Nochmal zur Herzfrequenz und Panikattacken und Co

Und ja, der Beitrag kann triggern. Also passt auf euch auf.

Für mich war die Auswertung des zu Beenden vergessenen Trainings gestern wirklich überraschend.

Mir war schon klar, dass die Aufregung/Angst/Panik sich auch auf den Kreislauf auswirkt – und den Körper.

Aber als ich 95 in der Klinik war (Psychosomatik), gab es da einen Arzt, der bei Panikattacke erstmal den Puls gemessen hat. Was an sich natürlich erst recht Panik auslöste und überhaupt nicht half.

Und mir im Anschluss sagte, ich könne gar keine Panikattacke haben, weil mein Puls nicht hoch genug wäre.

Damals fand ich es einfach nur schrecklich. Aber immerhin fiel mir da erstmals dann auf, dass ich tatsächlich in einer Panikattacke entweder das Atmen einstelle oder deutlich reduziere – ja und dass sich dann auch der Puls nur minimal erhöht, was man nur merkte, wenn man den Ruhepuls wusste (damals war ich noch sportllich und hatte eine sehr niedrigen Ruhepuls, daher war es tatsächlich so, dass ich nur bei etwa 80 in Panikattacken landete).

Erst viel später, in der Traumtherapie, stellte sich raus, dass das ein Mechanismus ist. Panik, vor allem bei Flashbacks oder in Folge von Triggern, löst auch eine Regulation des Pulses aus.

Bei anderen Panikgeschichten/Angssttraining hab ich das nie gemessen, aber die Panik unterschied sich schon damals deutlich für mich – auch als sie noch „vom Körper ablas“, so dass wohl wahrscheinlich ist, dass es da auch andere Automatismen gab.

Drauf kamen wir damals eben grade weil es für mich unterschiedlich war – wir wollten rausfinden, was anders war.

Es war das Atmen, das mir auffiel. Während ich sonst gerne mal das Atmen einfach einstellte, war das manchmal anders – da war es dann ein sehr bewusstes Atmen um innerhalb einer Frequenz zu bleiben.

Nach einem sehr langem Prozess, in dem es auch um völlig anderes ging, klärte sich dann auch dieses Phänomen.

Immer wenn es um Missbrauchs-Sachen ging – hab ich automatisch darauf geachtet, dass weder die Herzfrequenz merkbar ansteigt, noch die Atmung. Weil Angst und Panik damals gerne als „Erregung“ interpretiert wurde. Der Beweis dafür, dass ich es ja auch wollte, es gefiel, sonst wäre ich ja nicht „erregt“. Auch wenn ich als (Klein-)Kind mit dem Begriff an sich gar nichts anfangen konnte, war irgendwie klar, dass ich da ja offensichtlich was falsch mache, mich falsch verhalte.

Also musste ich das ändern. Ich glaube nicht, dass das damals sehr bewusst bei mir ablief. Es ging halt ums Überleben.

Das war auch mit ein Grund warum bei Entspannungsübungen das fast obligatorische „und wir achten auf den Atem“ zwangsläufig zum Einstellen desselben führte. Da wurde zu sehr drauf geachtet und was reininterpretiert.

Naja und dann ist das Atmen des Gegenübers nun auch keine Freude gewesen – bis heute kann ich mit Seufzern oder noch schlimmer Stöhnen gar nicht umgehen. Egal warum oder wieso.

Da ich ja nun genug mit Flashbacks zu tun hab, hab ich auch heute sehr bewusst den Herzfrequenzmesser angelassen und das Programm gestartet. Und ebenso bewusst den ganzen Tag sonst nicht weiter drauf geachtet, was überraschend schnell ging, nach einer Stunde hatte ich das schon total vergessen.

Und ja – auch heute gibt es noch Unterschiede. Reine „Paniksachen“ puschen die Frequenz wirklich hoch, alles was in Richtung Flashback und Co geht – erhöht sie mittlerweile auch – aber auch heute gab es welche, da war es nur sehr minimal und welche, da war es irgendwo dazwischen.

