Thera heute

Erst war ich überzeugt, der Thera würde die Therapie beenden. Nachdem ich letzte Woche so viele „no-gos“ gebrochen habe. Unter der Woche hatte ich noch gehofft, dass das ja nur Täterintrojekt-Ecken und alter Mist sind.

Doch heute als ich dort saß, war ich davon überzeugt. Saß in Panik da und nichts ging mehr.

Es dauerte lange, bis das geklärt werden konnte, bis der Thera wusste, was eigentlich los war, ich es ihm wenigstens aufschreiben konnte.

Tja – trotzdem im alten Mist gefangen, völlig irritiert, dass er weiter macht und mich dann im Konflikt einerseits Hilfe wollen/brauchen und gleichzeitig gar keine annehmen dürfen und eigentlich nicht mal was wollen oder brauchen zu dürfen.

Den Großteil es Termines brauchten wir dann dafür, dass er mich aus dissoziativen Zuständen rausholen konnte. In einer Art, wie ich sie nicht kenne – ich konnte meinen Körper nicht mehr fühlen, nichts mehr wahrnehmen – es war wie Rauch oder so – nichts mehr greifbar, keine Grenzen, kein wo fange ich an, wo höre ich auf.

Auch keine Vorstellung davon – wenn ich versuchte mir eine Hand vorzustellen, war das als versuchte ich Rauch einzufangen. Es gab keine Form, eine Vorstellung. Keine Möglichkeit was zu bewegen, weil die Vorstellung fehlte.

Das wiederum löste Panik aus – was war/ist nur los mit mir? Alles Skills liefen ins Leere.

Der Thera schaffte es mich da rauszuholen. Aber es beanspruchte die komplette Zeit.

Am Ende war es wieder ok – nur die Hände, die waren immer noch „Rauch“.

Beim Tappen wurde mir dann klar was los ist – der Konflikt – Hilfe zu brauchen, zu wollen, Halt zu brauchen und ja – auch das Tappen, diesen Kontakt zu brauchen und zu wollen und gleichzeitig die Überzeugung, dass ich doch gar nichts  brauchen oder wollen darf. Und schon gar nicht die Hilfe des Theras, der ja eigentlich die Thera abbrecehen müsste, nachdem was letztes Mal passiert ist. So die Kontrolle verloren zu haben.

Und nicht mal im Kopf zu verstehen, dass ich da grad gewaltig in altem Mist drin bin.

Das alte du hast gefälligst dankbar zu sein und froh darüber – damals galt das für Missbrauch, Demütigung, Existenz genauso wie für Essen und Kleidung. Denn auch der Missbrauch passierte ja nur für mich – was für eine Zumutung dafür nicht dankbar zu sein.

Oder gar noch was zu wollen.

Ein Teil von mir weiß das. Dass das verdreht ist, dass das nicht normal ist. Weiß, dass das grad wieder so massiv ist, weil die Selbstständigkeit wieder bedroht ist.

Oder eher die Scheinselbstständigkeit – denn sonst würde die ja nicht immer bedroht sein wenn Thera/Betreuung/Fahrtkostengenehmigung weg zu fallen drohen. Wenn der äußere Rahmen bricht, innerhalb dessen ich so weit es möglich ist eben selbstständig leben kann – verliere ich mir. Löse ich mich auf. Gibt es kein da fange ich an und da höre ich auf mehr.

So wie es damals das nicht gab.

Dieser Teil weiss, dass gerade deshalb eine Änderung an diesem Rahmen so massiv triggert. Hilfe annehmen wieder so unendlich schwer wird – bis hin zur Unmöglichkeit.

Weiß, dass ich Jahrzehnte gebraucht habe um wenigstens innerhalb dieses Rahmens ein „ich“ zu entwickeln, Grenzen zu sehen, wahrzunehmen, zu wahren zu lernen.

Aber noch nicht stabil genug dafür, wenn dieser Rahmen oder Teile davon wegbrechen.

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