Fahrrad

Das mit dem Fahrrad hatte ich nicht zu Ende gedacht.  Dachte nur an die Anschaffungskosten, die mein Limit ausreizten. Aber dass dann Parkgarage, zwei Reparaturen (davon eine im zwei- und eine im dreistelligen Bereich), Fahrradschlösser, -lampen, neue Lenker und Griffe usw dazukommen – daran hab ich nicht gedacht.

Aktuell steht es in der Stadt, denn das Parkhaus ist zur Zeit in unerreichbarer Ferne. Stotter ich doch noch die eine Reparatur ab.

Dem gegenüber steht meine Freude am Fahren. War es anfangs Angsttraining pur, macht es heute wirklich Spaß und wenn nicht grad eine Straße mit mehr Verkehr, ist auch keine Angst mehr dabei.

Aktuell mach ich es unterschiedlich – entweder eben nur Freude am Fahren, durchaus auch auf Straßen, aber halt keine Hauptverkehrststraßen.

Allerdings bemühe ich mich auch darum das hin zu bekommen – also durchaus auch auf Hauptverkehrstraßen zu fahren.

Radwege gehen nur teilweise, weil sie nicht auf Dreiräder ausgerichtet sind und wenn mich jemand überholen möchte oder mir entgegenkommt, muss auf den Gehweg ausgewichen werden.

Das reicht zur Zeit noch nicht dafür um wirklich Kondition auf zu bauen – dazu muss ich ja immer erst mal zum Rad hin kommen, was auch erstmal organisiert werden will.

Klar ist mittlerweile: Radfahren tut mir gut und es ist realistisch mir Gedanken um ein Elektro-Dreirad zu machen. Das würde tatsächlich die aktuell bestehenden Beschränkungen lösen.

MissMutig wird mich zu einem Dreiradcenter fahren und dort wird hoffentlich etwas mehr Realität  reinkommen welche Kosten da auf mich zukommen würden. Erst dann kann mich mir um die Finanzierung Gedanken machen.

Mir wichtige Personen wissen Bescheid und wurden schon gebeten von Geschenken zu Weihnachten/Geburtstag usw Abstand zu nehmen und mir lieber was für ein Elektro-Dreirad dazu zu geben.

Wenn dann klarer ist in welcher Preisklasse wir uns befinden (aktuell schwankt das zwischen 2,5 und 6 Tauschend) kann ich mir überlegen ob und wie ich das umgesetzt bekommen könnte.

Es würde die mobile Einschränkung zumindest bei Fahrradwetter deutlich mindern. Etwas – worauf ich schon lange nicht mehr zu hoffen wagte.

Daher ist es ein großer Schritt zu mehr Eigenständigkeit und ich werde alles dafür tun, damit ich ihn umsetzen kann.

Es war also durchaus die richtige Entscheidung ein Dreirad zu kaufen. Trotzdem hat das ziemliche Engpässe verursacht, da einfach sämtliche Reserven drauf gingen.

Das macht mir natürlich auch Angst beim Gedanken an ein E-Bike. Die Folgekostne werden da nicht weniger sein. Allerdings sind die aktuellen Folgekosten auch hautpsächlich wegen des Anschaffungspreises „zu  viel“.

Trotzdem weiß ich jetzt, dass ich darauf auch achten muss und ehrlichgesagt macht mir das schon auch Bauchschmerzen beim Gedanken daran, wie das dann mit so einem teuren Rad klappen soll. Denn da kommen dann ja Raten dazu, die erstmal auch gestemmt werden müssen.

Klar ist, dass es die richtige Entscheidung wäre und mir deutlich mehr Selbstständigkeit  bescherren würde. Vielleicht sogar soweit, dass es – über die Jahre – zu einem sehr deutlich niedrigerem Betreuungsbedarf führen kann.

Die Mobilität (oder eher die fehlende) ist sicher die Einschränkung, die am meisten meinen Alltag beeinflusst.

