Thera heute – Täterintrojekte de luxe

Ich stecke fest. In Täterintrojekten, im „nicht dürfen“. Nicht fühlen, keine Tränen, nicht sein, nicht zumuten, nichts wollen oder gar wünschen, nicht mal hoffen.

Nicht wert sein, nicht verdienen. Mich nur anstellen.

Verlier mich darin, bis das vorher im Kopf wenigstens klar als Täterintrojekt identifiziert – verschwimmt. Vielleicht haben sie ja recht. Und aus dem vielleicht wird mit der Zeit ein Bestimmt. Bestimmt haben sie recht.

Es zerreisst mich – diese Ambivalenz. Auf der einen Seite das Hoffen und Sehnen dem endlich was entgegensetzen zu können, nicht allein sein damit, Hilfe, die ja da ist, angeboten wird – auch annehmen zu können. Einen Weg finden für das Meer in mir und das Gefühlschaos und die vielen vielen Situationen und Flashbacks. Einen Weg nach draußen, damit ich nicht immer wieder innerlich darin zu ertrinken drohe.

Auf der anderen Seite das so all gegenwärtige „darf nicht“.

Ein ewiger Kampf – der erst den Thera rausschmeisst, aussperrt, wegstösst – und dann mich selbst. Die Täterintrojekte gewinnen. Wieder mal.

Übrig bleibt – Müdigkeit, Resignation und Verzweiflung.

Und wenn es dann darum geht was ich möchte, mir wünschen würde oder grad bräuchte – kommt nur: ich hab nichts zu wollen, wünschen oder brauchen. Wie ein Knüppel der alles niederhaut.

Wir haben heute das mit dem Tuch probiert. Mit der Bitte, dass er das einfach macht und wenn kein klares Nein kommt – es ein Ja ist. Denn Neins kann ich, aber die Ja – die gehen grad nicht. Wäre ja Hilfe annehmen – auch so was, was nicht sein darf. Nicht mal das Hilfe nötig haben darf sein. Die Hilfe selbst dann natürlich erst recht nicht.

Es blieb bis zum Ende des Termins – das Tuch. Aber wir müssen das anders machen – so nehme ich es zwar wahr wenn ich ganz im hier und jetzt bin, aber nicht mehr, wenn ich das nicht bin – selbst wenn nur wenig wo anders ist.  Da müssen wir nachbessern, uns überlegen wie wir das anders, besser, deutlicher machen können. Nutzen können.

Damit es vielleicht eine Verbindung wird, wenn ich den Thera sonst komplett rausschmeisse. Eine fühlbare, wahrnehmbare Verbindung.

Heute versuchten wir es von der Gegenwart aus anzugehen. Das ging nicht – ich konnte Altes vom Heute nicht mehr trennen. Täterintrojekte, die auch heute noch gelten, nicht in „altes“ packen, denn es gilt ja heute noch. Ist immer noch da. In meinem Kopf.

So präsent, dass er alles übernimmt. Und wenn es doch jetzt da ist – jetzt gilt – wie soll ich es in „altes“  packen.

Bekam es nicht mehr getrennt, verlor mich im „darf nicht“.

Nächstes Mal versuchen wir es von der Vergangenheit aus. Eine konkretze Situation von damals. Dort trennen, was eben damals war und was heute ist und mit etwas Glück – das damals dort lassen.

Ich weiß, dass dieses Vermischen in diesem Ausmass nur beim Thema „Mutter“ so ist. Dass das auch bedeutet, dass wir eine Situation mit der Mutter nehmen müssen. Bei den anderen ist es ja klar. Wenn auch nicht immer auf Gefühlsebene, so doch auf Kopfebene.

Die eine – arg präsente – Situation, die aktuell am meisten den Alltag beeinträchtigt, ist aber auch eine, die mit so vielen anderen Themen und Ängsten verknüpft ist. Inklusive der Angst, dass damit die Thera dann beendet ist. Weil das ja mal so war. Diese Situation war der Auslöser. Damals.

Am meisten Angst davor, damit wieder allein zu sein. Nicht weil der Thera weg wäre, sondern weil die Täterintrojekte wieder übernehmen und ihn rausschmeissen. Jede Hilfe ablehnen, abblocken. Darf ja nicht.

Das wäre grade bei dieser einen Situation er Super-Gau.

Also Absicherungen einbauen: ich darf die Thera nicht beenden – ist eins davon. Denn ich weiß, wie meine Täterintrojekte arbeiten. Und aus der Angst, dass er die Thera beendet – dann doch lieber selbst den Schlusspunt setzen. Nur weil irgendein alter Thera mal Mist gebaut hat. Oder zweimal.

