Täterintrojekte

Täterintrojekte gehören zu meinem Leben, zu meinem Alltag.

Sie unterscheiden sich.

Da gibt es die, die, wenn es mir gut geht, nicht mehr gelten. Eher alte Relikte, die für mich auch klar nicht mehr gelten, weder im Kopf, noch im Gefühl.

Trotzdem sind sie da und wenn mich die anderen “Kategorien“ genug weich geklopft haben, schleichen sich die Zweifel ein.Vielleicht haben sie ja doch recht?

Dann gibt es die, von denen ich von Kopf her weiss, dass das heute nicht mehr gilt, aber auf Gefühlsebene sind selbst wenn es mir gut geht Zeifel da, gelten sie irgendwie doch noch.

Am schlimmsten aber sind die, die auch in Kopf immer noch gelten, wohl wissend dass das Blödsinn ist, aber dennoch sind sie da, unerschütterlich.

Wenn sie auftauchen versuche ich zu klären, welche Kategorie sie sind und wo ich grade stehe.

Sind grade alte Themen aktiv?

Was davon gehört wirklich und hier und jetzt?

Wo bin ich grade? Im heute? Im jetzt?

Gibt es grade (im Umfeld/Aussen) etwas oder jemanden vor dem ich mich schützen muss?

Ist es etwas in mir? Stimmen, Gedanken, Ängste usw?

Wenn ja: ist es etwas Altes oder Aktuelles?

Bei den ersten beiden kann ich in der Regel gut was entgegensetzten, sie als das zuordnen was sie sind:

Altes, was damals Sinn hatte, schützte, aber heute nicht mehr gilt, nicht mehr gelten muss.

Hier greifen dann auch Skills gut und zuverlässig. Solange die dritte nicht auch mitmischt.

Beim dritten ist es schwieriger, da ist der Wunsch, dass es nicht mehr gilt und auch so weit verstanden, dass es altes ist, Täterintrojekte sind.

Und doch sind da Zweifel, sind da Gedanken die sagen: natürlich gilt das noch! Gibt es das „no-go“ und „darf auf gar keinen Fall“.

Da hader ich selbst im Kopf damit, bekomme kein klares “ist nur Altes, heute gilt das nicht mehr“ hin. Weil es leider nicht nur Altes ist, sondern eben auch heute noch Gültigkeit hat.

Komme gar nicht auf Gefühlsebene, weil schon davor die Zweifel gewinnen.

Schaffe es nicht dem etwas entgegen zu setzen, weil das “Vielleicht haben sie recht“ schon da alles aushebelt und oft genug ein „natürlich haben sie recht!“ ist.

Dann gehen auch die “nehmen wir mal an dass“-Fragen nicht mehr.

Nehmen wir mal an, dass das nicht richtig ist. Nehmen wir mal an, es wäre erlaubt. Nehmen wir mal an, es ginge um das was ich will. Was wäre dann? Was würde ich einer Freundin raten?

Diese Fragen helfen oft etwas Klarheit rein zu kriegen.

Aber beim dritten ist das kaum möglich.

Weil es kein “annehmen“ mehr gibt, zu sehr in altem Mist verstrickt. Kein Vielleicht mehr, nur ein „auf jeden Fall“, ein „no-go“.

Ja äußerlich ist kein Täter mehr da, aber innerlich sind sie leider nicht Vergangenheit, sind sie immer noch jeden einzelnen Tag da. Werde ich zu meinem eigenen Täter.

Gegen diesen muss ich jeden Tag dagegen ankämpfen. Denn wenn ich das nicht tue, übernehmen Sie das Denken und Fühlen.

Manchmal hab ich das so satt, frage mich wofür das ganze, sie gewinnen doch sowieso immer wieder.

Vor allem die letzten machen mir zu schaffen, die gewinnen immer und immer wieder.

Es ist egal, ob ich das will oder nicht. Das läuft einfach.

Und ich sitze da, kriege es mit und stehe ohnmächtig daneben. Sie übernehmen erst mein Handeln, dann mein Fühlen und schlussendlich mein Denken, bis es nicht mehr um das geht, was sie ausgelöst hat.

Das “darf nicht“ umgesetzt wurde, selbst das wollen ausgelöscht ist.

Statt zu leben, werde ich gelebt.

Egal ob mir das passt oder nicht.

Das einzige was ich tun kann ist dran bleiben, dennoch immer zu versuchen dagegen an zu gegen.

Irgendwie wie Don Quichotte.

Es ist frustrierend und oft zum verzweifeln. So oft will ich einfach nur aufgeben.

Doch im Endeffekt mach ich weiter, kämpfe weiter um ein Leben, dass ich so leben kann, wie ich es gerne würde. Kämpfe für eine Zukunft, für mehr Eigenständigkeit.

Für die Hoffnung, dass ich irgenwann wirklich ich sein kann. Leben kann ohne diese Schatten der Vergangenheit, die alles umhüllen, sich festkrallen und auch heute noch den Alltag prägen.

Für mehr  – ich. Sein dürfen. Sein.

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