Das würde im Winter immer noch so sein – aber wir haben hier bei uns nur wenige Wochen, in denen es dann eben nicht mit dem Rad machbar wäre .

Allein der Gedanke daran, dass ich unabhängig von jemanden der mich fährt zum Schwimmen oder einfach so in die Stadt oder zum nächsten Laden fahren könnte – macht fast euphorisch.

Natürlich würde es nicht all meine Probleme lösen, aber es würde mein Leben schon ungemein erleichtern.

Für mich wäre das ein so riesen großer Schritt in die richtige Richtung, dass es fast nicht vorstellbar ist. Eher weil ich nicht darauf hoffen möchte und es dann finanziell doch nicht umsetzbar ist.

Ein weiterer Grund, warum da erstmal Realität rein muss. Wir haben hier sehr steile Hügel, es geht eigentlich nur bergauf und bergab, dazu kommt, dass ich ein großes Gewicht zu bewegen habe. Ein normales E-Bike kommt da nicht hinter her.

Deshalb freu ich mich auf den Besuch des Dreirad-Centers. Voller Hoffnung, dass es wirklich klappen kann. Dass ich tatsächlich nach so vielen Jahren, mal eigenständig zu einem Termin komme. So viel Eigenständigkeit zurück gewinnen könnte.

Aber auch voller Angst, dass wir in einer Preisklasse landen, die utopisch wird, weil ich das niemals abbezahlt bekommen würde.

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2 Kommentare zu Fahrrad

  1. Renée sagt:

    Liebe Ilana,

    was freue ich mich, diesen Beitrag von dir zu lesen! Das sind gute Aussichten. Es freut mich, dass es mit dem Rad so gut läuft, trotz der Reparaturen und Folgekosten. Dass du von reinem Angsttraining in Momente der Freude, der erhöhten Mobilität gekommen bist und dass sogar die Aussicht besteht, in Zukunft durch regelmäßige Belastung allmählich deine Leistungsfähigkeit auf dem Rad aufbauen kannst wie ein Baum, der langsam wächst, und dass das Elektro-Rad wirklich etwas bringen würde.

    Was die finanzielle Seite betrifft, hoffe ich, dass der Betrag niedriger ausfällt als befürchtet. Was die Finanzierung angeht, kommen außer Geldgeschenken zu Weihnachten etc. vielleicht noch andere Dinge in Betracht. In meiner Stadt gibt es beispielsweise eine Werkstatt, die ehrenamtlich hilft, Bedürftigen (wie Menschen mit Fluchterfahrung) den Ankauf und die Unterhaltung eines Rades zu ermöglichen, indem beispielsweise aus mehreren Alträdern ein voll verkehrstüchtiges Rad zusammengebaut wird, wo soweit ich weiß, die meisten Leute dann selber am Rad rumschrauben, unter Anleitung. Aber es gäbe vielleicht auch andere Sparmöglichkeiten, wo man nicht selber Hand anlegen muss. Oder Tauschringe und Facebookgruppen, wo man selber herumfragen oder einen Freund/Helfer beauftragen kann, wer sowas günstig macht, wo die besten Preise sind, ob die z. B. die Fahrradwerkstatt, die mit Leuten, die mal im Knast waren oder in der Psychiatrie oder so arbeitet, sich um den Zusammenbau eines guten Elektro-Dreirades kümmern kann. Also ein Gebrauchtkauf mit Expertenberatung, viel Probefahren, langen Wartezeiten, Kosten, die sich mehren können, aber dann quasi von Natur aus sich über Monate erstrecken, wie z. B. im Mai ein neuer Sattel, im Oktober ein neues Lenkrad etc. Und wo wenn der Sattel für Mai geplant war, dann aber eine unvorhergesehene Ausgabe dazu kam (z. B. Brille kaputt) und es dann im Mai finanziell nicht drin ist, es auch kein Problem ist, wenn das Rad eine Weile in der Werkstatt wartet und der neue Sattel dann eben ein paar Wochen später angeschafft und montiert wird. Wo vielleicht ein bequemer, langlebiger Sattel nicht gegen € eingetauscht werden muss, sondern wo es auch okay ist, wenn man selbstgemachtes Eis oder ein paar gebrauchte, hochwertige Bücher, die eh nur im Schrank rumstehen oder die man aus dem öffentlichen Bücherregal noch rumliegen hat, vorbeibringt oder abholen lässt. Hmmm, vielleicht weiß auch eine Arbeitslosenberatung, ob man dafür irgendwie Zuschüsse vom Staat oder einen O% Kredit von einer öffentlichen Bank beantragen kann. Eine, wo man bei unvorhergesehenen Ereignissen wie Kühlschrank kaputt einen Monat aussetzen kann oder weniger zahlen oder wo die Gesamtsumme kleiner ist, wenn man anfangs eine fette Rate zahlt. Crowdfunding, wo man versucht, einen Post über tumblr zu verbreiten (natürlich gut überlegen, welche Informationen man preisgibt…) oder ob die Krankenkasse einen Minibeitrag dazuzahlen würde, hmm…

