wie es ist

Weihnachten war  unerwartet ziemlich sch…

Eigentlich hatte ich mich auf die freien Tage gefreut – keine Termine, kein muss. Die letzten Jahre hab ich das auch immer sehr genossen.

Dieses Jahr lief es gut – bis zum 25. Plötzlich war das vor mir selbst weglaufen, ablenken, nicht-sein – nicht mehr möglich.

Irgendwie auch selbst verschuldet – ich hatte Weihnachtsfilme geschaut.

Wie bei fast allen Happy-End-Filmen, ist es bei Weihnachtsfilmen noch extremer: immer gibt es den Moment, in dem – egal was vorher war – jemand gehalten wird. Da ist jemand da und hält, ist da, tröstet und macht klar: du musst das nicht alleine durchstehen, ich bin für dich da, ich mach das mit dir.

Nie schafft es jemand alleine oder ist in der dunklesten Stunde allein.

Und immer kann derjenige das dann auch annehmen. Sich fallen lassen. Vertrauen. Sich drauf einlassen.

Das ist dann der Wendepunkt und alles wird gut.

Es macht aber auch deutlich, dass ich das nicht kann. Und es erinnerte an das allein sein. Damit mein ich nicht Weihnachten oder so – sondern in den dunkelsten Stunden, wenn ich einfach nicht mehr konnte.

Daran, dass ich es mir nicht leisten konnte, einfach mal zusammenzuklappen – weil da halt niemand ist, der alles zusammenhält.

Und weil da eben niemand war, ist im Innersten was zerbrochen. Weil es eben nicht aushaltbar war.

Bis heute hab ich den Scherbenhaufen nicht zusammengekehrt. Aus Angst. Denn ich weiß, dass es sich diesmal nicht wieder zusammensetzen lässt. Das einzige was ich machen kann, ist, zu versuchen aus den Scherben etwas anderes, neues zu schaffen.

Zu oft ist das Innerste zerbrochen und zum wieder zusammensetzen ist einfach zu wenig übrig geblieben. jAber weill ich wirklich schauen, ob ich was anderes draus schaffen kann? Wieder etwas aufbauen? Oder wird es immer nur ein fader Abklatsch sein?

Und wofür? Damit es dann wieder irgendwann zerbricht?

Es ist frustrierend. Vor 12 Jahren zog ich hier in den Ort. Damals ging es mir sehr schlecht – es war ein einziger Kampf und bis heute weiß ich, dass es zu viel war. Dass der Preis, den ich dafür zahlte – so gut es nach dem Umzug auch war – zu hoch war.

Aber immerhin – es gab jetzt einen „sicheren Ort“, meine Wohnung, eine Rückzugsmöglichkeit usw.

Ich hab so hart an mir gearbeitet und wirklich viel erreicht.

Dann fiel die Therapie weg, dann kam Corona und auch der Rest fiel weg.

In eineinhalb Jahren hab ich all das so mühsam erarbeitete wieder verloren. Statt leben ging es wieder nur ums überleben. Ich bin dauerdissoziiert und schaffe es auch meine Existenz massiv zu gefährden durch destruktives Verhalten.

Schaffte es mich in den körperlichen und finanziellen Ruin zu treiben – bei beiden ist unklar, ob das wieder „rettbar“ ist. Selbst wenn ich die Kurve kriege – was noch fraglich ist – war das ein Raubbau, deren Konsequenzen ich noch viele Jahre tragen muss.

Es ist wieder dauerhaft latent suizidal – auch hier mit (vielen) Phasen, in denen es leider nicht nur latent so war.

Weil das Sicherheitsnetz fehlte – weil ich da eben allein war. Auf mich gestellt.

Es ist schlimm – und dieses Verzweiflung und vor allem Überforderung immer so nah – dass es eben nur mir nicht-sein – überlebbar ist. Von aushaltbar red ich gar nicht erst.

Wir haben dieses Sicherheitsnetz aus Therapie, Buchbinderei, Betreuung und Physio nicht umsonst aufgebaut – es war halt nötig. Und was das letzte Jahr leider mehr als deutlich gemacht hat: ohne geht es nicht.

Nur, dass unklar ist, ob es wieder aufbaubar sein wird. Oder eher: ob ich lang genug durchhalte – irgendwann wird Corona ja im Griff sein und zumindest Betreuung wieder normal laufen. Buchbinderei ist eh mehr als unklar ob die wieder startet oder „aus finanziellen Gründen“ eingestampft wird – privatisierte Klinik halt.

Therapie wird hoffentlich wieder starten – wenn auch klar keine Traumatherapie – denn da gibt es schlicht keine Plätze.

Es gab den einen Moment – in dem ich immer noch irgendwie feststecke. Der Tiefpunkt, der Moment, in dem ich innerlich endgültig zerbrach.

Das einzige was ich wieder „erarbeitet“ hatte – war das nach außen funktionieren. Und im Endeffekt macht das halt der dissoziative Anteil.

Aber selbst da – es gab bisher noch nie eine so lange Zeit, in der selbst das Schreiben im Blog nicht ging – weil – naja – ich einfach nicht wirklich da bin.  Nicht nur irgendwo im inneren verkrochen, sondern eben nicht da. Und sprachlos darin verloren.

Nein es geht mir nicht gut. Es geht mir so schlecht wie kaum jemals zuvor. Bei vielem weiß ich schlicht nicht, wie ich es machen soll oder wie eine Lösung aussehen könnte. Eine machbare Lösung.

Oder wenigstens eine denkbare. Weil auch denken schwer fällt. Es ist grad alles einfach zu kaputt – in und um mich herum und ich weiß nicht wie ich das hinkriegen soll, wie anfangen, was überhaupt machen.

Boden gibt es schon lange keinen mehr. Nicht mal wackeliger.

Ich hoffe, mit wieder regelmäßigen Therapieterminen da einen Art Wegweiser zu finden und Schritt für Schritt irgendwie – Halt – finde.

Keine Ahnung wie es weitergehen wird. Ob es weitergehen wird.

Ablenken half (und hilft) die Fassade aufrecht zu erhalten, die eh mehr als bröckelig ist. Eine Fassade, die mir mir nichts mehr zu tun hat. Und grade deshalb nicht ganz zusammenbricht. Doch dabei hab ich die Grenzen der Selbstschädigung schon massiv überschritten und weiß eh nicht, ob das  noch zu retten ist.  Also gehört zum Überleben mittlerweile auch zu versuchen das nicht mit weiterem Mist noch mehr zu gefährden.

Ich bin ganz unten und versuche irgendwie zu überleben.

Ich bin nicht mehr akut suizidgefährdet Ich bin einfach nur – nicht.

 

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