aufwärts

Es geht aufwärts. Klar gibt es immer noch auch mal Rückschläge, aber so von der Grundstimmung her merke ich eine deutliche Besserung.
Die Belastbarkeit ist immer noch weniger da, aber ich glaub, ich hab damit meinen Frieden gemacht. Will es nicht mehr so – erzwingen.

Gestern fiel mir auf, dass das einzige, was aktuell blöd läuft – die Therapie ist. Was an mir liegt, weil ich bei dem Thema Gericht und Klinik usw sehr schnell in die Täterintrojekt-Ecke rutsche. Da kann dann der Thera auch machen und sagen was er will.

Aber auch hier – es ist auf dem Tisch, wir arbeiten dran und ich denke es ist einfach etwas, was noch Zeit braucht. Es ist sicher auch mit dem einen oder anderen Thema gekoppelt, dass halt schnell aushebelt – irgendwann kriegen wir das hoffentlich so weit sortiert.

Im Alltag komm ich zunehmend besser klar, es kippt nicht mehr regelmäßig, auch wenn das Wohnzimmer grad problematisch ist. Das liegt daran, dass ich ja für den Telefontechniker alles weg räumen musste und dadurch wieder klarer wurde, dass da einfach noch zwei Rollcontainer oder Regale fehlen.

Es sträubt sich in mir die Sachen wieder einfach so in die Ecke zu packen (da liegen sie dann in Kisten). Eigentlich braucht es da eine generelle Umstrukturierung und ich hoffe, dass ich da noch die eine oder andere Idee bekomme. Im Idealfall natürlich auch eine umsetzbare.

Also werde ich morgen mal mit dem Betreuer bei einem Second-Hand-Möbelladen schauen, ob sich was findet.

Am Schönsten ist es, dass ich dann an ruhigen Tagen wie heute die Ruhe auch wieder genießen kann – weil es wirklich Ruhe ist und nicht nur ein „nichts geht mehr“.

Ich bin noch nicht menschenkompatibel – zumindest wenn es mehrere sind. Das merke ich auch wenn ich unterwegs bin.  Es ist für mich immer noch unglaublich anstrengend. Das erklärt auch, warum das Schlafen zu Hause auch ohne die ganzen  Medis deutlich besser klappt – auch wenn ich ein Einzelzimmer hatte, hörte man ja doch ständig die anderen auf dem Flur. Auch ohne sie zu sehen, kostet mich das viel Kraft.

Aber auch das wird besser.

Das Sprechen geht mit bestimmten Leuten mittlerweile sehr gut und ohne Probleme, so im Alltag übe ich weiter – Bäckerei, Bank, Bücherei usw.

Der Mutismus ist wieder ziemlich massiv geworden, da bin ich nach wie vor froh, dass ich bei solchen Angsttraining-Sachen auch ein Sturkopf bin. Sobald ich merke, dass das wieder schwieriger wird, stelle ich mich ja sehr bewusst solchen Situationen.

Auch hier – im Alltag hab ich das wieder weitestgehend im Griff, aber wenn Gefühle dazu kommen (mal von Angst abgesehen), hakt es gewaltig.

Das war ja immer schon ein Problem, es ist jetzt nur wieder sehr viel früher, dass dann ein völliges Verstummen auftritt, aus dem ich auch nur sehr schwer wieder rauskomme. Da es in der Therapie natürlich um emotionale Themen geht, erschwert das dort die Situation.

Generell merke ich, dass ich wieder viel Angsttraining mache – das war anfangs gar nicht so bewusst, mittlerweile natürlich schon.

So sind auch Bushaltestellen schwierig – also nicht nur das dort aufhalten, sondern auch das daran vorbei gehen.

Die Konsequenz ist, dass ich sehr bewusst eben an Bushaltestellen vorbei gehen, sogar Umwege mache, damit ich an welchen vorbei komme und eben in Läden nicht die Selbstbedienungsvariante wähle, sondern gezielt Varianten, in denen ich sprechen muss.

Ich weiß, dass ich grade bei Angsttrainings dazu neige zu viel zu machen, daher spreche ich das durchaus auch ab. Zur Zeit merke ich aber auch, dass das gut ist – es ist etwas aktives, etwas was ich gezielt machen kann. Es ist ein Arbeiten. Und so anstrengend und in solchen Situationen auch unangenehm es ist, so sehr ist es gut zu merken, dass ich es schaffen kann, dass ich das hinkriege.

Es ist vor allem die Aktivität – raus aus der Ohmacht oder auch dem Ausgeliefert fühlen, dass ja vor und in der Klinik so überhand nahmen – hin zu wieder aktiv was tun können, es selbst in der Hand haben. Da ist dann selbst das Unangenehme und Anstrengende ein gutes Gefühl. Einfach weil ich es machen kann.

Natürlich kommt da dann auch dazu, dass man auch merkt, dass sich was tut – dass es besser wird. Das ist ein tolles Gefühl.

All das gehört dazu – zu dem „besser gehen“.

Es geht einfach in die richtige Richtung.

Es ist das Gefühl wieder mehr ich zu werden und eben auch was tun zu können. Es geht grad nicht darum, dass irgendjemand etwas sehr existenzielles entscheiden wird.

Das macht mich dankbar – und ja – ich freue mich da auch drüber.

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