ankommen

Gestern ging es nach Hause. Der Tag in der Klinik war irgendwie komisch, weil ja um neun schon alles gepackt sein sollte und irgendwie war ich dann der Reinigungskraft auch ständig im Weg.

Wie immer bei mir war es viel Gepäck. Einigermaßen so gepackt, dass klar war: Rucksack 1 ist der, in dem die Sachen sind, die ich heute noch brauche, Rucksack 2 hat die Sachen, die ich morgen oder bis zum WE brauche, der Einkaufstrolley hat Sachen die gekühlt werden müssen (und somit sollte der auf den Balkon, damit ich ihn heute ausräumen kann), der Rest – hat Zeit.

Zuhause sollte neben Rucksack 1 auspacken nur grob Wege freiräumen und Bett beziehen laufen. Auspacken ist ok, Wege freiräumen schon schwieriger, weil einfach viel rumliegt, aber auch das ging, Bett beziehen dann nicht mehr.

Da durchweichte Bettdecke und Co – sozusagen das Begrüßungsgeschenk der Katzen (wobei ich auch weiß, dass es nur eine von ihnen war und auch welche).

Also ließ ich mich mit Bettdecke und Co vom Betreuer noch in den Waschsalon fahren, 3 Waschmaschinen und 2 Trocknerladungen später kam ich mit frisch gewaschener (und gleich bezogener) Decke wieder nach Hause. Davor noch die Matratze entsprechend bearbeiten, damit ich darauf dann auch schlafen kann.

Eigentlich wollte ich dann heute zum Waschsalon fahren, merkte aber gestern schon, dass ich das nicht hinkriege – es gab keinen wirklichen Platz um die nassen und stinkenden Sachen zu lagern und es liegt eh schon so viel rum und nur mit Fleecedecke – hmm. Im Endeffekt war es die richtige Entscheidung da gestern noch loszufahren. Da war ich eh im Funktioniermodus und so hat das auch geklappt.

Während ich heute irgendwie gar nichts hinkriege, egal welchen Stapel ich mir vornehme – die Überforderung übernimmt. Also hab ich nur Kleinkram gemacht. Mit vielen Skillspausen und ich weiß, auch wenn der Samstag für mich Horror wird, ist es gut so, wenn wir einen langen Betreuungstermin mit ausschließlich Wohnung machen. Weil das Funktionieren halt mehr greift bei mir, wenn jemand anderer noch da ist – da ist Zusammenklappen dann erst wenn ich wieder allein bin – und bis dahin ist die Wohnung hoffenltich wieder vermietertauglich.

Ich verzettel mich – will die eine Sache machen, sehe auf dem Weg fünf andere und im Endeffekt  krieg ich dann gar nichts mehr hin.

Und ich merke auch deutlich: ich bin noch nicht zu Hause angekommen – innerlich. Bin irgendwo im Niemandsland. Brauche da wohl einach mehr Zeit.

Morgen irgendwann wird der Internetanschluss abgestellt und Montag kommt ein Techniker in die Wohnung (oder auch nur zum Haus) und der neue Anschluss wird geschalten. Hoffentlich.

Da aber am Wochenende ja schon der Vermieter hier auflaufen wird, ist die Wohnung eh wieder „unsicher“. Ob ich mich je daran gewöhnen werde jemand (Halb-)Fremden in die Wohnung zu lassen ohne dass danach über Tage und Wochen Festbeleuchtung und permanentes Kontrollieren, dass ja niemand in der Wohnung ist?

Ehrlichgesagt weiß ich aktuell nicht wo ich stehe. Einerseits ist vieles weit weg, bin ich immer noch aus Raum und Zeit gefallen und jeglicher Kontakt zur Außenwelt läuft nur über den Funktioniermodus. Andererseits funktioniere ich da dann halt auch (was ich alleine nicht mehr tue).

Gefühle – hmm – keine Ahnung. Die Überforderung fühle ich, es sind auch nach wie vor viele Tränen da – vor allem gekoppelt mit dem „zuviel“, aber nicht nur.

All das was passiert ist, ist nicht weg, auch nicht aufgearbeitet, eher – weggeschlossen. Wie gut weiß ich nicht – wenn ich mir so anschaue wie wenig es braucht für dieses „zuviel“ – wohl nicht wirklich gut.  Greifbar ist es aber auch nicht.

Was auch frustet ist, dass ich wirklich massiv zugenommen habe in der Klinik – so dass ich mich wieder mal auf einem Höchststand befinde. Hab ich nun auch mit gerechnet als ich auf die Waage stieg, weil ich im Alltag die deutlichen Einschränkungen merke. Trotzdem war es ein ziemlicher Schlag.

Zu merken, dass da aber auch grad die Kraft für fehlt – frustriert ebenfalls. Auf der Prioritätenliste stehen noch ein paar Dinge drüber. Einfach weil die in den nächsten Tagen erledigt werden müssen. Danach muss ich mir wieder einen grundlegenden Plan machen.

Ein Schritt nach dem anderen.

Für heute heißt das: mir noch ein Süppchen machen und dann den Abend einläuten.

Noch 4 Tage geht es jetzt nur ums irgendwie durchhalten. Danach startet wieder ein einigermaßen (zumindest für mich) normaler Alltag in dem es ums halten geht und ums erstmal wieder eine Art Grundordnung rein kriegen.

Was die Wohnung angeht, werde ich das am Samstag mit dem Betreuer wohl schaffen, was den Rest angeht – das wird die Zeit zeigen.

Gut tat heute jedenfalls das ausgiebige Kuscheln mit den Bonsaitigern. Schon nachts merkte ich, dass die eine fast ständig auf mir lag – trotz meines unruhigen Schlafes, der sie sonst schnell vertreibt. Tagsüber war eigentlich auch fast ständig eine mit mir in der Hängematte – sobald ich darin lag. Es war und ist ein gutes Gefühl.

Wir haben wohl alle drei einiges an Kuscheln nachzuholen.

Dieser Beitrag wurde unter Betreuung, Beziehungen/Kontakte, Bonsai-Tiger, destruktives Verhalten, Erinnerungen, Grenzen, kleine Schritte, Krisenmodus, Leben, Psycho-Somatik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Kommentare zu ankommen

  1. ingrid, die Bastelmaus sagt:

    Willkommen daheim, liebe Ilana!
    Bleib so gelassen, wie Du jetzt bist, zumindest scheint es so, und geh alles ganz langsam an.
    Nur das Nötigste, wenn Du merkst, es wird zu viel, aufhören!!!
    Wie sagt man: Die Arbeit hat schon immer auf einen gewartet und ist nicht davon gerannt“, also „renne“ auch Du ihr nicht hinterher!

    Ich wünsche Dir nun mal für’s erste: EINE GUTE NACHT !
    Liebe Grüße
    INGRID

  2. B sagt:

    Alles Gute beim Ankommen!

    Wäre es nicht möglich, dass du dich anderswo aufhältst, während der Vermieter in die Wohnung kommt? Könnte man das organisieren? Oder reicht dir das Wissen, dass er drin war?
    Wie auch immer, viel Geduld wünscht

    Susanne

    • Ilana sagt:

      Doch, das würde sich einrichten lassen. Aber es wäre für mich noch schlimmer nicht zu wissen wo er überall war und was er in der Wohnung gemacht hat. Zumal ich weiß, dass er eher neugierig ist.

Kommentare sind geschlossen.