Aber auch eine Möglichkeit finden wieder in Kontakt zu kommen.  An Regeln, Abmachungen usw – halten sich in der Regel auch die destruktiven Anteile. Dafür müssen sie nur wasserdicht sein.

Es ist dieses zerrissen werden und dieser Schmerz, wenn ich merke, dass ich wieder verliere. Dass es wieder nicht darum geht was ich will oder brauche, sondern um den alten Mist. Dass ich mich so sehr nach der Hilfe und Unterstützung sehne, dass es nur noch weh tut. Weil die destruktiven Anteile alles in der Richtung boykottieren.

Die Hilfe, die da ist, angeboten wird, ernst gemeint ist – so greifbar nah – von den destruktiven Anteilen geblockt wird. Mit allen Mitteln. Massiv.

Ich verliere. Dieser Schmerz – ist nicht auszuhalten. Und es wiederholt sich Altes. Die Ohnmacht, die Hoffnungs- und Aussichtslosigkeit, die Resignation und die Verzweiflung darüber.

Das allein sein damit. Nirgends hin können. Interessiert ja niemanden.

Dabei ist das nicht wahr. Die Hilfe ist da, ganz konkret und in solchen Momenten dennoch unerreichbar.

Und da geht es nicht darum, dass ich eine Hand nicht ergreifen kann – diese Hand würde mich ergreifen – ich kann es nur nicht zulassen.

Täterintrojekte, die nicht nur auf Gefühlsebene, sondern auch im Kopf übernehmen.

Mag ja sein, dass nur zwei Körper in dem Therapieraum sind. Dass die Täter nicht physisch da sind. In meinem Kopf sind sie es – und das Schlimme daran: ich kann sie nicht immer von mir, meinem Denken, meinem Fühlen, unterscheiden. Weil dann nicht mehr was wahr ist, real oder eben nicht.

Weiß gleichzeitig, dass ich so verstrickt bin, dass ich mir gar nicht mehr trauen kann. Weil alles durch die schwarze Brille gesehen, gehört, gedacht wird.

Weiß, dass das, was der Thera sagt – mehr mit der Realität zu tun hat, als das was in mir da ist.

Und für einen kleinen Moment – kommt es an. Glimmt die Sehnsucht wieder auf – Sehnsucht nach Hilfe in diesem so ungleichen Kampf. Sehnsucht, diese Hilfe auch annehmen, nutzen zu können.

Eine Sekunde nur, aber es ist da – zu kurz um es wirklich greifen zu können – aber es ist da.

Bis dann das „darf nicht“ wieder mit Knüppeln alles niedermäht.

Täterintrojekte sich Sch….

Mir ist jede verdammte Situation von damals lieber. Sie sind meist – konkreter, mit Anfang und Ende, nicht so zwischen den Zeilen und über allem schwebend.

Sie vergiften alles. Jeden Gedanken, jede Handlung, jedes Gefühl. Alles. Das ganze sein. Wie mit schwarzem klebrigen Teer überzogen. Nicht abwaschbar.

Wenn ich dann zu Hause bin – einige Stunden vergangen sind – ich mich ablenke usw – dann weiß ich, dass es auch anders geht. Dass das, wie es jetzt ist – eben mit der Mutter zusammenhängt.

Dass es durchaus möglich ist, Situationen zu trennen. Dass ich das – was den Vater angeht – auch geschafft hab. Dass es möglich ist, das hinter sich zu lassen.

Dass es möglich ist, mit dem Thera zusammen zu arbeiten, ohne dass alles sofort von destruktiven Anteilen vergiftet wird. Es möglich ist, den Täterintrojekten was entgegen zu setzen.

Dass es möglich ist Hilfe anzunehmen, im Miteinander mit dem Thera zu bleiben, an Themen zu arbeiten und auch wirklich was da mit zu bewirkten. Etwas verändern zu können.

Dass ich allein nicht die geringste Chance gegen die Mutter zu haben. Die Mutter, zu der es zwar äußerlich schon lange keinen Kontakt mehr gibt, aber innerlich hat sie immer noch so viel Macht. Viel zu viel.

Aber dass ich eben auch einen Therapeuten habe, dem ich soweit vertraue, der da ist, der nicht aufgibt – auch dann nicht, wenn ich aufgebe, weil ich es nicht mehr aushalten kann.

Der den ganzen Mist noch getrennt kriegt, auch wenn ich ihn schon lange nicht mehr auseinanderhalten kann. Dem ich in Bezug auf Täterintrojekte weit mehr vertraue als mir selbst.

Leider aber auch, dass ich mir da selbst im Weg stehe. Dass die Hilfe und der Wille da wären –  ich nur am annehmen können scheitere.

Es liegt nicht an jemand anderen. Es liegt nur an mir – weil ich alten Mist, Täterintrojekte, destruktive Anteile nicht vom und im Heute getrennt krieg.

 

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