zu viel frei

Mir tut diese viele ungeplante Zeit nicht gut. Dabei geht es nicht darum, dass ich mich nicht zu beschäftigen wüsste, sondern eher um die fehlende Struktur.

Die Tage gehen dahin, ich weiß oft gar nicht was für ein Tag ist.

Ich stehe morgens zur üblichen Zeit auf, spätestens um sieben, meist deutlich früher. Ok, das wird nach dem Wochenende sich alles um eine Stunde verschieben, aber das ist auch gar nicht der Punkt.

Es ist eher alles so ein Einheitsbrei und wenn ich nicht irgendeine Möglichkeit habe raus zu kommen – fällt mir schon nach 2 oder 3 Tagen die Decke auf dem Kopf. Rausgehen klappt nach wie vor nur mit Begleitung oder wenn ein Termin ist und somit der Fahrer vor der Tür steht.

Keine Ahnung warum es sonst blockiert, ich stehe an der Haustür, bis dahin geht auch alles gut – keine Panik, Angst, kein Zögern. Dann stehe ich an der Haustür, mache sie auf – und erstarre innerlich.

Auch da spüre ich keine Angst oder sonst ein Gefühl, eher wie eine Leere, ein Blackout. Kein Denken – nichts. Als wäre da eine Grenze, die ich nicht überschreiten kann.

Da es ja in  Begleitung oder mit Fahrer vor der Tür durchaus geht, verstehe ich es nicht. Aber es ist so. Bisher fand ich da keinen Ansatzpunkt, da ja auch keine Panik oder so fühlbar dann ist – es also nicht mit „sich stellen“ getan ist. Typisches Angsttraining ist nicht möglich.

Eine Vermutung – oder eher eine „Vorstufe“ – bevor ich/wir da auch in der Thera dran können, ist sicher, dass ich erstmal körperlich wieder fitter sein muss bzw wenigstens klarer sein muss, was geht und was nicht. Im Moment bin ich ja immer noch sehr von jetzt auf gleich völlig alle, dass ist sicher auch dem Dauer-Fibro-Schub geschuldet, den ich ja letztes Jahr durch das Dauerzuviel auch viel zu spät gemerkt hab.

Aber das klappt ja – da bin ich ja dran und da tut sich auch was. Bis draußen die Verhältnisse so sind, dass es nicht mehr rutschig ist, sollte auch das einigermaßen klappen.

Von daher: ich bin dran.

Das macht das mit den vielen Tagen zu Hause schwieriger – weil ich eben nicht einfach raus flüchten kann – wie ich es früher gemacht hab. Und das liegt aktuell nicht daran, dass es hier immer noch eher rutschig ist.

Mir ist nicht langweilig, ich weiß mich durchaus zu beschäftigen. Aber mir fehlt die Struktur, ein Gefühl für den Tag oder die Tageszeit.

Nicht umsonst haben wir mit dem Hilfsnetzwerk auch gezielt darauf geachtet – Termine und Co so gelegt, dass die Woche strukturiert wird, es feste Punkte gibt, an denen ich mich orientieren – oder in Krisenzeiten auch dran entlanghangeln – kann.

Und weil mir zu Hause die Decke auf den Kopf fällt, bleibt bei den Betreuungsterminen immer öfter zu Hause was liegen, weil ich einfach nur raus muss. Das frustriert, löst dieses „Versagensgefühl“ aus, bei dem ich dann so sehr kämpfen muss, diese Negativ-Spirale zu durchbrechen, zu stoppen.

Das gelingt auch, nur das „Decke auf dem Kopf“-Gefühl – wird mehr und mehr. Die Ausflüge mit dem Betreuer stehen unter höherem Druck, weil sie fast so sind, als wäre ich unter Wasser und würde da nur kurz auftauchen und verzweifelt nach Luft schnappen – für das nächste Untertauchen.

Es klingt jetzt irgendwie schlimmer als es ist. Denn es gelingt mir durchaus mich da auch immer wieder abzulenken. Ich bin nicht am absaufen oder so – eher grad wie unfreiwillig im Training für Apnoe-Tauchen oder so.

Wie bei jedem anderen auch gibt es halt gute und nicht so gute Tage und ich hoffe sehr, dass es noch eine Weile dauert bis die schlechten wieder überwiegen. Zumindest versuche ich alles, das zu vermeiden.

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