und wächst allein aus dem Tun.”

Die Männer saßen noch lange unter der Palme, und es war ein leichter Wind, der das Feuer wieder zum Brennen brachte.

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ich weine

März 20th, 2010 8 comments

ICH WEINE …

Ich weine
doch niemand sie die Tränen

Ich schreie
ohne das jemand den Schrei hört

Ich bin wütend
und lächle dabei

Ich bin verletzt
und es tut so weh
aber ich sage:
“mir geht es gut, danke”

Ich habe Angst
doch niemand kann es merken

Ich bin verzweifelt

und

ich bin gefangen
hinter einer Fassade
und der Mauer des Schweigens

vor ca 6 Jahren entstanden

Diese Fassade ist heute Gott sei Dank Vergangenheit. Natürlich kommt es immer noch vor, aber sie ist nicht mehr lebensbestimmend. Und auch die Mauer des Schweigens habe ich geschafft zu durchbrechen – sie hat nun einen großen Durchbruch, auch wenn noch Reste der Mauer stehen.

Viele Jahre war es so, dass ich keine Worte fand, teilweise konnte ich nicht sprechen – keine Worte, keine Laute bilden, egal wie sehr ich es versuchte. In der Therapie schaffte ich es dann irgendwann mich wenigstens schriftlich mitzuteilen, währen das Sprechen sehr oft total blockiert war.

Es war sowohl ein “nichts sagen dürfen”, als auch eine “Sprachlosigkeit” – weil ich keine Worte hatte für das was da war – an Gefühlen – es oft auch nicht fassen konnte – es war wie ein “gelähmt” sein. Speechless Terror.

Doch da war immer auch eine andere Sprachlosigkeit – Mutismus? – die ich als besonders schlimm empfand – denn da wollte ich etwas sagen, mitteilen, wollte etwas loswerden, hatte Worte – doch die Zunge, die Lippen, die Kehle gehorchten mir einfach nicht.

Diese Blockade konnte ich dank meiner beiden Therapeuten nach Jahren des dran Arbeitens – ein gutes Stück weit lösen (unter anderem Dank deren EMDR-Ansätze) – zumindest so weit, dass ich im Alltag nicht mehr so sehr dadurch eingeschränkt bin.

Noch heute fällt es schwer über bestimmte Dinge zu reden, einfach weil manche Wörter für mich Tabuwörter sind. Es ist eine andere Art des “nicht sagen könnens” – und ich schaffe es dann diese Dinge aufzuschreiben und dadurch mitzuteilen – und durch dieses Mitteilen kann ich an diesen Dingen auch arbeiten. Dadurch ist die Tabuwörter-Liste deutlich kleiner geworden.

Auch wenn die Sprachlosigkeit immer noch zu meinem Leben gehört, bestimmt sie es nicht mehr.

Es gibt sie noch – die Mauer des Schweigens – aber mit einem großen, stabilen und offenen Tor – und darüber bin ich sehr froh!

Und die Tränen und die Gefühle – tja – irgendwann werden auch die sein dürfen …

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Sehnsucht

Februar 28th, 2010 Comments off

SEHNSUCHT

Einsamkeit -
du sprichst mit dir selbst
denn niemand anderer ist da
dein Schmerz
deine Trauer
deine Verzweiflung
deine Angst
und auch deine Freude
deine Hoffnung

Es gibt niemanden, mit dem du das teilen kannst.
Du umarmst dein Kopfkissen
und das Kissen ist es, dass deine Tränen trocknet
- weil es nicht weglaufen kann.

Und tief in dir drinnen schmerzt die Sehnsucht danach
nicht so einsam zu sein.

vor ca 5 Jahren entstanden


Damals gab es keine Freunde, die gibt es heute – und für die bin ich sehr dankbar. Heute habe ich Menschen an die ich mich wenden kann, wo ich einfach anrufen kann (auch wenn ich das nur bei D. – ab und an – auch wirklich schaffe). Manchmal wünschte ich mir einen Partner, jemand an den ich mich anlehnen kann, der mich einfach in den Arm nimmt oder einfach da ist. Doch gleichzeitig weiß ich, dass ich das nicht zulassen kann, nicht bereit bin Kompromisse einzugehen, die für ein miteinander unumgänglich sind und es auch nicht annehmen könnte – die Liebe und Zuneigung – noch nicht.

