Klinikalltag

Schon seit Weihnachten ist es hier auf Station arg wuselig und ich merke, dass ich trotz Einzelzimmer da Schwierigkeiten habe mit umzugehen.

Wobei für mich nach wie vor eine Mitpatientin heraussticht, die mich schier wahnsinnig macht. Ich hab versucht herauszufinden was es denn ist – denn ich hab ja keinen Kontakt zu ihr –  und ehrlichgesagt war es vom ersten Moment an so, dass ich sie „nicht hören konnte“. Was schwierig ist, da sie ununterbrochen und (sehr!) laut quasselt.

Aber ich glaube herausgefunden zu haben was es ist. Es ist die Art, dieses „alles vereinnahmen“ – sie kommt in den Raum und ich hab das Gefühl es bleibt nicht mal Luft für mich übrig, geschweige denn Raum.

So quasselt sich auch das Pflegepersonal an – völlig egal, ob die grade mit etwas oder jemand anderen beschäftigt sind – und sie hat mir dadurch schon mehr als eine Panikattacke beschert (ich kann mit mehr Leuten im Raum, während ich die Medis hole nicht umgehen – zumal das immer etwas dauert, bis wir das blöde Hydromorphin aus dem Blister gepoppelt haben, mich das allein schon kirre macht und dann noch jemand anderer dazu – überfordert schlicht).

Sie ist sicher eine Nette, die immer alles gut meint usw., aber sie triggert ganz klar etwas bei mir an – und zwar gewaltig.

Also lauf ich nicht nur außerhalb des Zimmers mit Kopfhörern rum (das tu ich ja sowieso), sondern hab auch im Zimmer die großen auf und darauf immer Musik oder eben ne Serie oder so – nur so gelingt es mir, diese (wirklich laute) Stimme auszublenden (und das ist eine der Paralellen zu meiner Mutter – die man, wenn sie über den Balkon den Kindern im Hof etwas sagen wollte auch noch 3 Straßen weiter hörte).

Ich weiß, dass die Mitpatientin da nichts für kann, dass das mein Ding ist, aber morgens um sechs am Samstag (wenn alle ausschlafen könnten) im Flur auf und ab zu laufen und wirklich sehr laut zu rufen, wie toll doch der Himmel aussieht (und ja es war ein schönes Farbenspiel), führte dazu, dass ich mit meiner Flasche heißem Kakao erstmal in die Toilettenräume abbog, nur um ihr aus dem Weg zu gehen, denn sie stand halt auf Höhe meines Zimmers.

Gehört hab ich sie übrigens schon deutlich vor sechs.

Trotzdem ist sie an sich sicher sehr nett.

Sie weiß, dass sie mich nicht ansprechen soll und hält sich da auch dran. Ich weiß, dass es eigentlich gar nicht um sie geht, sondern um was ganz anderes und übe mich im „tief durchatmen, einfach nur atmen“ wenn ich sie sehe/höre.

Das Wuselige auf Station hat zwar auch mit ihr, aber nicht nur mit ihr zu tun – scheinen wohl die Feiertage zu sein und ich bin unheimlich froh und dankbar fürs Einzelzimmer.

Und freue mich wirklich sehr auf zu Hause. Auch wenn ich mich vor der Packererei und Räumerei (dann auch zu Hause ja erstmal nötig) fürchte. Denn ich merke zwar, dass es mir wieder deutlich besser geht, aber halt nur gut, solange alles läuft und keine größere Anforderung an mich gestellt wird als eben 3x am Tag mein Essen und zweimal meine Medis zu holen.

Nichts desto trotz – zu Hause ist wieder sicher und ich freue mich wirklich drauf, nicht ständig jemand zu hören.

Wie es morgen wird, werden wir sehen. Normalerweise nehme ich am letzten Tag des Jahres eine Schlaftablette und verschlafe die Knallerei, die in meinem Ort auch nur eine Stunde andauert und dann ist Ruhe. Hier wird das nicht so einfach sein – die Knallerei ist schon seit gestern nur noch nervig und naja – Schlafmittel nehm ich schon und schlaf dennoch nicht wirklich gut.  Mal sehen wie es wird.

Und jetzt geht ich erstmal die Abendmedis holen – bin eh schon zu spät dran.

 

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