Montag

Seit dem letzten „Cortisolmangel“ kam ich nicht mehr richtig in das „täglich Bewegung“.

Gemeint mit täglich Bewegung ist entweder ca 1 Stunde gehen  (am Stück, nicht über den Tag verteilt, kleine Pausen sind erlaubt), so Rad fahren, dass ich deutlich merke, dass es auch anstrengt oder Crosstrainer/Aerobic-Einheit.

Dank der Nebenniereninsuffizienz gibt es zwei merkbare „Cortisonmangel“: 1. extrem flüssiger Durchfall, gern mit zittern und schwitzen und Übelkeit und Co und 2. (das ist – wie wir kürzlich erst feststellten – tatsächlich oft wenige Tage nach 1., wenn ich eigentlich schon wieder alles im Lot wähne) extreme Schwäche, schon nach wenigen Metern außer Puste usw.

Merken tu ich das eher an den Aerobic- oder Crosstrainereinheiten – weniger im Alltag. Also merken schon, aber zuordnen können nicht. Denn diese Einheiten sind klar definiert – da weiß ich wie der aktuelle „Fitnessstand“ ist. Klar gehen die x Minuten mal besser und mal schlechter, aber in der Regel schauen wir (der Physiotherapuet und ich), dass wir eine Mindestminutenzahl finden, die eben auch an den schlechten Tagen geht und dann gibt es noch ein Maximum, dass sich an den durchschnittlichen Tagen orientiert (also was da so das maximum wäre).

Wenn dann von sagen wir 20 Minuten plöztlich nur noch 5 gehen und ich halb tot vom Crosstrainer falle – dann ist da was faul. Und ich rede nicht vom inneren Schweinehund, der ja grad nach den ersten Minuten nochmal motzt, sondern wirklich nicht mehr können – mit schlecht Luft kriegen und Schwindel, Übelkeit und Co usw.

Wie auch immer – das direkte merken mit Durchfall und Co ist in der Regel schnell im Griff – eine Tablette einwerfen und die nächsten Tage schauen, dass ich wirklich morgens und mittag nehme und die Symptomatik ist weg. Allerdings ist manchmal dann nach einigen Tagen symptomfrei der massive Leistungsabfall – nur noch müde, schlapp, groggy und eben nichts geht mehr.

Da hilft dann tatsächlich nur sehr viel Ruhe (und wie wir jetzt seit kurzem Wissen dabei drauf achten, dass die Mittagsdosis auch wirklich eingenommen wird).

Es gibt sicher Vorzeichen, eines hab ich grade im Blick – so wird die Reizdarmsymptomatik wieder deutlich mehr. Aufgefallen auch nur, weil sie dann eben wenn ich mehr Cortison nehme plötzlich weg ist.

Also geht es aktuell darum über Symptomtagebuch eben diese Vorzeichen zu erkennen (und nicht immer alles auf die Psyche zu schieben) – ohne da irgendwie hypochondrisch zu werden (wobei die Gefahr bei mir nicht wirklich besteht) – um im Idealfall dann schon früh genug gegensteuern zu können und es gar nicht zu diesem Mangel mit Symptomen kommen zu lassen.

Das wollte ich jetzt aber gar nicht alles schreiben.

Normalerweise komm ich nach sowas wieder rein ins tägliche Bewegung, diesmal fällt es schwer. Zum einen mehr Gewicht, mehr Schmerzen usw – zum anderen ein deutlich weiteres Absinken des Fitnesslevels als sonst so – dazu dann noch die dauerhafte psychische Überforderung (die sicher auch mit reinspielt, warum es diesmal länger gedauert hat, bis der Körper durchaus wieder in der Lage war was zu machen, aber auch, dass ich die Grenzen eben leider nicht wirklich wahrnehme in solchen Zuständen) und ich wusste eben nicht mehr wie und wo und was.

Grenzen wahrnehmen ging auch nicht – weil ich ja permanent über meinen (psychischen!) Grenzen war und dann leider auch den Körper nicht mehr so wahrnehmen kann.

Langer Rede, kurzer Sinn: jetzt, wo ich nicht mehr dauerdissoziiert bin und so ewig weit weg von mir, geht die Körperwahrnehmung wieder  besser – nicht gut, aber besser.

Damit ist auch das Bewegen wieder besser möglich, weil ich das „Zuviel“ halt merke wenn es zuviel ist und nicht wenn ich schon drei Tage über der Grenze gelatscht bin. Zeitnah bemerkt reicht dann auch ein 2-3 Tage kürzer treten (also Bewegung nach Zeitplan sozusagen – dieser wird mit dem Physiotherapeuten abgesprochen – wie oben geschrieben – und ist dann eben Mindestminutenanzahl von oben (und die ist dann fest – nicht mindest-, sondern genau diese Minutenanzahl wird gemacht).

Das klappt seit Jahren recht gut.

Heute war sicher eher ein guter Tag, was Schmerzen usw angehen – aber somit weiß ich jetzt auch, was maximal geht und mehr ist aktuell schlicht nicht. Die nächsten Tage werden dann auch zeigen was das Maximal bei Durchschnittstagen ist – und dann hab ich erstmal wieder einen Richtwert, an dem ich mich orientieren kann – ein „das wäre schon gut“.

Ansonsten hab ich jetzt (nach der Suche nach einer App, die mich regelmäßiger an die Tabletten erinnert, also auch so: hab ich genommen oder erinner mich in einer Stunde noch mal – mit normalem Wecker klappt das bei mir leider nicht so – trotz Snooze-Funktion) eine App gefunden, die auch das Symptom-Tagebuch vereint – dazu kann ich die Bewegungsgeschichten eintragen und die Medis-Erinnerung gibts auch. Schicht, einfach – und ich kann abends (oder auch tagsüber schon) schauen, was noch fehlt heute.

Heute nur noch bisschen Linsensuppe, noch das ein oder andere Wassereis und morgen dann mal schauen. Theoretisch müsste ich beim Urologen vorbei. Praktisch muss ich sehen, ob ich das morgen hinbekomme.

 

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