Thera heute

Ich komm aus dem Termin und bin so traurig und verzweifelt und frustriert.

Weil all das Wichtige grad keinen Platz hat. Weil es Gefühle auslösen könnte und unter den aktuellen Therapieumständen das zu gefährlich wäre.

14 Tage sind eine lange Zeit. Ich schaffe den Alltag und überhaupt grad mein Leben nur im „nicht-sein“. Nicht fühlen, nicht denken, nicht sein. In den Tag hineinleben, ablenken. Ein Leben ohne Inhalt, ohne Farben, ohne – sein.

Im nicht-sein bin ich weit weg, lebe vor mich hin und lenke mich ab – es ist gut aushaltbar.

Und es ist ohne fühlen.

Nur so schaffe ich das alles.

Heute ging es um die Buchinderei – und dass die so  viel mehr ist als „nur“ Ergotherapie oder Basteln. Dass es eben auch (und sogar hauptsächlich!) Therapie ist, Übungsfeld, sicherer Rahmen und verschiedene Skills auszuprobieren, die Grenzen zu testen usw.

Sie fehlt mir und ich merke dass die Angsttraining sehr viel schwieriger sind, vieles was ich dort üben kann oder testen – eben im Alltag nicht machbar ist.

Es fehlt auch das Erfolgserlebnis – ich arbeite an Schwierigkeiten, kann Lösungen erarbeiten und es gibt eben auch deutlich mehr Erfolgserlebnisse. Im Alltag überwiegt eher das Scheitern.

Auch die Rücksprache/Ansprache fehlt – Themen, die grad an dem Tag aktuell sind – einfach mal anzusprechen/besprechen usw.

Kein Wunder dass die Stabilität statt besser immer schlechter wird.

Alle 14 Tage dann ein Therathermin. Statt wie vorher 3x die Woche oder wenigstens wöchentlich.

Es ist wie es ist, wir müssen damit umgehen. Da sind Vorgaben von oben und an die müssen wir uns halten.

Ein halbes Jahr war das ja noch irgendwie machbar, aber mittlerweile sind alle Ressourcen verbraucht.

Es ist kein Raum, keine Kraft, kein Sicherheitsnetz da, dass ein wirklich an einem Thema arbeiten möglich machen würde.

Und schon gar nicht an Gefühlen. Das wäre im Moment sehr gefährlich. Dafür bräuchte es ein ganz anderes Sicherheitsnetz, das aktuell eben nicht verfügbar ist.

Punkt.

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