Thera heute

Im Moment haben wir eine sehr intensive Phase.

Das ist an sich gut und ich bin sehr froh darüber, bedeutet es ja auch, dass wir grade wirklich gut arbeiten.

Letzte Wochen haben wir ja das Thema „Mutter“ angerissen. Das ist ja mit einigen Theraenden und -krisen zusammen. So sehr, dass ich das nicht wirklich getrennt kriege.

Heute ging es also erstmal darum und natürlich landeten wir dann auch beim Thema „Mutter“.

Dabei geht es auch um eine meiner „Kernängste“ – dass ich so bin wie sie.

Vieles von dem was ich tue oder eben nicht tue – hängt mit ihr zusammen. Oft geht es nur darum eben nicht wie sie zu sein, so dass ich Entscheidungen treffe, die weniger meine sind, sondern von ihr  geprägt.

Da sind so viele Täterintrojekte und Widersacher – die Einflüsterungen, denen ich oft kaum was entgegen setzen kann.

Die Zweifel sähen – so sehr, dass irgendwie nichts mehr ohne Zweifel da ist.

Die Angst wie sie zu sein – und sei es auch nur ein klitzekleines bisschen – hat mein Leben geprägt wie nichts anderes.

Das fängt mit der Entscheidung an, niemals Kinder zu bekommen. Weil ich selbst den winzigsten Hauch von ihr keinem Kind zumuten möchte, das hat kein Kind verdient. Und leider ist viel zu viel in mir – egal ob ich das will oder nicht.

Es betraf die Entscheidung hunderte Kilometer weg zu ziehen. So im 3 Stunden-Umkreis haben das mehrere  Geschwister gemacht, damit fing ich auch an. Doch das reichte nicht – jetzt sind es 8 Stunden und die waren nötig.

Die Angst, dass ich mir selbst was vormache, dass alles nie so war – dass ich eben das Gegenteil ihrer „Zuckerwattenwelt“ erbaut hab – ist immer da. Dabei gibt es für einiges Nachweise. Selbst mein Vater hat die Vorfälle und den Missbrauch nie geleugnet.

Es ging um die Aufmerksamkeit – um der es ihr immer ging. Und ums jammern.

Der Thera versuchte die Unterschiede raus zu filtern – was eben anders ist. Weil für mich irgendwie ein „es geht mir nicht gut“ immer gleich Jammern ist.

Er sprach davon, dass es der Apell dahinter ist – ihr ging es um Mitleid, Aufmerksamkeit und nie darum was zu ändern.

Er meinte etwas später dann, wenn er das Gefühl hätte, dass es mir nur um Aufmerksamkeit ginge, hätte er die Therapie schon längst beendet. Dass es mir immer darum ging und geht an mir zu arbeiten und was zu ändern.

Das löste ziemlich viel aus. Weil ich mir das wirklich wünsche, dass es so ist, dass ich nicht in einer sehr verqueeren Welt feststecke.

Dann klingelte es unerwartet – und es hebelte mich aus. Flashback, Körpererinnerungen, Panik, keine Luft mehr kriegen. Volles Programm.

Hilfe annehmen ging nicht – in dem Moment war ich gefühlt wie sie  – da ist was und ich bekomme Aufmerksamkeit, Mitgefühl, Hilfe, ich steckte so sehr in Zweifeln und Täterintrojekten fest – dass ich gar nichts mehr getrennt bekam.

Gegen Ende kippte es – die Anspannung wurde weniger, das Geschrei der Täterintrojekte im Kopf lauter.

Das ist wie ein Dauerfeuer – alles durcheinander und gleichzeitig, es ist einfach nur laut. Aber das ist vertraut, also ging es nur noch darum das im Kopf zu lassen, es nicht auf die Gefühlsebene rutschen zu lassen.

Es geht nicht darum was zu entgegnen oder so – das funtioniert nicht. Und drüber reden – manchmal hab ich das Gefühl das gibt denen noch mehr Macht.

Trotzdem konnte ich den Termin dann noch recht rund abschließen.

Es ist grad sehr intensiv und sehr anstrengend. Ich bin so fertig danach, dass gar nichts mehr geht. Aber es passiert auch was. Wir arbeiten – miteinander. Und wir nähern uns den schwierigen Themen.

Er hat Recht – diese  Angst – ist eine der Kernängste. Die Zweifel kann niemand entkräften, aber ich hoffe ich kann lernen irgendwann etwas anders damit umzugehen.

Das Thema Mutter ist ein Pulverfass – mit so unendlich vielen versteckt liegenden Zündern. Es ist das Thema, bei dem ich oft altes vom heute nicht mehr getrennt kriege, das Thema bei dem es ganz besonders wichtig ist, dass der Thera das noch getrennt kriegt – damit ich das irgendwann lernen kann.

So anstrengend und intensiv es grade ist – inklusive der vielen Nachbeben usw – bin ich froh darum. Nur so wird sich was ändern und ich bin dankbar, dass wir aktuell an einem Punkt sind, wo das Miteinander in der Therapie so passt, dass wir uns dem auch nähern können. Das ist nicht selbstverständlich.

 

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