    Oje, jetzt habe ich dir einen kurzen Roman geschrieben. Naja, hoffentlich war die eine oder andere hilfreiche Idee dabei. Ich sende dir ganz viel Energie für die Finanzierungsplanung und drücke dir die Daumen, dass sich ganz viele glückliche Zufälle bei der Anschaffung deines Elektro-Dreirades ergeben. 🙂

    Viele Grüße von einer begeisterten Fahrradfahrerin 😉

    P.S.:
    Ich hatte dich schon mal per Email angeschrieben und dir etwas über meine persönliche Situation wie Wohnort, Name etc. erzählt. Falls ich mal online was recherchieren soll für dich oder versuchen, bei mir vor Ort irgendwelche Vereine oder Organisation anzusprechen, ob sie in deiner Wohnregion etwas Günstiges kennen oder bundesweite Möglichkeiten sogar, dann kannst du mich gerne über die Emailadresse, die hier bei WordPress hinterlegt ist, anschreiben. Ich antworte in der Regel recht rasch, manchmal dauert es allerdings, bis die vollen Ergebnisse fertig sind, du kennst das ja mit dem Energiemangel, denke ich.

    • Ilana sagt:

      @Renée: Erstmal vielen lieben Dank. Dreirad vor Ort zusammenbauen wird schwierig – ich hab bisher nur eine einzige Werkstatt gefunden, die es überhaupt annimmt zur Reparatur – alle anderen haben mit „ist zu groß, bekommen wir nicht in die Werkstatt“ abgelehnt.

      Wir haben wir den AFC – die das unter Anleitung selbst rumschrauben anbieten, ein Freund von MissMutig hat auch Hilfe angeboten.

      Das Problem jeweils: ich bekomme das Rad nicht dahin transportiert. So dass jeweils nur Kleinigkeiten gehen, für die man keine Werkstatt oder groß Werkzeug braucht (also derjenige zum Rad kommen kann).

      Wenn erstmal klar ist, auf was ich genau achten muss, geht die Suche dann erst los – sowohl nach günstigeren Möglichkeiten als auch nach Unterstützung und Finanzierung.

      Es geht ja nicht darum, dass das sofort sein muss, vor Frühjahr sowieso nicht und dann läuft es ja nicht weg. Selbst wenn ich weiß, es dauert 2-3 Jahre – ist es einfach eine schöne Aussicht. Ein Licht in der Ferne.

      Ich bin selbst überrascht wie schnell das vom Angsttraining weg kam und sich Freude einstellte. Die Zeit kann ich nutzen um auch die restlichen Schwierigkeiten noch zu meistern – viel Verkehr, höhere Geschwindigkeit usw.

      Es wird werden!

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