Gedanken

Ich bin zur Zeit sehr nachdenklich. Das ist nicht schlecht oder so – zumindest solange ich nicht alles nur noch anzweifle. Doch das merke ich in der Regel früh genug, so dass ich das auch im Griff habe.

Was ist für mich bei einem Betreuer wichtig? Was hat sich da auch in den letzten Jahren geändert?

Das lässt sich nicht in einem Satz beantworten.  Manches ist greifbarer geworden – vor allem seit für mich klarer ist, was mich am Zusatzstunden-Betreuer so triggert. Auch da bekomme ich es eher getrennt, kann für mich akzeptieren, dass es jetzt für diese wenigen Stunden, die noch zur Verfügung stehen, eben so ist. Dass ich das nutze, was ich nutzen kann: die Möglichkeit zu Läden/Ärzten zu kommen, ohne dass es die regulären Stunden mindert und auch die Möglichkeit Angebote in Läden zu nutzen, auch wenn das bedeutet eben 2 oder 3 Läden aufzusuchen.

Ich hab akzeptiert, dass es eben kein Einaufs-Angst-Training gibt und auch anderes, was dafür geplant war (Tiefkühle, Garage usw) eben nicht möglich ist.

Es hat mir bei den regulären Betreuungsstunden etwas Luft verschafft  – das war ja auch im Endeffekt der Hauptgrund für den Antrag.

Und für mich wurde klarer, was ich brauche, wo es für mich Spielraum gibt bei der Betreuerauswahl und was gar nicht geht. Das war im Endeffekt gut – da genau das für mich jetzt wichtig ist zu wissen.

Ich hab mir Gedanken darüber gemacht was ich erreicht hab, was gut läuft, aber auch wo es durchaus auch Spielraum für Veränderung gibt. Woran ich auch in der Betreuung (weiter) arbeiten will.

Aber auch der letzte Theratermin hat mich sehr nachdenklich gemacht. Ein Thema, dass immer wieder da ist: Täterintrojekte und Widersacher und meiner Weigerung, mich denen zu stellen.

Nicht weil ich mich nicht stellen will – sondern es zum aktuellen Zeitpunkt nicht kann.

Sie benennen, darüber reden,  bedeutet aktuell, ihnen Macht zu geben. Als würde ich sie damit hervorrufen.

Ich kann ihnen nichts entgegnen, sie sind zu laut, zu massiv – immer noch zu mächtig. Das einzige was geht ist, die Aufmerksamkeit auf was anderes zu richten – auf das hier und jetzt. Zu prüfen was wirklich grade ins heute gehört und was altes ist.

Selbst das klappt noch nicht all zu lange. Und ja – ich bin immer noch überzeugt, dass es nicht möglich ist, über die zu reden, mich ihnen zu stellen, ohne dass sie mich total überfluten.

Troztdem: ich drehe mich auch im Kreis. Denn diese Anteile verhindern auch nachhaltig, dass ich einen konstruktiven Umgang mit den Gefühlen finde.

Genauso wie das Thema „Schuld“. Das ja wiederum die Täterintrojekte füttert.

Nach wie vor denke ich, dass der Weg da sein muss, eben die Anteile zu stärken, die konstruktiv sind. Wie bei der Parabel mit den Wölfen.

Ich will den füttern, der was ändern kann in meinem Leben, der auch unbedingt was ändern will. Der einen Umgang mit Gefühlen und Gefühlsäusserungen finden, der nicht von meiner Vergangenheit geprägt ist, sondern dem heute angemessen ist.

Der mir helfen wird, die Vergangenheit weiter hinter mir zu lassen, damit abzuschließen, damit sie nicht mehr mit dem massiven Ausmass mein heute bestimmen. Obwohl das nicht mehr nötig oder zielführend ist.

Damals war das wichtig und überlebensnotwendig, doch heute ist es leider nur noch destruktiv.

Also frage ich mich, wo ich in diesem Kreislauf etwas ändern kann. Wo könnte es anders weitergehen, als es das eben tut. Gibt es Alternativen dazu?

Mache ich mir was vor? Gibt es Ausfahrten aus dem Kreislauf, die ich bisher nicht gesehen habe, sehen konnte? Oder die heute unter bestimmten Umständen gingen? Und wenn ja – was sind das für Umstände?

Das einzige was klar ist: direkt Täterintrojekte/Widersacher/Automatismen aufgreifen, anschauen oder gar benennen – geht nicht. Nicht weil ich nicht will, sondern weil ich ihnen nichts entgegensetzen kann.

So wie der  Begriff „Mutter“ vor 5 Jahren noch ein Trigger war und es damit nicht möglich und auch nicht sinnvoll war, das Thema aufzugreifen. Weil die nötige Stabilität und – Selbstsicherheit – fehlte.

Heute geht das. Es ist schwierig, aber es geht.

Und irgendwann wird das auch mit den Täterintrojekten und Co gehen – da bin ich mir sicher. Dann ist es auch gar keine Frage, dass ich das auch angehen werde.

Ich weiß nur nicht wie ich da hin kommen kann.

Ein Grund meiner Weigerung ist auch, weil sobald das Thema ist – es für mich keine Möglichkeit mehr gibt die Hilfe des Theras anzunehmen. Aber diese brauche ich, wenn ich da weiterkommen will.

Muss ich also eher schauen, wie wir es schaffen können, dass ich die Hilfe auch annehmen kann, wenn die destruktiven Anteile das blockieren? Sei es, dass wir uns dann auf das konzentrieren was dem entgegen steht oder eben nur auf das hier und jetzt (Aufmerksamkeit weg vom destruktiven, das konstruktive „füttern“)?

Das ist der Punkt, wo ich mich am meisten frage, ob ich mir was vormache.

Ein Schritt nach dem anderen. Dummerweise weiß ich nicht so ganz, was der nächste Schritt ist.

Ich weiß nur was ich will: ich will die Hilfe annehmen, will das mit dem Thera zusammen erarbeiten und ihn nicht ständig rausschmeissen. Und ich will daran arbeiten, dass die Vergangenheit nicht mehr so viel Macht über mich hat.

Ich wünschte, ich könnte einfach weinen. Tränen zulassen, Gefühle zulassen. Und ich hätte nicht so viel Panik davor die Kontrolle zu verlieren oder es nicht auszuhalten. Den Halt zu verlieren, mich darin zu verlieren, aufzulösen, oder dass der Schmerz und die Sehnsucht nach Trost, nach (aus-)gehalten werden und die Einsamkeit, so heftig wird, dass ich endgültig daran zerbreche.

Es ist ja jetzt schon meistens kaum auszuhalten.

Was also sind die nächsten – gangbaren! – Schritte? Was ist die Richtung? Was steht im Weg und könnte weggeräumt werden?

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