Mir war das nie so bewusst. Nur, dass halt bei Flashbacks und Co ich in der Regel nicht erstarre (außer ich fühle mich wirklich sicher – wie in der Thera oder zu Hause), sondern dass da sofort Mechanismen anspringen, die auch die körperlichen Auswirkungen innerhalb von Sekunden wieder regulieren. Zur Not halt inklusive Dissoziation.

Ich quasi weiterhin funktioniere und man es mir nicht anmerkt.

Der Arzt damals – war ein Idiot. Ok – damals war Trauma nicht wirklich Thema, aber mit seinem: „Sie können keine Panikattacke haben, weil ihr Puls nicht rast“ hat mich sehr verunsichert und da er durch die Berührung es für mich eh nur verschlimmert hat, hab ich mich halt nicht mehr gemeldet. Zumal das Melden ja auch schwierig war (aber halt Abmachung).

Er hat mich so nachhaltig verunsichert, dass ich Panikattacken dann lange nicht einordnen konnte. Denn wahrnehmen konnte ich das Gefühl ja damals sowieso nicht – ich konnte es nur am Körper ablesen. Am kurz Erstarren, dem Verkrampfen, der Anspannung im ganzen Körper und eben – weil ich halt körperlich merkte – da stimmt was nicht.

Bis heute ist es mir unmöglich die Frage zu beantworten, wenn mich jemand fragt, wo ich ein Gefühl spüre. Weil alles blockiert und ich nur noch die Anspannung wahrnehme, die zur Panik wird. Egal ob ich allein bin oder ob es sich um intensives oder „oberflächliches“ Gefühl handelt.

Zum Teil hat es damit zu tun. Aber nur zum Teil.

Aber das gestrige Ergebnis machte mir vor allem auch verständlich, warum mich solche Situationen auch körperlich so massiv fertig machen, ich danach so oft das Gefühl hab, grade einen Marathon hinter mir zu haben. Nicht nur vom Kreislauf, sondern auch von den Muskeln her. Diese Anspannung im ganzen Körper hinterlässt Spuren.

Auch interessant fand ich, dass ich nie unter 100 komme wenn ich außer Haus bin – also die Grundfrequenz schon sehr hoch ist – was nicht der rein körperlichen  Anstrengung geschuldet ist/sein kann. Das ist nämlich auch so, wenn ich nur irgendwo sitze.

Ich weiß, dass in der Therapie zum Beispiel mehr sein „darf“. Auch vom Körper her. Dass es da ok ist, wenn der Thera mitkriegt, wenn grad ein Flashback läuft oder ähnliches. Ich dort nicht mehr alles verstecken muss und daher auch die körperlichen Anzeichen „gesehen“ werden dürfen. Zumindest solange mir das nicht bewusst ist.

Dann stelle ich das Atmen wieder ein und erstarre.

Ich überlege noch, wie ich diese Erkenntnisse eventuell als Skill nutzen könnte. Oder ob das eine Rolle spielt, wann ich in der Öffentlichkeit dissoziiere – ob das was damit zu tun hat, dass ich – unbewusst – das nicht  genug „reguliert“ bekomme und damit ja nicht ausreichend „funktioniere“.

Es ist nur ein kleines Puzzlestück und ich will mich da jetzt auch nicht noch mehr konzentrieren.

Im Moment muss es sich einfach nur setzen glaub ich.

 

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4 Antworten auf Nochmal zur Herzfrequenz und Panikattacken und Co

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  2. Frau Heller sagt:

    Danke!
    Mir half das gerade auch einiges bei mir zu verstehen!

    • Ilana sagt:

      Das freut mich 🙂 – ich glaube, dass das gar nicht so selten so ist. Heute würde in der Traumatherapie aber auch keiner auf die Idee kommen während einer Panikattacke den Puls zu messen – Gott sei Dank!

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