Und so ist dieses Gedicht immer noch aktuell – grade in Momenten wie jetzt, wie in den letzten Tagen – tut es immer noch so unglaublich weh.

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Eine Träne

Februar 15th, 2010 Comments off

EINE TRÄNE


eine Träne
langsam rinnt sie über die Wange
Millimeter für Millimeter
ich kann sie spüren
spüre die Traurigkeit
die Angst
den Schmerz
alles in dieser kleinen Träne

die so schwer scheint
dass sie vor lauter Schwere nicht vorankommt
so kämpft sie sich vorwärts
Millimeter für Millimeter
über die Wange
diese eine Träne

die vor Schmerz und Traurigkeit
fast explodiert
die es kaum aushält
denn die Gewalt der Gefühle
ist einfach zu viel
für diese kleine Träne
die da über die Wange rinnt
Millimeter für Millimeter


vor ca 6 Jahren entstanden

Dieses Gedicht gilt leider auch heute noch. Früher hab ich Tränen auf der Wange sehr schmerzhaft empfunden – es hat gebrannt ohne Ende. Das ist heute nicht mehr so schlimm. Doch Tränen zuzulassen ist auch heute noch ein Problem – Gefühle und damit auch Tränen zuzulassen, zu “fühlen” ist eines der Hauptthemen in der Therapie und ich habe da noch einen langen Weg vor mir – und den gehe ich stetig voran.

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Sie verdienen einen besonderen Schutz

Januar 22nd, 2010 Comments off
Xavier Naidoo – Sie verdienen einen besonderen Schutz

diesmal mit Warnung – grade für Betroffene kann es sehr heftig sein dieses Video anzuschauen, es gibt eine “”softere”" Version hier – doch auch da gilt:

Passt auf euch auf!

Text:
Für was kann man ein Kind gebrauchen?
Es zu schicken, zu ficken
zu schlagen & zu taufen

Für was kann man ein Kind missbrauchen?
Es zu schicken, zu ficken
zu schlagen & zu taufen

Sie verdienen einen besonderen Schutz
denn ein Sinn für die Wahrheit
schlägt in ihrer Brust
Sie verdienen einen besonderen Schutz
siehst du nicht, dass ihr Leiden uns
besudelt & beschmutzt?

Sie verdienen einen besonderen Schutz
denn durch sie wird uns unsere Kindheit bewusst

Sie verdienen einen besonderen Schutz
reden wir von Missbrauch, reden wir von „Nutz“

Es war noch nie Unwort des Jahres, „Kindesmissbrauch“
Eine Schande ist & war es, im Land der Dichter & Denker geschah es
Die Sprache verroht wie die Menschen
und ich sah es

im vollen Ausmaß ist es schmerzlich & schwer
Welches Volk gibt schon freiwillig
seine Sprache her
Die Sprache wird leer
es muss ne Bildzeitung her
Denn die Menschen
verstehn ihre Worte nicht mehr

Sie verdient einen besonderen Schutz
denn auch sie hast du in deiner Kindheit benutzt
Sie verdient einen besonderen Schutz
siehst du nicht, dass ihr Leiden uns besudelt & beschmutzt

Sie verdient einen besonderen Schutz
nur durch sie wird uns unsere Kindheit bewusst
Sie verdient einen besonderen Schutz
reden wir von Missbrauch, reden wir von „Nutz“

Kinder können wohl eher uns gebrauchen
zum Rat geben
aufwecken, Klamotten einkaufen
Wo ist denn die Anleitung zum Kindesgebrauch
ist schon klar
auf der ganzen Welt werden Kinder „verbraucht“

Aber dass die deutsche Sprache sich auch daran berauscht
ist traurig & schade oder abgrundtief böse
Es wird Zeit
sich von diesem Sprachgebrauch zu lösen
Ich hau den Haken in die Öse
eurer Sprachverstöße

Sie verdienen einen besonderen Schutz
denn ein Sinn für die Wahrheit schlägt in ihrer Brust
Sie verdienen einen besonderen Schutz
siehst du nicht, dass ihr Leiden uns besudelt & beschmutzt?

