schwieriger

Es scheint schwieriger zu werden. Kippeliger. Der Besuch von dem Herrn, der wegen der CPAP-Maske da war, hängt nach. Immer noch unsicher fühlen, bei jedem Geräusch zusammenzucken, immer und immer wieder durch die Wohnung laufen um zu kontrollieren, dass ich wirklich – abgesehen von den Bonsai-Tigern natürlich – alleine bin, die Tür ver-/abgeschlossen ist.

Die Panik, die sofort erstarren lässt, wenn ich die Schritte des Nachbarn höre, weil ich es nicht sofort (oder wenigstens nach ein paar Sekunden) als das zuordnen kann was es ist – es ist der Nachbar, der ist NICHT in meiner Wohnung, ich bin hier allein und ich bin hier sicher.

Das Gefühl der Wohnung entfliehen zu müssen. Was dann wiederum altes antriggert. Das Thema der vorletzten Wohnung, der es so schwer zu entfliehen war.

Gefühle vermischen sich, das damals und das heute vermischen sich, es gibt keine klare Abgrenzung mehr.

Dazwischen dann wieder das Funktionieren, dass nur noch klappt, wenn ich deutlich weiter weg von mir bin, als es letzte Woche noch war. Mehr Zeit die fehlt. Mehr Extreme – denn das Funktionieren kippelt immer wieder. Extreme wie „nicht da sein, geht mich nichts an“ und „Zusammenbruch droht akut“.

Kleinigkeiten, die das Kippen auslösen – ein Geruch, ein Wort, ein Geräusch, eine Änderung im geplanten Ablauf oder ein blödes Stück Mandarinenschale auf dem Boden, dass ich nicht aufgehoben und entsorgt bekomme.

Dabei geht es nicht nur um Trigger, eher um eine Anforderung, der ich in diesem Moment nicht gerecht werden kann, die so massiv überfordert, ohne dass ich genau weiß warum.

Dazu ein heftiger Fibroschub. Disskussionen des warums. Ursache und Konsequenz. Psychisch ein Wrack und mehr Schmerzen – dann ist doch klar, dass die nur psychisch sind. Oder das Gegenteil – weil es psychisch grad schwierig ist, kann ich Grenzen (vor allem körperliche erst später merke, damit den Körper wiederholt überfordere, der mit dem Schub halt ein noch deutlicheres Stopp setzt. Setzen muss. Weil Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Kopfschmerzen und Co – wurden ja ignoriert.

Im Endeffekt egal. Der Körper sagt stopp. Zeigt auf, dass er zur Not halt Sterne sehen oder wenn gar nichts hilft, wird es halt auch mal schwarz vor Augen. Notbremse oder so.

Schmerztechnisch auf einem Level, der sich auch beim Dissoziieren nicht mehr ausblenden lässt.

Und eigentlich wusste ich es. Spätestens seit Samstag, als nach der Balkonaktion die Hände und Finger weh taten, letztere dann auch dick und rot wurden. Oder die Achillessehne wieder dick und rot wurde. Ich nahm es auch wahr, aber reagierte nicht. Dazu war ich, bin ich, immer noch zu weit weg.

Der Körper fordert jetzt ein, was ich ihm sonst nicht geben würde. Ruhe. Wärme. Moderate Bewegung (denn nur Ruhe macht es eher schlimmer), Bewegung die nicht überfordert, eher ein „in Bewegung halten“ ist, das nicht belastend wird.

Ich sehe das, weiß das, die Vernunft greift, der Kopf steuert – trotz Dissoziation. Oder vielleicht auch grad wegen – denn sonst ließe sich die wohl nicht auf Dauer aufrecht erhalten.

Das alles ist klar, es ist klar was jetzt zu tun ist und ich setze es um. Aber ich fühle dabei nichts. Der Schmerz ist – abstrakt. Ja – auf diesem Level durchaus spürbar, deutlich sogar, aber so, als gehöre er nicht zu mir.

Nur wenn es kippelt – dann wird er auch in vollem Ausmaß spürbar – dann spüre ich die 7-9, die ich sonst zwar wahrnehme, aber nicht wirklich spüre, es eher nur „weiß“, oder halt am Körper ablesen kann.

Und trotzdem ist es nicht das Körperliche, das grad schwierig ist. Sondern die Gefühle, die Angst und Anspannung, die Verzweiflung und Ohnmacht. Dieses Ausgeliefert sein. Wieder einmal. Da wird irgendjemand wieder einmal darüber bestimmen wie mein Leben weitergehen wird. Unabhängig davon, ob das für mich überhaupt schaffbar ist. Lebbar.

Nein. Nicht dran denken. Flüchten. Ich bin nicht da. Nicht hier, nicht in in Raum und Zeit. Flüchten in Ablenkung und dafür die Dissoziation wieder verstärken. Und wenn das nicht geht halt wieder mit Medis nachhelfen. Einfach nicht da sein.

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