WMDEDGT 07/19

Jeden Monat am 5. fragt Frau Brüllen in die Runde: „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?

Heute ist es gut, dass sie das fragt.  Ebnet mir einen Weg wieder zurück zur Normalität. In der das tägliche Schreiben ja dazu gehört. Die letzten Wochen war das nicht möglich. Dabei fehlte das – das Schreiben und dabei Gedanken sortieren können, loswerden können.

Von daher ist es heute gut so. Etwas vertrautes – ich bin dankbar für diese monatliche Frage.

6:00 Uhr: die Nacht war ok,  nicht gut, aber jetzt auch nicht schlecht. Ich bin noch müde, aber schlafen ist auch nicht mehr. Also aufstehen.

Bonsai-Tiger ins Wohnzimmer scheuchen. Die sind komisch heute, irgendwie panisch. Hatte die Nacht das Fenster offen – da war wohl irgendwas, was die beiden verstört hat.

Nicht mal Leckerlies lockten. Dabei ist das wichtig, vor allem für die eine. Die kriegt damit ihre Medikation. Mit dann hinlegen und rausgehen hat sie sie auch genommen. Komisch irgendwie. Zumal die sonst überhaupt nicht so ist – und für Leckerlie alles tut.

Egal. Medikament ist drin.

8:00 Uhr: Bonsai-Tiger sind im Wohnzimmer, ich bin gewaschen, gekämmt und angezogen, fertig fürs abgeholt werden.

8:30 Uhr: beim Termin. Ziemlich alle, weil im Taxi Radio lief und da wurde ein Teil eines Buches vorgelesen – es ging um Missbrauch von Kindern und Dissoziative Zustände – in sehr deutlichen Worten. Triggerte ziemlich und ich hatte Mühe im hier und jetzt zu bleiben, Körpererinnerungen in den Griff zu kriegen. Als ich aus dem Taxi raus war rutschte ich von einem Flashback in den nächsten. Also erstmal wo hinsetzen, wo etwas Ruhe ist und mich auf Skills konzentrieren.

In mir die Frage, warum ich denn nichts gesagt hab? Nicht gebeten hab den Sender zu wechsen oder auszuschalten?

Dabei ist es klar – eh schon in Ausnahmezustand und Dauerdissoziieren. Dazu noch dieses Funktionieren nach außen. Das ja eh schon bröckelt. Heute bröckete es deutlich. War einfach nur froh, dass sie mich dann nicht noch angesprochen hat. So fiel es ihr gar nicht auf.

10:00 Uhr: Termin mehr schlecht als recht hinter mich gebracht und dann noch ein bisschen auf dem morgens noch leeren Uni-Gelände Pokemon Geschenke eingesammelt. Dabei konnte ich mich dann auch wieder etwas erden.

Kurz vor 10 hab ich mich mit MissMutig verabredet – sie wird mich mit nach Hause nehmen, da sie mir eh den Hund bringen wollte.

10:15 Uhr: bin mit Hund wieder zu Hause und geh auch gleich eine Runde mit ihr. Eher, weil ich heute lauftechnisch nicht so fit bin und befürchtet hab, wenn ich mich erstmal hinsetze – geht es nicht mehr.

Vermerke das auch für mich. Mach ja grade den Versuch das Schmerzmittel abends zu reduzieren. Bin aber noch unschlüssig, ob das wirklich damit zu tun hat oder heute einfach einer der schlechteren Tage (körperlich) ist.  Hormone spielen grad auch eine Rolle und die machen mir grad richtig zu schaffen.

11:00 Uhr: Nach Hunderunde zu Hause, erstmal frühstücken und Mittagessen in einem – Wraps. Im Moment das, was ich noch am ehesten hin bekomme. Hund und Bonsai-Tiger beschnuppern sich aus der Ferne und ich muss dem Hund deutlich klar machen, dass beschnuppern ok ist, jagen aber nicht. Oder anstieren usw.

Trotzdem klappt das zumindest mit dem Wirbelwind heute recht gut.

12:00 Uhr: Der Betreuer kommt. Wohnungstermin. Durch die Krisensituation aktuell ist die Wohnung ein Schlachtfeld mit dem ich hoffnungslos überfordert bin. Gestern hatten wir schon besprochen wie wir das heute angehen, mit der Bitte dass er für Pause sorgt und auch mich drauf hinweist, wenn ich mich schon wieder verzettel und wo ganz anders lande.

Hat dann auch soweit ganz gut geklappt und die Wohnung hat wieder Grund. Ohne ihn hätte ich aber gar nichts hin bekommen. Bin so froh um diese Unterstützung, die Struktur und Sicherheit, die er von außen geben kann, wenn davon innerlich grad so gar nichts da ist.

Trotzdem stehen bis morgen noch ein paar Dinge auf dem Plan: Setzlinge in Erde topfen, fürs Wochenende packen, viele, viele Nektarinen essen (weil natürlich verpeilt, dass ich ja am WE nicht da bin) und hoffentlich auch noch den restlichen Salat schaffen).

Fürs Packen haben wir auch nochmal durchgesprochen, was wichtig ist, weil ich das alleine grad auch nicht hinbekomme – bin einfach zu weit weg von mir.

15:00 Uhr: Wohnungstermin ist zu Ende, bin völlig alle, aber froh, dass wir das doch so weit geschafft haben.

19:00 Uhr: mittlerweile weitestgehend gepackt und eine Liste für die Dinge erstellt, die ich morgen noch einpacken muss, weil ich sie noch brauche. Schwimmzeug hab ich sicherheitshalber auch mit und den Schwimm-Mp3-Player muss ich noch laden und auch neu beladen. Ob ich wirklich dann schwimmen gehe muss ich spontan entscheiden.

Außerdem noch eine gemütliche Hunderunde, bisschen mit Nachbarn quatschen, kurz mit MissMutig noch für morgen Details klären und schon ist es sieben.

Jetzt noch: bisschen fern sehen, Mp3-Player beladen,  versuchen die Bonsai-Tiger zu beruhigen (wobei die, die heute früh so panisch war, ist wieder ganz normal und zutraulich, die andere hab ich seitdem nicht mehr gesehen, weil sie sich wegen Hund dann immer in ihrer Box verkriecht).

Außerdem dringend Balkon wässern (überlege noch, ob ich das lieber morgen früh mache).

Nägel müsste ich auch machen, glaub das wird mir morgen sonst zu stressig.

Für morgen noch auf die Liste die Zuckererbsen ernten – die sollen nämlich mit.

Später dann lesend ins Bett verkriechen.

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