Chaos im Kopf

Die Hausaufgabe des Theras war, dass ich keinen Betreuungstermin absagen soll/darf. Nur dass ich das ja eh schon wusste und so entschieden hatte.

Aber es gibt etwas anderes, was dringen nötig ist und was ich seit ner Weile vor mir herschiebe. Also hab ich für mich irgendwie das zu einer Art „Hausaufgabe“ gemacht.

In der Klinik wurde einiges angetriggert. Die Folge war und ist, dass ich es immer weniger sortiert bekam. Dass ich vom Kopf her sehr wohl weiß, dass ich da altes vermische, es auf der Gefühlsebene aber eben trotzdem triggert und alles durcheinander würfelt.

Irgendwann blieben Satzfetzen, die einfach nur noch triggerten. Obwohl ich wusste, dass es so nicht (gemeint) war. Das wiederum triggerte eine Angst, die mich eh schon Jahrzehnte begleitet – so zu sein, wie meine Mutter. Mir ebenso eine Phantasiewelt zusammenreimen wie sie sich ihre Zuckerwattenwelt konstruierte.

Zu sehen, dass ich vom Kopf her zwar weiß, dass sich da grad was vermischt und anders war und es auf der Gefühlsebene trotzdem nicht getrennt zu kriegen – hat mich ausgehebelt. Hebelt mich aus.

Über allem schwebt ein Satz, der alles blockiert – und um diesen Satz geht es hier. Muss es hier gehen. Damit ich mir den Blog wieder zurückerober, aber auch weil ich nur so diese Blockade auch gelöst bekommen kann.

Ein Satz, den niemand gesagt hat, der Folge von anderen – gesagten – Sätzen war und ist und der jedes Aufarbeiten zu nichte macht.

Es darf dir nicht schlecht gehen!

Die Gründe sind – verdreht – eine Folge anderer Worte oder Satzfetzen.

Satzfetzen wie:

„Ich glaube Ihnen nicht“
„krankheitserhaltend“
„Krankheitsgewinn“
„Vermeidungsverhalten“
„es wird dringend empfohlen das Helfernetzwerk zu reduzieren“
„Sie machen etwas mit mir“

Ja diese Begriffe, diese Sätze fielen, aber in Zusammenhängen, in denen sie auch vollkommen in Ordnung waren. Sie waren nicht „böse“ und „unprofessionell“ – sie sind hier nur aus dem Kontext gerissen, einen Kontext in denen diese Sätze verständlich und auch richtig waren. Das ist mir wichtig.

Es war nicht falsch oder unsensible sie zu sagen. Ich bin es, die sie zum Problem machen, die sie aus dem Kontext reissen und mit altem vermische – sie damit zu etwas mache, was nie so gemeint war oder gesagt wurde.

Das ist mir immer bewusst. Und es ist mir wirklich wichtig, das hier auch absolut klar zu stellen. Es waren nicht die Mitarbeiter der Klinik, die hier das Problem verursachten, sondern ich.

Worte, Satzfetzen, die was antriggern. Der Klinikaufenthalt mag der Auslöser sein, aber er ist nicht die Ursache.

Irgendwann blieb über: es darf dir nicht schlecht gehen. Aus Angst. Angst, dass die Recht haben, dass es nur manipulativ ist, ich mir alles nur einbilde oder es mir eh nicht geglaubt wird.

Doch das Schlimmste war oder ist, dass ich mir selbst nicht traue. Dass ich alles in Frage stelle oder in Zweifel ziehe.

Und gleichzeitig genau weiß, dass sich da was vermischt, was gar nicht zusammengehört, dass der Kopf das weiß, aber dieses Wissen nicht reicht um es zu sortieren.

Ich funktionierte, lenkte mich ab und – es ging.

Und ich merkte, dass es nur Fassade ist, dass innerlich immer mehr drunter und drüber ging, immer schwerer wurde was zu sortieren oder zu klären. Ich saß da und lächelte und bekam gleichzeitig immer weniger hin.

