Dankbar

Ich weiß nicht genau, aber meistens ist es in schwierigeren Zeiten so, dass da immer auch viel Dankbarkeit ist. Für Hilfe und Unterstützung oder das was ich schon erreicht hab oder einfach hab.

Schon seit Jahrzehnten gibt es keinen Abend, an dem ich im Gebet nicht vor allem dankbar bin. Als ich damit vor über 20 Jahren anfing, ging es mir vor allem darum abends einfach mit dem Positiven den Tag zu beenden – am Ende des Gebetes eben auch dankbar zu sein. Und ja – phasenweise musste ich ziemlich suchen um was zu finden, aber es gab keinen einzigen Tag, an dem ich nichts fand (ok dank Tiroler Sturkopf suchte ich auch entsprechend lang).

Nach ner Weile war es für mich so, dass das Abendgebet eben nur noch dem Dank gehörte. Anderes geht auch zu anderen Zeiten und den Tag mit Dank zu beenden – bringt heute Ruhe rein (das war anfangs nicht so, aber mittlerweile sehr).

Heute ist es für mich ganz selbstverständlich.

Und vielleicht wird mir die Schwierigkeit der Situation im Moment vor allem darüber klar – dass da wieder so viel Dankbarkeit ist.

Natürlich auch für das ganz Existenzielle – ich hab ein Dach über dem Kopf, ein Bett, hab es warm, wenn es draußen kalt ist, habe Strom, genug zu essen und trinken, habe Sachen zum anziehen und genug Technik um mich auch gut ablenken zu können. All das ist für mich nicht selbstverständlich.

Ich kenne Zeiten, in denen ich keine Heizung hatte, weil die Gefahr bestand, wenn ich einschlafe wird es sonst gefährlich (kleiner Ölofen mit zu kurzem Kamin, so manches mal flog mir der Deckel vom Ofen um die Ohren oder ich wurde in völlig verqualmten Raum wach), hatte flächendeckend schwarzen Schimmel an feuchten Wänden oder keinen Strom, weil der Vermieter in Urlaub war (und der Sicherungskasten eben bei dem).  Oder dass ich zum Duschen zum Schwimmen fahren musste.

Es gab Zeiten, da hab ich mitten im Winter irgendwo im Wald übernachtet, weil es in der kaputten Wohnung nicht auszuhalten war.

Eine Wohnung zu haben, in der ich mich sicher fühle, in der Herd und Wasser und Strom funktionieren, die für mich wirklich Rückzugsort ist – ist für mich nicht selbstverständlich.

Und ich bin dankbar dafür.

Aber auch für den vielen Luxus, den ich habe. Dinge, die ich nicht mehr missen möchte, aber die eben dennoch Luxus sind. Ein gutes Handy, ein funktionierender Laptop, für unterwegs der mp3-Player oder der Ebook-Reader für mein Abendritual. Aber auch meine Hängematte, meine tolle Matratze, das Wärmeunterbett, die Gewichts-/Therapiedecke oder der Crosstrainer – all das ist da – und manchmal kann ich da mein Glück kaum fassen.

Mag durchaus sein, dass ich mich im Moment so sehr auf die Dinge die gut sind konzentriere, damit ich mich mit dem was nicht gut ist nicht beschäftigen muss. Aber hey – dann ist es so. Mir geht es damit grad gut.

 

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