Mittwochs-Eingeständnisse

Ungewohnt. Das viele zu Hause sein.

Merken, dass man anfängt nur noch Schund zu schauen. Oder eigentlich nicht wirklich schauen, es läuft halt nebenher.

Zu versacken. Alles etwas schleifen lassen. Erstmal nicht groß anziehen morgens, sondern halt auf Schlamperklamotten zurückgreifen, die Tag und Nacht ok sind. Das regelmäßige Bewegen, gesünderes Essen, Körperpflege.

Ehrlichgesagt hab ich nicht damit gerechnet, dass es so schnell, so massiv ist. Das sich vernachlässigen.

Quasi ein wozu – sieht ja eh keiner.

Noch überraschter bin ich, wie schwer es fällt da gegenzusteuern. Oder wie schnell das Gegensteuern – „egaler“ wird.

Wie sich immer mehr Müdigkeit einschleicht, mehr depressive Symptomatik?

Es war immer klar, dass ich die Regelmäßigkeit der Termine, Therapien usw brauche – eben um nicht zu verwahrlosen. Aber ehrlichgesagt dachte ich, dass das schon ein paar Wochen/Monate dauern würde.

Wie es grade ist, gefällt mir nicht. So will ich das nicht. Ich habe Angst, wann dieses „will ich nicht“ verschwinden wird. Weil ich schon mit große Schwierigkeiten habe, dem was entgegen zu setzen. Merke ja jetzt schon, wie sich da ein „ach egal“ einschleicht.

Weil das eine vermeitliche Entscheidung impliziert. Die Entscheidung nein zu sagen, statt dem „geht grad nicht“ ausgeliefert zu sein. Eine Entscheidung zu treffen, statt die Ohnmacht und Überforderung anzuschauen, anzuerkennen.

Es ist dieses „Einschleichen“, das Angst macht. Denn vom Gefühl her ist es ok – geht es nicht gut, aber auch nicht super schlecht. Eher halt – es geht nicht. Kein Denken, kein Fühlen.

Aber soweit komm ich ganz gut über den Tag.

Tja – tu ich – solange keine Anforderung da ist. Und offensichtlich fällt Anziehen, Kochen, Körperpflege schon zu diesen Anforderungen, die es ins Wanken bringen.

Es ist erschreckend, das plötzlich zu merken. Zumal es ja nicht plötzlich auftrat. Es zeigt das Ausblenden. Von allem.

Wieder mal ein an der Symptomatik ablesen, wie es ist. Weil ich doch viel zu weit weg bin, um das auch so mitzukriegen?

Aktuell ist mir das irgendwie hinkriegen wichtiger. Und ich frage mich, ob das schon wieder ein Schritt weiter zum „egal“ ist.

Ich versuche gegen zu steuern. Kleine Ziele zu setzen. Erreichbare Ziele. Anziehen oder Zähne putzen oder eine warme Mahlzeit.

Heute ist es die Dusche. Weil morgen 3 Termine sind. Und sowohl die Dusche als auch das Haare waschen echt nötig.

Und doch – jetzt ist es fast sechs. Seit dem Aufstehen schiebe ich es vor mir her. Hatte schon mehrere Anläufe, die mich verschieden weit brachten.

Dazu muss ich sagen, dass Duschen wirklich schwierig ist – triggert – und somit wirklich sehr sehr viel Energie raubt.

Und jetzt? Tja – schreibe ich hier. Ein weiterer Versuch es weg zu schieben.

Aber auch ein Benennen. Keiner redet gern darüber, dass er es kaum noch schafft sich anzuziehen oder die Körperpflege schleifen lässt. Nicht weil es einem egal ist, sondern weil man Schwierigkeiten damit hat.

Doch das ist grade Alltag für mich.  Es ist immer schwierig, aber mit den regelmäßigen Terminen war es irgendwie anders. Zu Hause so rumzusitzen ist halt was anderes als raus zu gehen, so dass auch andere es sehen, mitkriegen.

Es erschreckt mich einfach nur grade sehr, dass das nach so kurzer Zeit schon so – umfassend – ist. Das macht Angst, gewaltig Angst.

 

Ein Post, der eigentlich ganz anders sein sollte. Nichts von all dem drin stehen sollte. Nach dem ersten Satz in eine andere Richtung gehen sollte.  So wie so vieles grade einfach nur anders sein sollte.

Aber eines möchte ich  trotzdem noch schreiben: es gibt gute Nachrichten vom Rad. Es ist fertig und wird heute vom Großhändler vom Hersteller abgeholt – es dürfte also spätestens nächste Woche wieder bei mir sein. Der Motor wurde getauscht – ein Sensor im Motor war wohl defekt. Also hoffen, dass es jetzt lange störungsfrei läuft.

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