Der Druck stieg. Innen und außen, weil nur durch den äußeren Druck der innere „in Griff“ gehalten war.

Hauptsache war: es darf mir nicht schlecht gehen. Nicht nur nach außen oder für andere – sondern auch – vielleicht sogar vor allem – für mich.

Selbst wenn man weiß, dass man sich was vormacht, kann man sich was vormachen. Wenn nur die Verzweiflung groß genug ist.

Wie immer klappt das nur nicht auf Dauer. Die Fassade fing an zu bröckeln. Ich bekam immer weniger hin, es brauchte immer weniger um mich an Grenzen zu bringen.

Als ich am Samstag im Laden stand, die blöden Pancakes nicht bekam und ich plötzlich mit Tränen in den Augen dastand und kurz vorm zusammenklappen war, wurde mir klar, dass es nicht mehr so weiter gehen kann. Dass die Fassade nicht mehr reicht. Oder die Kraft nicht mehr – keine Ahnung.

Sonntag und Montag war der Druck so hoch, dass nur noch rausgehen möglich war – und laufen. Es wurde klar, dass dieser Blogeintrag längst überfällig ist.

Wieder nicht für andere – sondern für mich. Erst wenn ich es mir selbst eingestehen kann, kann ich irgendwann auch nach außen wieder  – mehr ich sein.

Außerdem merkte ich, dass das Thema Blog in der Klinik mir meinen Blog ungut eingefärbt hat. Dass ich selbst hier nicht mehr offen schreiben konnte. Auch dafür ist es für mich wichtig.

Ich will hier schreiben können – unzensiert – ohne dass ich diese blöde Triggerspirale anstoße.

Weil es oft hier im Blog ist, dass ich was eingestehen kann, mit dem ich noch sehr hadere – noch damit kämpfe es für mich auch anzunehmen. Das fehlt mir. Das will ich unbedingt wieder haben.

Ich lebe grad in zwei Welten. Da ist immer noch diese Fassade nach außen – wobei da auch immer noch gilt, dass die auch mir gegenüber da ist – und dann ist da der Teil im inneren, der einfach nur durchdreht, völlig überfordert ist und in einem Meer an Tränen ertrinkt. Der merkt, dass er in einer depressiven Verstimmung ist, der es schlicht nicht aushalten kann. All die Gefühle, die Erinnerungen, Ängste, das Chaos.

Der Teil, der schlicht nicht sein durfte. Weil es eben nicht gut ging. Der Teil, der schon im ersten Theratermin nach der Klinik sich kurz Bahn brach – nur weil der Thera – nachfragte, interessiert war.

Der Teil der fast erstickt, ertrinkt, zerbricht oder implodiert – der aber wegen des „es darf dir nicht schlecht gehen“ selbst in der Thera nicht sein darf.

Und wieder – niemand anderer verbietet das – das mach nur ich.

Um das aufzubrechen gibt es diesen Blogeintrag. In der Hoffnung, dass ich das endlich durchbrochen kriege. Oder dass ich wenigstens einen Zusammenbruch vermeiden kann.

Damit diese beiden Teile sich wieder einander annähern, wieder eins werden.

Es muss sich was tun. Ich muss was tun. Und ich hoffe das ist ein erster Schritt dahin.

Nachtrag: Wie oft hab ich das jetzt neu geschrieben, wieder gelöscht, in den Entwürfeordner gepackt, vordatiert usw. Nur weil es so unendlich schwer fällt den „Veröffentlichen“-Button zu drücken. Selbst ein Vordatieren auf Mitten in der Nacht führte nur dazu, dass ich dann ne Stunde vorher wieder aufstand und es rausnahm.

So viele Tage. So viele Chancen? Weil es dann – real wird? Oder öffentlich? Weil dann ein wegschauen und weglaufen nicht mehr geht? Weil ich es mir dann selbst eingestehen muss und mir nichts mehr vormachen kann?

So schwarz auf weiß geschrieben ist es ja immer irgendwie was anderes als „nur im Kopf“.

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