WMDEDGT 02/19

Es ist wieder soweit. Jeden 5. des Monats fragt Frau Brüllen in die Runde: Was machst du eigentlich den ganzen Tag?

Auf dem Plan steht heute eigentlich nur, das Rad in die Stadt zu bringen.

Das klingt erstmal nicht spektakulär – sind etwa 10 Kilometer, wenig bergauf, viel bergab und Elektro-Antrieb gibt es auch.

Von daher sollte das gut machbar sein.  Dummerweise bin ich grad extrem untrainiert und schon nach 100 Metern außer Puste. Trotzdem sollte das gut zu schaffen sein. Hoffe ich. Die Angst einfach nur ignorieren – weit wegschieben.

8:00 Uhr – aufstehen, Bonsai-Tiger versorgen, Bad, Frühstück, Mails, Blogs und Co nachlesen – einfach gemütlich in den Tag starten

10:15 Uhr – so langsam will ich mich fertig machen. Es ist kälter als angesagt war und ich hoffe, dass ich das mit dem Rad wirklich hinbekomme – trotz der grad mal 1 Grad draußen. Wie warm muss man sich denn da anziehen?

Komme mir doof vor – es ist ja nun wirklich was, was jeder „normale“ Mensch als Pipifatz ansieht – dann werde ich das wohl auch schaffen.

Und wenn nicht, gibt es ja die Möglichkeit es irgendwo dazwischen abzustellen und mich dort einsammeln zu lassen.

Im Endeffekt ist es einfach Angst.  Weil alleine rausgehen, ohne Termin, ohne Begleitung – schon seit Jahren nicht mehr ging. Aber festen Termin konnte ich ja nicht ausmachen, weil ich nicht weiß, wie lange ich brauche oder wo ich im Endeffekt lande.

Und es ist diese Angst, die anfängt mich zu blockieren. Weil es langsam konkret wird.

Atmen. Erstmal einfach nur atmen. Dann einen Schritt nach dem anderen.

13:30 Uhr – wieder daheim – und glücklich. Die Strecke ist mit gut 14 km doch länger – weil ich nicht bedacht habe, dass wir mit Auto ja immer über den Berg fahren und ich ja mit Rad quasi aussen rum fahre und es somit halt deutlich mehr Kilometer sind. Trotzdem ging die Strecke an sich jetzt gut, gegen Ende war ich dann froh anzukommen, aber ich war noch nicht an der Leistungsgrenze.

Zwei Pausen gab es – einmal ein 5-er-Raid, der auf dem Weg lag und dank vieler Leute mitgenommen werden wollte und dann noch ein Stopp bei Aldi – eigentlich wollte ich da nur zum Bankomaten, aber da ich auch nur überreife Bananen grad hab, hab ich dann gleich grüne mitgenommen, damit ich auch in den nächsten Tagen noch weche habe.

Ändern muss ich auf langer Strecke die Hose – da brauch ich bei diesen Temperaturen eine Thermounterwäsche drunter oder eine Skihose drüber oder so. Und die Einlagen. Es gibt ja diese Werbung von Always – bei der die Dame meinte, das sie ja mit den alten zufrieden war, bis sie auf eine Radtour ging. Ähm ja – das kann ich voll und ganz unterschreiben. Die ist weder dort so sie sein soll, noch bequem – sondern sorgt für sehr viel Unwohlsein und Beschwerden. Da muss ich wirklich schauen.

Aber im Schrank hab ich noch Always und daher werde ich morgen mal testen, ob die tatsächlich dann auch beim Radfahren gut sind.

Auch gemerkt – nicht nur die letzten 3 Kilometer sind bergauf (132 Höhenmeter auf dieser Strecke), sondern mind noch einer davor ist auch bergauf – zwar nur minimal (und sicher gut schaffbar), aber beim runterfahren war es deutlich  bergab. Das wird also dann interessant.

Heute hatte ich ja nur ca 250m bergauf – die sind auch im Ort – und ja – die sind anstrengend – sehr. Trotz Elektrounterstützung. Schätze ca 300m wären da aktuell mein Limit. Oben dann erstmal wieder zu Atem kommen. Bergauf wird also wirklich dann gezielt trainiert werden müssen.

Aber erstmal die Strecke – und zwar im Endeffekt ca 20 km – ohne nennenswerte Steigung (aber halt immer wieder doch leicht bergauf/bergab – das ist hier halt so). Denn erst dann wird das klappen, dass das Rad evt bei der Freundin von MissMutig „nutzbar“ wird – da brauch ich ja dann hin und retour.  Und da bin ich zuversichtlich, dass ich das innerhalb eines Monats auch hinbekomme.

Die Handgelenke mucken – das war zu erwarten. Links kann ich  das mit konsequent Schiene an beim Radfahren in Griff kriegen. Rechts reicht das nicht, da ist aber Ende des Jahres eh die Op geplant und bis dahin wird das mit Schiene auch machbar sein (auch so, dass ich sicher damit fahren kann, das ist mir ja das wichtigste daran) – denke ich.

Vielleicht war dafür auch gut, dass die letzten Monate da eben keine Radfahrbelastung war – denn es war dann mit Schiene heute besser als erwartet – mal sehen wie sich das in den nächsten Tagen/Wochen entwickelt und zur Not muss die Op halt doch vorgezogen werden.

Soweit zum Rad. Das alleine losfahren war schwierig. Mir war klar, wenn ich dann fahre, wird sich das schnell geben. Aber irgendwas blockiert und löst Panik aus. Mit Termin oder Begleitung kein Problem – ohne puh. Mit Rad ist es einfacher – vielleicht weil es ein konkretes Ziel gibt/gab. Ich hatte ja bei der Parkgarage angekündigt, dass ich heute komme – aber halt ohne Termin.

Sobald also Stadt und zurück mit Rad klappt, wird das auf der Prioritätenliste ganz nach oben rutschen. Und ich hab es heute ja auch geschafft! Im Endeffekt wird das dann vermutlich gar nicht so lange dauern, bis das kein Problem mehr sein wird. Das Rad macht für mich da einen deutlichen Unterschied.

Von daher – ja – ich bin glücklich. Weil es besser lief als erwartet und ich glaube dass ich das mit der Distanz in einem Monat durchaus hinbekommen kann. Steigung wird allerdings deutlich mühsamer als gedacht.

Fahrradfahren macht immer noch großen Spaß und ich freu mich, dass es jetzt auch wieder regelmäßig möglich ist. Ohne Angst davor, dann wegen nur bergauf nicht mehr nach Hause zu kommen.

Es war defintiv die richtige Entscheidung es jetzt erstmal unten hin zu stellen und dort so nach und nach Kondition aufzubauen und dann im nächsten Schritt nach und nach die Steigungen anzugehen.

18:10 Uhr – den restlichen Tag ruhig und gemütlich verbracht, noch ein bisschen fern sehen und dann ein gemütlicher Leseabend im vorgewärmten Bett (Wärmeunterbett läuft schon).

 

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