Sie verdienen einen besonderen Schutz
denn durch sie wird uns unsere Kindheit bewusst
Sie verdienen einen besonderen Schutz
reden wir von Missbrauch, reden wir von Lust
Manchmal ist Text Kunst,
Gedicht oder Gericht
glaubt mir, ich kontrolliere das nicht
manchmal schreib ich
und die Wahrheit schlägt mir ins Gesicht
und verschont mich nicht
und verkürzt die Frist

Bis die Meinung der Masse
auf mich einbricht – auf mich eindrischt
Sie lieben mich nicht, ich liebe sie nicht
Was soll’s
wer will später den Kindern berichten
von Lügengeschichten, teuflischen Versen
mit Zuckerbeschichtung, bösen Gedichten
Wahrheit ist Licht & Schatten
beängstigend wie Ratten
die sich auf dich stürzen
bereit, dein Leben zu verkürzen

Doch diese Wahrheit führt uns an Licht
sie verdient einen besonderen Schutz
Und diese Kinder führn uns ans Licht
sie verdienen einen besonderen Schutz

Weise Worte führn uns ans Licht
sie verdienen einen besonderen Schutz

Und die Liebe führt uns ans Licht
sie verdient einen besonderen Schutz
Und unsere Sprache führt uns ans Licht
sie verdient einen besonderen Schutz

Sie verdienen einen besonderen Schutz

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Januar 20th, 2010 2 comments

DIE SONNE SCHEINT

Die Sonne scheint
für mich
in wunderbaren Stunden
sie wärmt das Gras
und auch die Blumen
die Dunkelheit
senkt sich herab
die Blumen rufen verzweifelt
nach dem letzten Sonnenlicht

vor ca 5 Jahren entstanden


Da kann ich nicht viel zu schreiben – damals war es das Gefühl, dass sobald ein Sonnenstrahl mich erreicht, die Dunkelheit gleich doppelt so finster über mich hereinbricht. Heute steht für mich die Sonne im Vordergrund, die irgendwann jede Dunkelheit durchbricht.

Ausgewählt, weil mir die Sonne (damit mein ich die reale ;-) ) heute besonders fehlt.

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gebissen

Januar 18th, 2010 Comments off

Es gibt das Sprichwort: Das Leben ist kein Streichelzoo.

Nur das ich das nie so verwendet habe -bei mir war es immer:

Das Leben ist ein Streichelzoo – mit bissigen Tieren.

Früher eher sarkastisch gemeint, finde ich heute dass es passt. Denn es gibt die Möglichkeiten auch an bissige Tiere heranzukommen, mit ihnen zu arbeiten und vielleicht sogar deren Vertrauen zu gewinnen – und vor allem im Leben gibt es immer Situationen die angenehm sind und eben diese, bei denen man eher gebissen wird.

Und irgendwie ist es genau das, was das Leben ausmacht – auch mit den bissigen Tieren umgehen zu lernen, umgehen zu können, sie in Ruhe zu lassen – wenn das möglich ist.
Widrigkeiten wird es im Leben immer geben, damit umgehen zu können und sich nicht unter kriegen zu lassen – das ist es was ein erfolgreiches Leben ausmacht.

Nicht ein guter Job, viel Geld, vielleicht noch nicht mal Familie – sondern trotz Widrigkeiten das Leben so leben zu können, dass man daran wächst, ständig dazulernt und an Herausforderungen wächst.

Trotzdem – schön wäre, wenn die Herausforderungen nur fordern und nicht überfordern und handhabbar blieben.

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