Mittwoch

Solange ich nicht auf Menschen treffe und nichts tun muss, geht es ganz gut.

Ist nur leider nicht gut möglich so im Alltag.

Zum einen sind es tatsächlich das Treffen auf Menschen – irgendwie finde ich das aktuell so extrem anstrengend und mühsam. Jetzt gar nicht irgendwie weil der Kontakt doof ist – eher die Interaktion an sich.

Und wenn dann Anforderungen gestellt werden (in der Regel von mir, nicht von anderen!) komme ich auch schnell an Grenzen. Weil es nicht so klappt, wie ich es geplant hab oder irgenwas passiert (Mehl fällt runter) oder was auch immer.

Ganz schnell ist da das Gefühl der Überforderung, alles zu viel, oft mit Tränen hinter den Augen, der innere Druck steigt und wenn ich kein  Ventil finde (Skill, Bewegung) werde ich total unruhig, hibbel rum, muss aufstehen und wenigstens ein paar Schritte laufen (oder in der Buchbinderei dann halt was holen usw).

Das Gefühl nicht mehr zu können, am Ende der Kräfte zu sein. Und gleichzeitig – bin ich körperlich aber fit – bin ich eben NICHT am Ende der körperlichen Kräfte.

Also kann ich doch auch psychisch nicht am Ende sein. Ich krieg es ja hin, Skills funktionieren.

Für mich immer noch die neue Situation, dass eben nicht auch körperlich alles am Ende ist, nur weil psychisch grad aus dem letzten Loch pfeiffend. Mir eingestehen, dass „am Ende sein“ nicht unbedingt heißen muss, dass ich auch körperlich am Ende bin, gar nichts mehr tun KANN, weil der Körper streikt.

Auf der einen Seite auch in diesen Momenten froh darüber und immer noch fasziniert – dass ich körperlich fitter bin, dass so vieles wirklich nur an dem Cortisol liegt/lag, dass sich für mich dadurch, dass der Wert für mich tatsächlich mal gut ist und mir keine Einschränkungen beschert – das überwiegt – überschreibt die Gedanken wie viel Jahre und Jahrzehnte ich da gelitten hab, weil „ist ja nur die Psyche“.

Auf der anderen merke ich, dass ich auch an Grenzen komme und dass ich die Grenze nicht mehr am körperlichen Zusammenbruch festmachen kann. Denn wenn die psychische erreicht war, folgte die physische bald auch – und zwang mich dann zur Pause.

Solange ich noch kriechen konnte, war ich halt nicht am Ende.

Es ist ein umlernen – und vor allem umdenken.

Es geht nicht mehr um ein „irgendwie krieg ich es schon hin“ (in der Bedeutung, noch krieg ich da schon noch hingekrochen – und wenn es auf dem Zahnfleisch ist), denn körperlich sind da Welten dazwischen.

Da ist so viel Dankbarkeit  und immer noch Faszination – was plötzlich so geht, aber auch zu merken: hey Skills tun heute genau das, wofür ich jahrzehnte gearbeitet hab: sie greifen, sie starten automatisiert und funktionieren. Einfach weil genug Kraft dafür da ist.

Flashbacks und Panikattacken und Co sind nicht weg oder weniger geworden – aber die Mechanismen dagegen greifen zuverlässig und es kostet natürlich Kraft, aber es brennt mich nicht mehr aus, reicht auch über den ganzen Tag.

Die psychischen Grenzen zeigen sich heute anders. Dabei nicht weniger deutlich. Es fällt nur schwerer dann auch inne zu halten und das ernst zu nehmen. Es getrennt vom Körper auch sehen zu können. Und vor allem ernst zu nehmen.

Statt so viel wie möglich zu machen (und brav die Grenzen ignorierend) mehr Energie in Erholung, runter fahren, mir Gutes tun stecken. Versuchen etwas Ausgleich zu schaffen, Kraft zu investieren um der Psyche zu helfen wieder auf die Beine zu kommen.

Freiräume zu schaffen, damit ich die Welt da draußen auch wieder aushalten, wieder besser mit umgehen kann.

Ein Lernprozess. Jeden Tag aufs neue.

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