wie es ist

Fehlende Zeiten sind fast wieder Alltag. Sie häufen sich wieder. Gar nicht gut. Ein Symbol der massiven Überforderung – vom Alltag, vom Leben, vom neu aufbauen müssen von Struktur und handhabbaren Alltag.

Es hilft da nicht wirklich viel zu wissen, dass es ja durchaus einen Grund für all die Hilfen von außen gibt. Dass die nicht aus Spaß da sind oder um es „bequemer“ zu machen, sondern dass sie notwendig sind, damit ein weiterhin alleine wohnen bleiben überhaupt möglich ist.

Was wenigstens im Kopf hilft: es gibt einen Betreuer, mit dem es auch klappen kann, es gibt Hilfe – aber es muss halt grad neu Struktur und Sicherheit aufgebaut werden. Das braucht Zeit. Auch da weiß ich, dass das nicht von heute auf morgen geht, sondern in der Regel eher so ein Vierteljahr braucht.

Es ist sicher hilfreich zu wissen, dass es da ist und „nur“ die Zeit braucht, dass es um ein Druchhalten geht, bis es greift. Das macht das Durchhalten einfacher. Weil es absehbar ist.

Aber in dem Moment, in dem alles nur noch zu viel ist – hilft das nicht wirklich.

Dieses Funktionieren müssen – um jeden Preis. Alltag schaffen – um jeden Preis.

Der Preis ist, dass das Innen und Außen immer weiter auseinander klafft.

Nach außen funktioniere ich, bin fröhlich, gut drauf, erledige alles, kümmere mich um alles und wenn grad nichts zu tun, regeln und machen ist – lenke ich mich ab.

Wie aufgezogen – unter Spannung. Immer auf dem Sprung.

Innen – das beschreibt vielleicht tatsächlich das Bild, das immer wieder auftaucht: wie ich da letzte Woche im Flur saß, leerer Blick, vor und zurück schaukelnd. Hoffnungslos überfordert.

Das mischt sich mit dem Bild des kleinen Mädchens von damals, dass kauernd in der Ecke saß, eine Mischung aus Verzweiflung und Einsamkeit.

Ein Innen, das nicht sein darf, das keinen Raum hat, immer weiter weggeschoben wird, weil es schlicht nicht aushaltbar ist und droht den innersten Kern – wieder einmal – in zig tauschen Splitter zu zerbrechen. Ich weiß nicht, wie oft das noch möglich ist, noch möglich ist, danach wenigstens so viel zusammen zu setzen, dass noch was von mir über ist.  Jetzt schon so viele Löcher, zu viel zerstört.

Ein Außen, dass hilft das Innen wegzuschieben – um es vor dem Zersplittern zu schützen, zu überleben.

Es ist ein Überlebensmechanismus, der automatisch greift, wenn die Überforderung  über so lange Zeit so überhand nimmt und um den ich froh bin. Dankbar dafür.

Er macht Überleben möglich und sorgt dafür, dass es – zumindest meistens – aushaltbar bleibt. Und wenn es das nicht mehr ist – müssen halt auch Medis nachhelfen.

 

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