Sonntag und Endokrinologie-Gedanken

Ein essenstechnisch sehr ungesunder Tag. Bis mir klar wurde, dass ich mir Druck mache – wegen des morgigen Termins in der Endokrinologie.

Weil da auch das Gewicht immer Thema ist. Das ist auch ok so. Nur die letzten Wochen ging das nach oben. Nicht wegen Fressanfällen oder ähnlichen, sondern weil es psychisch so mies geht, dass keine Energie für gesundes Essen über ist.

Für gesund einkaufen – da das meiste sonst schlecht wird – eben weil ich es nicht verarbeitet bekomme und mir dann das Geld zu schade ist. Für Kochen, das über ein Warm machen oder mal ein paar Kartoffeln schälen oder so hinaus geht.

Und oft genug werden es dann Salzstangen oder Eis oder viel Brot. Dazu die weniger Bewegung, weil ja das Rad weg war, es zu Hause auch schwierig ist und rausgehen – was ja sonst meine Alterntive ist – grad auch nicht geht.

Druck, dass ich nicht klar genug machen kann, dass ich zwar psychisch im Ausnahmezustand bin, es körperlich aber dank des neuen Medikamentes immer noch super geht. Dass das nicht getrennt gesehen werden könnte. Oder eine Medikamentationsänderung Thema werden könnte.

Seit es körperlich so gut läuft – will ich da nicht wirklich hin. Will nicht dass was geändert wird. Ausprobiert wird. Das, was vorher super war für mich. Nur deshalb haben wir was gefunden, was so gut hilft. Auch wenn es keine logische Erklärung gibt. Nur die Erfahrensberichte von vielen Patienten, die ähnliches berichten. Ich bin kein Einzelfall hier.

Aber einen wissenschaftlich fundierten Grund – gibt es nicht.

Trotzdem hat es für mich so vieles verändert. Mir eine Lebensqualität zurückgegeben, auf die ich fast 30 Jahre verzichten musste. Ich will da nichts weiter „ausprobieren“, ich will, dass es so bleibt.

Aber körperliche Beschwerden von der Psyche zu trennen, fällt schwer. Auch wenn es körperlich gut geht – super sogar. Bei schlecht ist es dann halt die Psyche – das kennt wohl jeder mit einer psychischen Erkrankung.

Die letzten Monate haben so deutlich gemacht, dass vieles aus den letzten Jahrzehnten eben doch körperlich war. Der Körper zu wenig Cortisol produziert hat. Jetzt, wo er genug bekommt – spielt der Körper mit.

Trotz heftiger psychischer Krise bin ich um Welten fitter, hab nach  wie vor keinerlei Reizdarm-Symptomatik, kann essen was ich ich , keine Übelkeit, kein Durchfall nur weil ich was gegessen/getrunken habe. Wenn ich mich körperlich mal übernehme reicht ein Tag zur Erholung, früher brauchte ich oft 3-4 Wochen. Mein Blutdruck ist in Ordnung und nicht mehr schon hoch, wenn ich mal 105 hatte. Ich bin Leistungsfähiger und hab auch abends noch Kraft und Energie. Keinerlei Prioritäten setzen müssen was Skills angeht.

Das kann sich keiner vorstellen, der das nicht selbst erlebt hat. Bei mir waren das fast 30 Jahre.

Gegen ein gutes halbes Jahr in dem das endlich anders ist – nur weil ich ein anderes Hydrocortison-Präparat nehme. Die selbe Menge, aber andere Verteilung/Freisetzung.

Das will ich nicht wieder hergeben. Nur deshalb bin ich noch zu Hause, kann ich noch zu Hause sein, weil genug Energie und Kraft da, mit all dem Mist umzugehen. Den Tag zu überleben.

Ich will nicht, dass was ausprobiert wird oder geändert. Nicht jetzt. Nicht im Moment. Never change a running system.

Leider zählen Erfahrungswerte von Patienten oft nicht. Nicht genug. Und davor hab ich Angst.

Ich hab eine Lebensqualität kennengelernt, einen Körper der einfach funktioniert, der mich nicht ständig im Stich lässt, nicht schon vor der Psyche schlapp macht. Den will ich nicht mehr hergeben!

Auch wenn die Psyche im Ausnahmezustand ist – es ist ein unterschied ob es mir psychisch schlecht geht oder psychisch UND physisch.  Ich hab mit der Psyche genug zu tun und ich brauche dafür meinen soweit funktionierenden Körper.

Allein der Gedanke daran wie es vor Januar war – lässt mich grausen. Ich hab eine Welt kennengelernt, in dem ich was machen kann, aktiv sein kann, keine Angst vor dem Nachmittag/Abend haben muss, weil dann keine Kraft und Energie für die kaputte Psyche mehr da ist.

Das will ich behalten! Wenigstens das bitte.

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1 Response to Sonntag und Endokrinologie-Gedanken

  1. In gird sagt:

    Liebe Ilana,
    ich freue mich so sehr für Dich und hoffe, dass es so bleibt, wie Du es derzeit erlebst, oder , dass es noch besser wird.
    Liebe Grüße und eine GUTE Nacht wünscht Dir
    Deine Ingrid

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