Pläne

Ich gehör zu den Menschen die immer mind Plan A-G haben. Egal um was es geht – es gibt einen Plan und einen Ersatzplan und dafür weitere Ersatzpläne.

Es hilft mir zu sortieren und mich vorzubereiten. Das Gefühl vorbereitet zu sein mindert die Angst.

Aktuell bin ich in einer für mich neuen Situation. Ich bin bei Plan X angekommen. Es gibt noch einen sehr unrealistischen Plan Y und dann den finalen Plan Z.

Der Plan, den ich nicht will. Denn es bedeutet, dass wir alles andere ausgeschöpft haben – und das Ergebnis für mich nicht aushaltbar, nicht lebbar ist. Kein Versuchen von diesem oder jenem mehr – diese Versuche haben wir dann alle hinter uns – ohne Erfolg.

Es bleibt also nur ein Ergebnis offen. Eines, mit dem es ein aushaltbares Weiter geben kann. Eines, das notwendig wäre, damit Plan Y realistisch werden könnte.

Das ist mir bewusst. Schon lange, nicht erst jetzt. Schon seit Jahren ist es klar – und auch wenn sich dann immer wieder ein Um- oder Ausweg zeigte, sind auch die jetzt einfach – ausgeschöpft.

Das Neue an der Situation für mich ist – für mich kommt in Gedanken nur ein Erfolg in Frage. Die Fahrtkosten werden bewilligt und ich bekomme die Zeit, die ich brauche um Alternativen dazu zu schaffen.

Ich bekomme ein Schreiben von der Krankenkasse, in der mir die Bewilligung mitgeteilt wird.

Das ist für mich – im Moment – das einzig denkbare Szenarium.

Und ja – mir ist durchaus bewusst, dass grade keiner sagen kann, wie dafür die Chancen stehen. Dass es – wahrscheinlich – anders kommen wird.

Aber das kommt nicht an. Weil es nicht sein darf. Weil ich den verdammten Plan Z nicht will und es dann aber eine wirkliche Wahl mehr gibt.

Wir hatten Jahre Zeit alle Alternativen durch zu gehen. Jeder noch so kleinen Hoffnung hinterher zu rennen.  Dies ist unsere letzte Hoffnung – auf die wir grad alles setzen.

Ja Plan Y wird dann laufen – aber es wird Plan Z nur hinauszögern. Es wird am Ergebnis leider nichts ändern können.

Dem kann ich nicht ins Auge sehen. Ich kann nicht dran denken, diese Gedanken nicht zulassen.

Weil ich das nicht aushalten kann und dann mit Sicherheit die Zeit bis zur Entscheidung – gar nicht nicht schaffen könnte.

Es ist ein klammern an eine letzte Hoffnung. Ein Fliehen in eine Möglichkeit eines Weiters.

In mir ist nur Platz für das „Ja – die Bewilligung kommt – ohne sie zu erstreiten. Die Zeit bis dahin kann ich schaffen“.

Natürlich gäbe es theoretisch die Möglichkeit ein nein anzufechten – sogar mit guten Erfolgsaussichten. Aber ich hab nicht nochmal 6 Jahre Zeit bis da eine Entscheidung fällt. 6 Jahre, in denen die Kasse eben nicht aus goodwill und weil sie davon ausgehen, dass ich das Merkzeichen eh kriege erstmal weiter die Fahrten übernehmen.

Ich hab nach nicht mal 3 Wochen schon große Schwierigkeiten das hin zu kriegen – und dabei hab ich ja sogar noch 2x die Woche die Möglichkeit zu Buchbinderei, Ärzten, Ersatzthera und Co zu kommen. Ehrlichgesagt dachte ich, es wird erst schwierig, wenn das im September auch weg fällt.

Mit Entsetzen merke ich, was allein in diesen drei Wochen in mir schon wieder kaputt ging. Wie viel von dem mühsam erreichten wieder einstürzt, sich alte Verhaltensmuster, destruktive Muster, wieder drauf stürzen und sich einschleichen.

Es muss gut gehen. Weil es nur so ein weiter geben wird. Es gibt keine andere Möglichkeit – weil ich die Alternative nicht will. Weil ich nicht will, dass es ein Ende hat. Dass ich nach all den vielen Jahre zu kämpfen – aufgeben muss. Aufgeben werde, weil die Alternative nicht aushaltbar ist, nicht lebbar. Nicht für mich.

Vielleicht mache ich mir was vor – klammere ich mich zu sehr an diese letzte Hoffnung. Mir ist klar, dass selbst eine Bewilligung mittlerweile eine Krise auslösen wird – und ich muss lachen, wenn ich das schreibe – weil ich doch schon mitten in einer verdammten Krise stecke.

Es ist wie eine Saite, die zu sehr gespannt wird – die dann bei der kleinsten Berührung reisst.

Nur bei einer Bewilligung wird die Krise nicht all zu lang sein, werde ich das hinkriegen.

Ich klammere mich an diese letzte Hoffnung, weil es alles ist, was ich noch habe.

Ja ich könnte umziehen – das würde vielleicht eine Möglichkeit schaffen. Aber wie die Miete in der Stadt zahlen, wenn ich die außerhalb schon grad so hinbekomme? Wie den Umzug schaffen, die Kosten für alles. Und da rede ich noch gar nicht davon überhaupt eine Wohnung zu finden. Oder mir ein Elektro-Trike kaufen.

Oder einfach gesund werden – diese verdammten Busfahrten schaffen. Ohne mich im Bus zu übergeben oder irgendwo zu mir zu kommen, weil ich so dissoziert bin, dass ich eben leider nicht mehr funktioniere. Oder überhaupt erstmal das Ein- und noch schlimmer das Aussteigen hinzukriegen. Oder an einer Bushaltestelle vorbeigehen, ohne dass ich fast durchdrehe. Oder überhaupt erstmal ohne Begleitung das Haus verlassen.

Dieses „ich könnte“ haben wir in sämtlichen Varianten durchgespielt. Es fehlt an Zeit und an Geld oder der dafür nötigen Gesundheit – oder an allem dreien.  Nichts davon ist in den nächsten Jahren realisierbar.

Also muss eine Bewilligung kommen. Es geht nur darum die Zeit bis dahin hin zu kriegen.

Alles andere darf einfach nicht sein. Ist nicht. Wird nicht passieren.

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