Zwei Wochen

Solange ging es – sogar recht gut. Zwei Wochen, in denen ich nur reduziert raus komme. 2 Mal Buchbinderei und ein drittes Mal mit dem Betreuer.

Damit kann ich die dringendsten Termine schaffen.

Wir waren gestern mit dem kleinen Gnom beim Tierarzt. Sie ist gesund. Seit 25 Jahren hab ich Katzen – sie ist die erste die gesund und gut sozialisiert ist. Die weder einen körperlichen, noch einen psychischen Knacks hat. Ein ganz normales kleines gesundes Kätzchen.

Die Tierärztin wusste das – wusste um meine Angst. Sie kennt mich lange, hat mich so oft mit vermeintlich gesunder Katze empfangen und musste dann leider sagen, dass es nicht so ist.  Kennt das selbst von ihrem Hunden. Das kaum fassen können, die Erleichterung, aber auch den Zweifel.

Ich war und bin so erleichtert. Das kann sich nur jemand vorstellen, der das selbst immer wieder und über Jahre mitgemacht hat.

So unendlich froh. Es ist egal zu wissen, dass man in den nächsten 2-3 Monaten noch 3mal dort auflaufen wird – die zweite Impfung, Kastration, Nachsorge.

Weil es normal ist, weil die Kleine gesund ist – es einfach nur – Vorsorge ist.

Und doch – gestern Abend saß ich hier – und konnte das nicht verbloggen. Trotz der großen Erleichterung und Freude darüber.

Weil es ein Lichtblick war in einem sonst nicht so tollen Tag.

Und der Erkenntnis, dass es leider nicht mehr nur ein Tag ist. Ein Tag, der nicht so toll läuft. Der abends vorbei ist und morgen ist ein Neuer.

Naja das ist schon so – aber es geht nicht mehr um einzelne Tage die schlecht sind. Leider sind es wieder einzelne Tage, die gut sind.

Noch kann ich dreimal die Woche raus, aber die Zeit geht dahin, das geht maximal noch einen Monat so. Und dann?

Wenn mir jetzt schon die Decke auf den Kopf fällt. Wenn jetzt schon die wirklich große Freude und Erleichterung wegen einer gesunden Katze nicht abends als Resümee reicht, weil die Angst vor dem Morgen, einem Tag nur zu Hause, zu groß ist und selbst so große und tolle Sachen nicht mehr gegen ankommen.

Zwei Wochen, in deutlich entschärfter Version, die reichten, damit mir die Decke auf den Kopf fällt. Ich um jeden Termin außerhalb froh bin, obwohl das – naja – auch nicht Freiheit ist. Es sind Termine, Angsttraining, Kontakt mit Menschen.

Mir fehlen die Spaziergänge, Pokemon-Runden usw. Das außerhalb – nur für mich.

Und mir graust vor den Tagen zu Hause. Endlos lange Tage, Wände, die näher zu kommen scheinen, die Decke, die immer niedriger scheint.

Ich flüchte auf den Balkon. Atmen. Luft kriegen. Hoffen, dass die Wände und Decke dann wieder an ihrem Platz sind. Ich wieder atmen kann.

Dann versuche ich mich wieder abzulenken, was eine Weile klappt – bis ich irgendwann wieder am Balkon lande.

Alleine rausgehen war ja immer schon ein Problem, aber irgendwie schaffe ich es jetzt nichmal mehr bis zur Haustür oder dem Briefkasten. Also bleibt nur der Balkon.

Dummerweise klappt auch ein draußen sitzen nicht wirklich oft – ich werde unruhig, hibbelig, also mache ich die Balkontür auf und gehe raus, lehne mich ans Geländer und versuche wieder Luft zu kriegen, zu atmen.

Runterkommen. Und dann wieder rein gehen.

Hoffen und beten, dass der heutige Tag bald vorbei geht, denn morgen – kann ich wieder raus. Morgen.

Und danach hab ich ein sehr langes Wochenende – in dem ich wieder hier festsitze.

Ich werde es hinkriegen – irgendwie. Muss ja. Aber es ist scheisse.

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1 Response to Zwei Wochen

  1. Jennifer sagt:

    Es tut mir sehr leid zu lesen, dass es so schwierig ist. Ich wünschte, es wäre schon eine positive Entwicklung in Sicht!
    Liebe Grüße
    Jenny

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